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Rechtsstreit in Krefeld
Wirbel um beschlagnahmte Hunde

Rechtsstreit in Krefeld: Wirbel um beschlagnahmte Hunde
Da waren sie noch klein: Frank Schankat vom Krefelder Tierheim mit den jungen Kangal-Welpen. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Die Stadt hatte 2013 einem Züchter eine Kangal-Herde entnommen. Der Vorwurf: Die Züchtung war illegal. Der Züchter ging vor Gericht, die Stadt verlor den Prozess - und hat jetzt ein großes Problem. Von Sebastian Peters

Das Krefelder Veterinäramt hat nach Ansicht der Justiz zu Unrecht mehrere türkische Herdenschutzhunde der Rasse Kangal eines Krefelder Züchters beschlagnahmt. Stadtsprecher Manuel Kölker bestätigte unserer Redaktion auf Anfrage, dass die Stadt einen Prozess vor Gericht verloren hat; es soll einen Verfahrensfehler gegeben haben. Die Krefelder Verwaltung hat nun ein Problem: Das Krefelder Tierheim hat die Hunde aufgenommen und an neue Halter weitergegeben. Die Stadt hat deshalb jetzt begonnen, die Hunde von ihren neuen Haltern wieder zurückzuholen.

Gemeldet hat sich deswegen bei unserer Redaktion der Krefelder Hundehalter Andrew Harkness (46) von der Kaufmannstraße in Hüls. Er hatte vor sechs Monaten die Kangal-Hündin Nelly als Welpen aufgenommen. "Die Stadt kann mir das Tier doch nicht einfach wieder entreißen", klagt Harkness.

Zum Hintergrund: Im Januar 2014 hatte unsere Redaktion von insgesamt 23 Hunden der Rasse Kangal berichtet, die das Veterinäramt 2013 beschlagnahmt und im Krefelder Tierheim untergebracht hatte. Die meisten der Tiere sind laut Stadt illegal gezüchtet worden. Die Tiere seien widerrechtlich gezüchtet worden, ohne die erforderlichen Papiere, Impfungen und Entwurmungen. Der Züchter habe für die Tiere 500 bis 700 Euro verlangt - weit weniger als die üblichen 1000 bis 1200 Euro.

Konkret wollte die Stadt aber nicht mitteilen, warum der Züchter keine Berechtigung hatte. Insgesamt zweimal holte die Stadt ganze Hundefamilien ins Tierheim. Mit weiteren Fundtieren kam sie auf 23 Kangals. Die meisten der Tiere sind vergeben - nachdem das Tierheim einen Aufruf an Interessenten startete, inzwischen bei neuen Haltern. Die Kangals werden bis zu 60 Kilogramm schwer und brauchen viel Auslauf. Experten machen darauf aufmerksam, dass sie als Herdenschutzhunde durchaus bei Angriff aggressiv werden können.

Andrew Harkness und seine Lebensgefährtin sind traurig. "Ich hatte den allerersten Hund bekommen. Wir haben hier eine 1,5 Hektar große Streuobstwiese am Lookdyk, Nelly hat sich dort so gut eingewöhnt." In der vergangenen Woche sei plötzlich die Stadt erschienen und habe den Hund wieder abgeholt. Dabei ist es doch mein Hund, und ich habe nichts schriftlich." 2000 Euro habe er schon für die Hundeschule ausgegeben. "Dieses Geld ist nun ebenfalls für die Katz."

Am heutigen Montag soll es, so bestätigte Stadtsprecher Kölker, ein Treffen innerhalb der Stadtverwaltung geben, bei dem das weitere Vorgehen besprochen wird. Der ursprüngliche Halter hat laut Harkness der Stadt das Angebot gemacht, dass sie 1000 Euro pro Hund zahlen und die Tiere bei den Haltern lassen könne. Harkness sagt, dass der Halter auch nur die weiblichen Hunde zurückverlangt habe - wohl für die Züchtung. Harkness fordert: "Wenn die Stadt einen Fehler gemacht hat, soll sie dafür geradestehen." Er hat die Tierrechtlicherin Susan Beaucamp als Anwältin eingeschaltet. Sie sagt: "Ich bin der Meinung, dass mein Mandant den Hund gutgläubig erworben hat und ihn deshalb behalten darf." Sie trifft heute die Stadtverwaltung.

Quelle: RP
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