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Adoro
Wie Pop zur Mozart-Arie wird

Adoro: Wie Pop zur Mozart-Arie wird
Eigentlich ein Quartett: Im Interview erzählen Peter Dasch (2.v.l.) und Assaf Kacholi (3.v.l.), warum sie sich Adoro angeschlossen haben, wie sie ihre Musik finden, was Pop und Klassik verbindet und wieso sie doch manchmal die Oper vermissen. Zu Adoro gehören auch Nico Müller (r.) und Jandy Ganguly. FOTO: Artist Legend
Krefeld. Adoro gratwandelt auf der Trennlinie zwischen Pop und Klassik. Als Castingprojekt haben die Opernsänger begonnen, jetzt feiern sie mit einer Tournee ihr zehnjähriges Bestehen - und kommen am 12. März in den Königpalast. Ein Gespräch über die Anfänge und die Zeit heute.

Pünktlich auf die Sekunde klingelt das Telefon; eine freundliche, helle Stimme sagt: "Hier ist Adoro." Am Apparat sind Bassbariton Peter Dasch und der lyrische Tenor Assaf Kacholi. Man gerät ins Plaudern - über die Trennschärfe von populärer Musik zu klassischer Oper, den Unterschied von Sarah Connor zu Wolfgang Amadeus Mozart und den Verlust von Rollen. Von den vielen Fragen bleiben am Ende aber einige unbeantwortet. Nach knapp 14 Minuten beendet Adoro das Gespräch, das nächste Interview wartet. Das Leben von Adoro ist eng getaktet.

Die Trennlinie zwischen Pop und Klassik war eigentlich immer die schärfste in der Musik. Warum ist das jetzt nicht mehr so?

peter dasch Das ist vor allem so in Deutschland, dass die Trennung zwischen Pop und Klassik so scharf ist. Wir sind genau auf der Linie unterwegs und kümmern uns nicht darum, was wozu gehört. Von Pop bis Klassik ist doch alles bunt gemischt.

Die Oper gilt als die große Kunst. Pop ist eher einfach so da, dudelt nebenbei aus dem Radio, erfordert keine große Aufmerksamkeit. Wie passt denn das überhaupt zusammen?

dasch Als wir vor vielen Jahren anfingen, war es erstmal ganz neu für uns. Aber wir haben schnell gemerkt, wenn Text und Musik stimmig sind, dann ist das überhaupt kein Problem. Anfangs klang das etwas gewöhnungsbedürftig; heute ist das für uns alle selbstverständlich. Wir interpretieren die Titel neu und bringen sie auf eine andere Ebene, verändern Ton und Tempo, dass ein ganz neuer Song entsteht. Wir hinterfragen das heute gar nicht mehr.

Als Sie sich vor zehn Jahren dem Castingprojekt Adoro angeschlossen haben - was haben Ihre Kollegen aus der Opernbranche zu Ihnen gesagt?

dasch Ich glaube schon, dass der ein oder andere die Nase gerümpft hat. Aber der Erfolg gibt uns Recht. Viele sehen ja, dass wir hart arbeiten - ganz ohne den Schutz einer Rolle oder einer Regie. Wenn wir auf der Bühne stehen, dann stehen wir da und spielen keine Rolle, das sind nur wir. Das sind ganz andere Herausforderungen. Aber nach und nach hatten wir das Gefühl, dass die Kollegen voller Respekt waren. ASSAF KACHOLI Ich war von Anfang an sehr überzeugt, als ich das Orchesterarrangement gehört habe. Es muss eine Botschaft geben, tolle Momente. Einen Popsong zu einem Adoro-Song zu machen, ist fast wie eine Oper zu schreiben. (Beide lachen.) Sarah Connor oder Schubert - das sind beides Menschen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass die Musik von Puccini auch mal als populäre Musik galt.

Was hat Sie damals dazu bewogen oder überzeugt, sich Adoro anzuschließen? War das eine einfache Entscheidung? Sie wurden von mehr als 100 Bewerbern ausgewählt.

kacholi Weil mich das berührt und anspricht, was wir machen. Ich bin als klassischer Sänger auch Purist und war vorher schon Fan von vielen Crossover-Projekten in der ganzen Welt, etwa von Pavarotti & Friends. Für das deutsche Publikum so etwas zu machen, bereitet mir sehr große Freude. DASCH Die Ernsthaftigkeit und die Gründlichkeit haben mich überzeugt. Es geht nicht darum, ein bisschen Orchestersound hinter einen Popsong zu legen. Sondern wir machen etwas Eigenes zurecht. Das war ein langer Prozess, wir haben viel ausprobiert und uns nicht so schnell zufrieden gegeben. Das alles hat eine ausgesprochene Qualität. KACHOLI Den Gesang zu interpretieren, wie die Stimmen zusammen harmonieren. Man singt einen Sarah-Connor-Song wie eine Mozart-Arie. Das ist unsere Interpretation, Adoro hat seinen eigenen Charakter.

Und wie sehen Sie das heute, zehn Jahre später? War es richtig, sich Adoro anzuschließen?

dasch Wir haben bisher eine großartige Zeit gehabt. Erst letztens haben wir ganz viele Fotos aus der Zeit angesehen und es ist wirklich erstaunlich, wie viel wir erlebt haben. Das möchte ich alles nicht missen. Wir freuen uns jetzt auf unser Publikum, freuen uns auf Krefeld.

Wie ist der Weg von einem Popsong zu einem Adoro-Song? Gibt es Stücke, die sich besser oder weniger gut für die Vermischung mit Klassik eignen?

dasch Es muss eine schöne Melodie zu einem schönen Text geben. Es eignet sich nicht alles, unsere Stimmen müssen zur Geltung kommen können.

Vermissen Sie denn nicht hin und wieder doch das klassische, traditionelle Engagement an einem Opernhaus?

Dasch Ein bisschen. Wir versuchen da und hier etwas nebenbei zu machen, einen Liederabend oder ein Konzert. Aber für ein Engagement ist natürlich keine Zeit. Es ist aber zu schön bei Adoro, als dass man anderes vermissen könnte.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HENNING RASCHE.

Quelle: RP
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