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Zum Tage
"Wir schaffen das!"

Krefeld. War das nicht so etwas wie das Wort, der Satz dieses Jahres, von September 2015 an bis heute? Damals hat Angela Merkel es gesagt und seitdem oft wiederholt, wenn auch differenzierter, abwägender, überlegter - nicht in dieser Aufbruchstimmung, die vor mehr als einem Jahr herrschte, als überraschenderweise Hunderttausende von Flüchtlingen in unser Land kamen und zunächst die meisten Deutschen diese willkommen hießen. "Wir schaffen das" - wie oft ist sie seitdem von fast allen politischen Lagern kritisiert, ja verunglimpft und beschimpft worden - bis dahin, dass manche Irregeleitete sie auf der Flucht ins Ausland, in einer Zwangsjacke abgeführt, sogar an einem Galgen sehen.

"Yes, we can" - das war das Wort, der Satz des Jahres 2008, als Barack Obama sich zum ersten Mal als Wahlsieger der Präsidentschaftswahlen in den USA feiern ließ. Das war sein Motto, frei übersetzt "Ja, wir schaffen das!". Mit seiner Art, mit diesem Motto gewann er die Herzen derer, die ihn wählten. Auch wenn er dann in acht Jahren manches nicht geschafft hat (Guantanamo, Teile der Gesundheitsreform, Waffengesetz), ist der große selbst geäußerte Anspruch an seine eigene Amtszeit, seine Leistung unvergessen.

"Wir schaffen das" - mich erinnert dieser Satz an das Zitat des Apostel Paulus aus seinem Philipperbrief, Kapitel 4, Vers 13. In der Lutherübersetzung heißt es: "Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht". Mit "Der" ist Jesus Christus gemeint. In einer neuen Übersetzung heißt es: "Ich bin allem gewachsen durch den, der mich stark macht."(Basisbibel). Ich übersetze frei: "Ich schaffe alles durch Jesus, der mir die Kraft dazu gibt." Als Gemeinde, als Gesellschaft können wir das einzelne "Ich" durch das "Wir" ersetzen.

Das heißt doch: welche Schwierigkeiten wir auch haben mögen, welche sachlichen Probleme auch zu überwinden sind, welchen gegnerischen Diskussionen wir uns auch stellen müssen - grundsätzlich gilt, dass wir in Jesu Namen und in seiner Kraft in der Lage sind, Dinge zu schaffen, Situationen zu bewältigen, Aufgaben anzupacken, die wir uns, die andere uns kaum zutrauten, angefangen bei der Flüchtlingsproblematik über die nahende Klimakatastrophe bis hin zu der wachsenden Unlust an der Demokratie auch in unserem Land.

Daher noch einmal und trotz alledem: "Wir schaffen das!"

THOMAS STOCKKAMP, PFARRER I.R. STOCKKAMP@WEB.DE

Quelle: RP
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