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Krefeld
Wir erklären den Schluff

Am vergangenen Wochenende startete der Schluff, Krefelds legendäre Dampflokomotive, in die neue Saison. Wie funktioniert er? Wann pfeift er? Und warum sieht man keine Kohle? Von Sebastian Peters

Bernd Pfeiffer, Werkstattmeister bei der SWK mobil, erklärt die besondere Technik der einzigartigen Dampflok von 1947 - vom Tank bis zur Beleuchtung.

Sie fährt nicht, sie schlufft. Der Name der legendären alten Krefelder Dampflok leitet sich vom mundartlichen "Schluffe" für Pantoffel ab. Genau wie ein alter müder Mann, der seine Pantoffeln nur noch mit Mühe über den Fußboden bewegt und dabei schnauft, lässt es auch der Krefelder Schluff gemächlich angehen - er hat schließlich 64 Jahre auf dem Buckel, seit 31 Jahren ist er in Krefeld im Einsatz.

Kaum jemand kennt die alte Krefelder Dampflok so gut wie Bernd Pfeiffer von den SWK mobil. Er ist Werkstattmeister und hat mit seiner alten Bahn so manche Geschichte erlebt. Die raffinierte Technik der Nassdampflok nennt er "ein Heiligtum"; im Gegensatz zu den meisten anderen Loks fährt der Schluff mit nassem (also gesättigtem) Dampf. Doch nicht nur dies macht ihn besonders - auch die Befeuerung, die modernisiert wurde, und mittlerweile auf Ölbasis funktioniert. "Eine Kuriosität in Europa", sagt Pfeiffer.

1600 Liter Heizöl fasst der Tank. 600 Pferdestärken hat die 11,10 Meter lange und 66,5 Tonnen schwere Lokomotive, die mehrere Waggons zieht. "Maximal 40 bis 50 Kilometer pro Stunde kann der Schluff fahren", sagt Pfeiffer. Doch dieses Tempo erreicht der alte Mann zwischen St. Tönis und dem Hülser Berg fast nie, er tuckert konstant mit 30 km/h. "Selbst da beschweren sich ab und zu Fahrgäste und sagen, wir sollten langsamer fahren."

Pfeiffer kann stundenlang vom Schluff erzählen - zum Beispiel, wie wichtig es ist, dass das Wasser den richtigen Härtegrad besitzt. Stimmt der Härtegrad nicht, droht das Wasser die Rauchrohre zu zerfressen; ein teurer Schaden entstünde. Dabei sind Ersatzteile schwierig zu beschaffen. 80 Prozent der Teile im Schluff sind einzigartig. Bernd Pfeiffer hat schon so manches Wagnis unternommen, um an Ersatzteile zu kommen: "Vor Jahrzehnten gab es die Mode, auf Kinderspielplätzen alte Dampfloks einzubuddeln. Ich habe dann viele städtische Grünflächenämter angeschrieben und darum gebeten, im unter der Erde liegenden verbuddelten Teil nach Ersatzteilen graben zu dürfen." Ein Grünflächenamtsleiter einer großen Ruhrgebietsstadt sagte ihm: "Meinetwegen können Sie das machen, ich weiß von nichts." Seitdem hat Pfeiffer ein paar Ersatzteile mehr. "Ich habe inzwischen Teile in einem großen Container."

Eines der wichtigsten Teile im Schluff ist das Warnsignal für die Fußgänger. Da gibt es einerseits die Glocke ("Es gibt endlose Regeln, wie geglockt werden muss") und die Pfeife zur Warnung. Nicht an allen Bahnübergängen der Schluff-Strecke gibt es Schranken. Pfeiffer ist es schon passiert, dass ein Gehörloser das laute Pfeifen das Schluffs nicht hörte. "Ich habe den Schluff damals gebremst und bin kurz vor der Person zum Stehen gekommen. Als sie sich umdrehte, hat sie sich riesig erschreckt." Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Technik funktioniert. Einmal im Monat wird der Schluff gewartet, jährlich der Brenner untersucht. Damit in Krefeld noch viele Jahre geschlufft werden kann.

 
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