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Rp-Telefonaktion Tag Der Patientensicherheit
Wie Medikamente sicher wirken

Rp-Telefonaktion Tag Der Patientensicherheit: Wie Medikamente sicher wirken
Die Apothekerinnen am Newsdesk in der Redaktion der Rheinischen Post: (v.l.) Dr. Beatrix Sommer, Caroline Müller und Birgit Nolte beantworteten Leser-Fragen. FOTO: Valentin Riemer
Krefeld. Heute ist der internationale Tag der Patientensicherheit. Drei Apothekerinnen haben am RP-Telefon die wichtigsten Fragen rund um den sicheren Umgang mit Medikamenten beantwortet: So vermeiden Patienten Wechselwirkungen. Von Petra Diederichs

Jedes Medikament, das Wirkungen hat, hat auch Nebenwirkungen. Und wenn zwei Medikamente aufeinandertreffen, die sich nicht vertragen, hat das Folgen für den Patienten, die unter Umständen lebensgefährlich sein können. Wie wichtig die Abstimmung der Einnahmen ist, was ein Medikationsplan, der ab 1. Oktober eingeführt wird, nützt, und wie sich Tabletten leichter schlucken lassen - darüber berieten drei Expertinnen am Redaktionstelefon: Dr. Beatrix Sommer, Chefapothekerin am Helios-Klinikum, Caroline Müller, Apothekerin am Helios-Klinikum und Birgit Nolte, Apothekerin und Sprecherin ihrer Berufskollegen in Krefeld. Die wichtigsten Fragen:

Was bringt der Medikationsplan? Ab 1. Oktober hat jeder, der mehr als drei Medikamente regelmäßig einnimmt, ein gesetzlich verbrieftes Recht auf einen Medikationsplan, den der Arzt erstellt. Das ist ein Überblick über alle regelmäßig eingenommenen Arzneimittel, wogegen sie helfen und wie sie eingenommen werden können. Das erleichtert Patienten das Handling, und bei anderen Ärzten oder im Krankenhaus ist immer die komplette Liste zur Hand. Das ist auch wichtig, wenn neue Medikamente verordnet werden. Ärzte und Apotheker sehen so, welche Präparate zu dieser Liste passen oder besser nicht gegeben werden. Daher sollte der Patient unbedingt alles angeben, was er einnimmt, auch Nahrungsergänzungsmittel, nicht verschreibungspflichtige Präparate oder Vitaminzusätze aus dem Drogeriemarkt.

Was bringt ein Medikations-Check? Nach Terminvereinbarung werden alle Medikamente aus dem Medikationsplan auf mögliche Nebenwirkungen, mögliche Wechselwirkungen untereinander, auf Doppelmedikation und Haltbarkeit überprüft. Das ist ein aufwändiges, individuelles Verfahren und kostenpflichtig. In Krefeld liegt die Gebühr bei 69 Euro. Für den Check, den noch nicht alle Apotheken anbieten, müssen Termine vereinbart werden. Die üblichen Beratungen bleiben weiterhin kostenlos.

WieSo sollen Tabletten mit Wasser eingenommen werden? Manche Medikamente, vor allem Antibiotika, Immunsuppressiva und HIV-Medikamente verändern ihre Wirkung, wenn sie mit Fruchtsäften - vor allem Grapefruit - oder Milch zusammenkommen. Darüber informiert der Beipackzettel. Wasser ist neutral. Ein Glas ist ausreichend. Wer weniger Flüssigkeit nimmt, riskiert, dass die Tablette nicht richtig in den Magen-Darm-Trakt rutscht, wo sie ihre Wirkung entfalten soll. Es kann zu Klebeprozessen in der Speiseröhre kommen, die Schleimhaut wird zerstört und das Organ geschädigt.

Darf man Tabletten zerbeissen? Wer Schwierigkeiten hat, größere Tabletten zu schlucken, sollte in der Apotheke nachfragen. Dort gibt es auch spezielle Tablettenteiler. Retardtabletten dürfen nicht zerkleinert werden, denn sie sollen Langzeitwirkung bieten und sind so konzipiert, dass sie unversehrt im Magen ankommen müssen, um ihre Wirkstoffe nach und nach freizusetzen. Wird die Kapsel zerstört, kommt zuviel Wirkstoff auf einmal in die Blutbahn. Bei Blutdrucksenkern zum Beispiel geht der Druck dann rapide in den Keller und steigt anschließend wieder an.

Darf Man MedikamentE absetzen, wenn sich Nebenwirkungen zeigen? "Auf gar keinen Fall eigenmächtig handeln", sagen die Expertinnen. "Immer erst fachlichen Rat einholen." Wie ein Körper auf ein Medikament reagiert, ist immer individuell. Und zu vielen Produkten - von Antibiotika bis zu Diabetesmedikamenten - gibt es inzwischen schon zahlreiche Alternativen.

Wo Werden Tabletten gelagert? Das Medizinschränkchen im Badezimmer ist nicht nur von gestern, sondern völlig ungeeignet. Zu feucht und zu warm ist es dort. Die Apothekerinnen empfehlen einen trockenen, dunklen und kühlen Ort, am besten im Schlafzimmer oder im Flur. Auch die Küchenschublade bietet kein geeignetes Klima. Bei falscher Aufbewahrung können sich die Wirkstoffe verändern. Im günstigsten Fall verlieren die Medikamente dann ihre Wirkung, schlimmstenfalls gibt es unerwünschte Effekte.

Gibt es Tricks, um Kapseln leichter zu schlucken? Es gibt sogar zwei. Beim "Tabletten-Flaschen-Trick" wird die Tablette auf die Zunge gelegt. Dann mithilfe einer flexiblen Plastikflasche einen kräftigen Schluck Wasser einsaugen und die Pille bei leicht nach hinten geneigtem Kopf schlucken. Der "Kapsel-Nick-Trick" funktioniert so: Tablette auf die Zunge legen, einen Schluck Wasser nehmen und dann mit leicht nach vorn geneigtem Kopf schlucken.

Quelle: RP
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