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Krefeld
Windges schenkt Plakate ans Stadtarchiv

Krefeld. Farbige Flugzeugdächer sind eine Krefelder Erfindung: Anfang der 1970er-Jahre erhielt der Grafiker Theo Windges von einer Düsseldorfer Fluglinie den Auftrag, ein neues Erscheinungsbild zu entwerfen. So entwickelte er die Idee, die Dächer der Jets rot lackieren zu lassen, damals eine Weltneuheit. "Die Dächer von allen Maschinen waren früher weiß, weil sich sonst die Flugzeuge in der Sonne aufheizten", erinnert sich der 73-Jährige. Doch der Effekt gefiel den Betreibern der Fluglinie so gut, dass sie sich sagten: Ach, die drei Grad merkt doch keiner. "Das war ein riesiges Palaver, als die erste Maschine von Amsterdam in Düsseldorf landete", so Windges. Die Mitarbeiter hätten gelästert, da kommt die Feuerwehr. Die Chefs seien jedoch begeistert gewesen. Dieser Coup verschaffte dem jungen Grafiker in der Folgezeit einige Aufträge. So entwarf er für Stadt, Vereine und Institutionen in Krefeld Hunderte Veranstaltungsplakate. Ein Konvolut hat Windges nun dem Stadtarchiv Krefeld überlassen.

Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs, und ein Mitarbeiter benötigten mehrere Stunden, um die rund 350 Plakate in Windges' Ausstellungsraum, einem einstigen Schwimmbecken, von den Wänden zu nehmen. Sie hingen in mehreren Lagen übereinander, wie Sedimente der Stadtgeschichte: KEV gegen den Berliner SC; Heute VHS, damit Sie morgen nicht von gestern sind; Internationaler Museumstag; Konzerte der Sinfoniker; Theaterstücke. Und in der Regel hat Windges eine Geschichte zu allen parat. Für die mehrtägige "Philadelphiade - 300 Jahre Deutsche in Amerika" im Jahr 1983 entwarf er gleich zwei Plakate. Beim Höhepunkt der Veranstaltung, dem Besuch des damaligen US-Vize-Präsidenten Georg Bush und des Kanzlers Helmut Kohl im Seidenweberhaus, war Windges auch in der Halle, als sich ein legendärer Zwischenfall ereignete: "Plötzlich ging das Licht aus. Alle dachten an ein Attentat. Die Sicherheitsleute haben sich auf den Vize-Präsidenten gestürzt", erinnert sich Windges. Bis heute ist nicht geklärt, ob es sich beim Lichtausfall um Zufall oder Absicht gehandelt hat.

Rund 400 Plakate befanden sich bisher im Besitz des Archivs, in erster Linie von Parteien, Sport- und Kulturveranstaltungen. Jetzt ist der Bestand fast verdoppelt. Eine spätere Digitalisierung des neuen Archivguts sei vorgesehen. Damit die Plakate auch sachgerecht gelagert werden können, wurden neue Kartenschränke gekauft, in denen die großen Blätter liegen können.

Quelle: RP
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