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Krefeld
Wie Krefeld Düsseldorfer anzieht

Krefeld: Wie Krefeld Düsseldorfer anzieht
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Krefeld. Die Experten reden von "Überschwappeffekt" - Krefeld wird als Wohnstandort für Düsseldorfer immer interessanter. Mietwohnungen sind hier im Schnitt 30 bis 40 Prozent günstiger. Von Sebastian Peters

Der überhitzte Düsseldorfer Wohnungsmarkt wirkt sich immer mehr auf die Zuzüge nach Krefeld aus. Die Krefelder Stadtverwaltung führt eine Statistik, woher die Neubürger kommen. Seit Jahren belegt Düsseldorf in dieser Statistik den Spitzenwert - mehr Zuzügler kommen aus keiner anderen Stadt nach Krefeld. Ein deutlicher Aufwärtstrend ist dabei erkennbar. In den beiden letzten statistisch ausgewerteten Jahren lag die Zahl bei 608 Zuzügen (in 2012) und 555 Zuzügen (2013). Vorher lag die Zahl der Zuzüge aus Düsseldorf im Schnitt bei rund 500.

Die Gründe für Krefeld liegen auf der Hand - geringere Lebenshaltungskosten, ein hoher Freizeitwert. Vor allem auch: Günstigere Baulandpreise und Mieten bei kurzer Fahrtzeit nach Düsseldorf. Krefeld liegt nach Angaben aus Branchenkreisen 30 bis 40 Prozent unter dem Düsseldorfer Mietniveau.

Darum sind diese Menschen nach Krefeld gezogen FOTO: Lammertz, Thomas

Michael Heß vom Eigentümerverband Haus & Grund beobachtet seit einiger Zeit verstärktes Interesse von der anderen Rheinseite: "Der Düsseldorfer merkt zunehmend, dass er in Krefeld mehr für sein Geld bekommt. Es gibt bestimmte Stadtteile, die profitieren deutlich: Fischeln, Verberg, Traar und Bockum." Kristopher Kersting, Krefelder Makler von Kersting Immobilien, spricht von einem "deutlichen Zuwachs an Düsseldorfer Kunden" in den vergangenen Jahren. " Grundsätzlich stellen Düsseldorfer Kunden fest, dass Krefeld immer attraktiver wird und insbesondere in den guten Lagen mit Düsseldorf durchaus mehr als mithalten kann." Positiv wirke sich aus, dass die guten Krefelder Lagen über hohen Freizeitwert verfügen: Golfplätze, Tennisvereine, Hockeyanlagen, Jogging-Strecken und Reitanlagen seien durchaus Standortkriterien für interessierte Mieter. " Die derzeitige Umgestaltung der Innenstadt findet auch Anklang bei auswärtigen Kunden und steigert nochmals zukünftiges Nachfragepotenzial."

Thomas Siegert, Chef der Wohnstätte, registriert bei Neubauprojekten vermehrtes Interesse von Düsseldorfern - etwa beim Neubauprojekt "Nappo-Gelände". Auch für die Wohnstätte-Neubauprojekte in Gartenstadt, Oppum und Linn gebe es Kaufsignale von Düsseldorfern, sagt Siegert. André Marchel, kaufmännischer Vorstand der Allgemeinen Wohnungsgenossenschaft, registriert ebenfalls stärkere Nachfrage - etwa bei einem neuen Wohnprojekt an der Leysnerstraße im Südbezirk.

Die Erfolge von Marketing machen sich jetzt bezahlt: Krefeld wirbt seit nunmehr fünf Jahren mit der Werbekampagne "Komm doch mal rüber" um Zuzügler. "Dies geschah damals vor dem Hintergrund, dass Wohnungsmieten und Gewerbeflächen in Düsseldorf deutlich über dem Krefelder Niveau liegen", sagt Stadtsprecher Timo Bauermeister. Zuerst wurde mit Werbetafeln, einer Internetseite und Radiospots geworben, Anzeigen in Düsseldorfer Zeitungen geschaltet. Inzwischen wirbt auch das Facebookportal "Komm doch mal rüber" erfolgreich für Krefeld. 3030 "Gefällt mir"-Angaben hat die Seite, 8000 Personen haben sie in dieser Woche besucht.

Krefeld arbeitet daran, weitere Baugebiete auszuweisen, die den Überschwappeffekt aus Düsseldorf aufnehmen können. In Fischeln-Ost entstehen südlich des Friedhofes Neubauten, durch die U76 direkt an Düsseldorf angebunden. Das neu entstehende Baugebiet Fischeln-Südwest ist über die A44 direkt an die Autobahn nach Düsseldorf angebunden. Auch der Bereich der südwestlichen Innenstadt mit alternativen Wohnformen im Samtweberviertel könnte auf Düsseldorfer anziehend wirken, da für vergleichbare Wohnungen in Düsseldorf erheblich höhere Mieten bezahlt werden.

Quelle: RP
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