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Krefeld
Will Cassel übergibt Nachlass zu Lebzeiten ans Stadtarchiv

Krefeld: Will Cassel übergibt Nachlass zu Lebzeiten ans Stadtarchiv
Von links: Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs, das Ehepaar Cassel und Elena Degemann. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Der Erfinder des Gartenzwergpreises imponierte selbst Joseph Beuys - dem großen Provokateur. Von Christine van Delden

Will Cassel, der bekannte Krefelder Maler, Zeichner und Objekt-Performance-Gesamtkünstler, hat seinen "Vorlass" an das Krefelder Stadtarchiv übergeben. Insgesamt 190 sogenannte Verzeichnungseinheiten füllen etwa 2,50 Regalmeter im Archiv. Olaf Richter, Leiter, des Krefelder Stadtarchivs erklärt: "Diese Sammlung ist für die Stadt- und Kulturgeschichte Krefelds von höchster Bedeutung und bereichert unseren Bestand".

Joseph Beuys schreibt am 17. Januar 1973 an den Krefelder Künstler "Lieber Cassel, ich bin Dir für die Verleihung des Gartenzwergpreises sehr dankbar. Persönlich miteinander gesprochen haben wir ja bisher wenig. Es sollte bald geschehen. Denn schriftlich kann ich wegen "zu viel" nicht mehr ausreichend ausschmücken. Wir wollen ja nicht "uns ablenken" lassen. Grüße Dein Beuys. Andere Seite: Der Gartenzwergpreis ist so gut wie der Nobelpreis. FOTO: Thomas Lammertz

Bereits im November des vergangenen Jahres kam der erste Kontakt zwischen dem Künstler und dem Stadtarchiv zustande. Olaf Richter zollt insbesondere der Ehefrau des Künstler, Siegrun Cassel, großen Dank und Anerkennung: "Frau Cassel hat einen hohen Anteil daran, dass das Material in dieser Dichte zusammengetragen wurde und sie hat es sehr gut vorsortiert". Siegrun Cassel fügt hinzu: "Mein Mann hatte jeden Tag neue Ideen; ich habe zugehört, das war für mich auch immer interessant - und ich habe früh angefangen Dinge aufzuheben".

Elena Degemann, Kunstgeschichtsstudentin aus Düsseldorf, absolvierte im Mai ein einmonatiges Praktikum im Stadtarchiv, als der "Vorlass" von Will Cassel eintraf. Ihrer Vorerschließung ist es zu verdanken, dass die Sammlung mittlerweile auf 23 Seiten in einem Findbuch zusammengetragen ist. Sie beschreibt ihre Arbeit als "ungeheuer spannend". Sie habe zunächst eine grundlegende Sichtung durchgeführt, um den Inhalt zu erfassen, um ihn dann in eine Ordnung zu bringen: Mappen, Notizbücher, Zeugnisse und Korrespondenz mit Galerien, Künstlern, Städten, in denen Ausstellungen oder Aktionen stattfanden, Handzettel, Plakate, Zeitungsartikel und vieles mehr galt es zu sichten und in eine Struktur zu bringen. Das somit entstandene Findbuch dient nun interessierten Besuchern als Gliederung: "Natürlich konnte ich bei der Menge des Materials und der Kürze der Zeit nicht alles im Detail lesen und es bleibt sicherlich spannend, was es noch zu entdecken gibt". Das Herzstück der Sammlung sind 82 kleine Notizbücher von 1971-1999. Sie enthalten handschriftliche Notizen zu Werken und Aktionen; enthalten aber darüber hinaus auch Federn, Blätter oder Zeitungsausschnitte. Will Cassel hierzu: "Das Schöne an diesen Notizbüchern ist, dass man sehen kann, wie die Bilder entstanden sind. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs war, habe ich oft meditiert. Wenn eine Idee klar war, notierte ich sie in mein Büchlein".

Für Will Cassel sind die gesammelten Briefe ein Eintauchen in vergangene Zeiten: "Ich habe mich gewundert, was da alles zusammengekommen ist. Durch die Re-Lektüre der ganzen Briefe muss ich rückblickend erkennen, dass Paul Wember für mich wie eine Vaterfigur war - er ist bei uns zu Hause ein- und ausgegangen". Will Cassel nennt die gesammelten Briefe "eine richtige Fundgrube" für seine Arbeit und erkennt: "Viele dieser menschlichen Verbindungen sind verschüttet; das ist die Schwierigkeit, wenn man alt wird". Abschließend bemerkt Will Cassel: "Ich finde es sehr schön, dass dieser "Vorlass" mit meinem 90. Geburtstag im August zusammen kommt" und ergänzt "Das kann man sozusagen schon mal eine Abrechnung nennen".

Quelle: RP
 
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