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Krefeld
Wie Landschaft behindertengerecht wird

Krefeld. Barrierefreiheit - das ist weit mehr als Verzicht auf Stufen. Die Uerdinger Landschaftsarchitektin Adriane Baakes-Zauner hat jetzt für ihre Planung eines Sportzentrums in Essen einen Sonderpreis erhalten. Von Sebastian Peters

Das Sportzentrum Ruhr in Essen gilt als eine bundesweit einzigartige Sportanlage für behinderte und nicht-behinderte Menschen - mitgeplant hat sie die Landschaftsarchitektin Adriane Baakes-Zauner. Jetzt ist sie dafür mit dem "Deutschen Spielraumpreis" ausgezeichnet worden. "Wir als Landschaftsarchitekturbüro sind sehr stolz; es kommt nicht alle Tage vor, dass man eine solche Auszeichnung erfährt", sagte die Uerdingerin, die betont, dass behinderten- und seniorengerechte Planung weit über die Stufenfreiheit hinausgehe.

Der Spielraum-Preis 2015 ist der Uerdingerin und dem Franz-Sales-Haus als Träger in Köln verliehen worden. Der von der Messe "Stadt und Raum" ausgelobte Preis zeichnet modellhafte und vorbildliche Spielräume aus, die für die Freiraumgestaltung wegweisend sind. Nur öffentlich zugängliche Anlagen sind zum Wettbewerb zugelassen. In diesem Jahr stand der Preis unter der Überschrift "Barrierefreie Spiel- und Bewegungsräume".

Adriane Baakes-Zauner hat das Atelier für Garten- und Landschaftsarchitektur an der Kurfürstenstraße in Uerdingen. Nach dem Studium in Höxter, wo sie ihren Ehemann und Landschaftsarchitekt Philipp Zauner kennenlernte, machte sie im Jahr 2000 ihr Diplom über eine grüne Gestaltung von Saarbrücken unter dem Titel "Grünvision Saarbrücken 21". Sie arbeitete dann für verschiedene Landschaftsarchitekten, ehe sie 2003 ihr eigenes Büro in Uerdingen gründete. Planerisch hat sie in Krefeld unter anderem den Neubau des Bürozentrums Schröter begleitet, die Außenanlagen der Hauptschule Rheurdt und einen Wasserspielplatz an Schloss Dyck in Jüchen. Zu den aktuellen Projekten zählen neben Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen städtische Kindertagesstätten und Spielplätze, sowie Schwimmbad und Hausgärten.

Der Preis für die Gestaltung der Außenanlage des Franz-Sales-Hauses in Essen ist ihr wichtig, würdigt er doch den Ansatz des Essener Franz-Sales-Hauses als Träger, Barrierefreiheit als weit mehr zu begreifen als nur den Verzicht auf Stufen und Hindernisse. "Behinderte sind nicht nur Rollstuhlfahrer", sagt Baakes-Zauner, die Erfahrung bei der Planung für Menschen mit motorischen oder altersbedingten Einschränkungen, mit Sinneseinschränkungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen hat. Bei der Planung dieser Außenanlage sei also weit mehr zu berücksichtigen gewesen - etwa die Einrichtung eines speziellen Fußballplatzes für Blinde und die spezielle Wegeführung. Die Kosten für die Sportplätze einschließlich Ausstattung und Flutlicht beliefen sich auf ca. 200.000 Euro brutto. Weitere 235.000 Euro brutto wurden in die übrigen Garten- und Landschaftsbauarbeiten, einschließlich Bepflanzung, investiert. 5.550 Quadratmeter ist das Gelände des 2009 errichteten Sportzentrums groß - viel Platz für einen Landschaftsarchitekten, um seine Pläne zu verwirklichen. Von 2003 bis 2009 wurde das Sportzentrum Ruhr fertiggestellt, das seit 2011 das Siegel "NRW ohne Barrieren" trägt. 2100 aktive Mitglieder gibt es, ein Drittel hat eine geistige oder körperliche Behinderung.

Der Bauherr wünschte sich ein integratives Sportzentrum mit Schwimmhalle, das sich für behinderte und nicht-behinderte Sportler von außerhalb öffnet und so der Vorreiter im Bereich der Inklusion werden sollte. Zahlreiche Außenspielfelder hat die Uerdinger Landschaftsarchitektin konzipiert: Es gibt ein Kunstrasenkleinspielfeld, ein Kunstrasenminispielfeld, ergänzend ein rollstuhlgeeignetes Doppel-Boulespielfeld und kleinere Ausstattungsgegenstände zum Thema Sinnesempfinden - eine Rollstuhlfahrerschaukel, ein Klangspiel und einen Summstein. Abgerundet wird das Angebot von einem Grillplatz für größere Gruppen, einem Pavillon als Rückzugsort und der Terrasse des Sportlercafés. Vorgerüstet ist bereits die Anlage eines Streetballfeldes, welches in den nächsten Jahren mit einem Kunststoffbelag hergestellt werden soll.

Mit einigen gestalterischen Maßnahmen hat Adriane Baakes-Zauner die Intimität der Anlage gewahrt. Bambus- und Gräserinseln sind als Blickstörer gepflanzt - sie bilden gleichsam eine Ruheoase für Schwimmer im Innern.

Über ein Fußwegenetz sind alle Einrichtungen des Franz-Sales-Hauses, eine Bäckerei und weitere Werkstätten, einfach erreichbar. In direkter Nachbarschaft befinden sich dabei Förderschule und Wohngebäude. Adriane Baakes-Zauner hat das Projekt in allen Planungsphasen selbst begleitet. Sie wünscht sich, dass es mehr integrative Anlagen dieser Art gibt: "Hier treiben behinderte und nicht-behinderte Sportler täglich zusammen Sport, hier funktioniert Inklusion wirklich."

Quelle: RP
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