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Krefeld
Wo Fische die Angler beobachten

Krefeld: Wo Fische die Angler beobachten
Hans Boelk, Gewässerwart des ASV Krevag und offiziell bestellter Aufseher der Unteren Fischereibehörde, am idyllischen Oberbenrader See. FOTO: lez
Krefeld. Das trinkbare Wasser des Oberbenrader Sees ist so klar, dass die Fische bei Tag die Angler erkennen. Deutlich erfolgreicher sind die Mitglieder des ASV Krevag in der Dunkelheit. Schwimmende Inseln schützen Kleinfische und Laich. Von Jochen Lenzen

Weitestgehend unbekannt liegt zwischen der Eisenbahn- und der Schlufftrasse - umgeben von Erlen, Robinien, Weiden, Eichen und Birken - das Idyll des Oberbenrader Sees. Haubentaucher, Bless- und Teichhühner sowie Schwalben und Mauersegler, die im Flug trinken, gehören zu den vielen Vogelarten, die diesen Lebensraum zu schätzen wissen. Das fast sechs Fußballfelder große Gewässer wird von den den Mitgliedern des vor 26 Jahren neu gegründeten Angelsportvereins Krevag genutzt, der die Abkürzung für die frühere Krefelder Verkehrs-AG im Namen beibehalten hat.

Der See hat Trinkwasserqualität und ist so klar, dass die Angler vornehmlich abends und in der Nacht ansitzen. "Wenn es hell ist, können die Fische die Angler am Ufer erkennen und ziehen sich in den bis zu 23 Meter tiefen See zurück. In der Dunkelheit sehen die Fische die Schnüre und Haken der ausgeworfenen Angeln kaum mehr", erklärt Gewässerwart Hans Boelk. Allerdings brauchen die Angler ihrerseits im Dunkeln Erkennungshilfen in Form von fluoreszierenden, so genannten Knicklichtern oder von batteriebetriebenen Anzeigern, die ein akustisches Signal geben., sobald ein Fisch angebissen hat. Als Wetterschutz dienen den Anglern Unterstände, zu denen auch jeweils ein Grill fürs Abendessen gehört.

Der 71-Jährige ist nicht nur Gewässerwart, sondern auch offiziell bestellter Fischereiaufseher der Unteren Fischereibehörde für den Oberbenrader See und den Yachthafen am Rhein. Denn auch dort - in dem laut Boelk "hervorragenden Zandergewässer" - dürfen die Mitglieder des ASV Krevag angeln, weil sich der Verein an der Pacht des Yachtclubs beteiligt.

Im Oberbenrader See gehen die Angler auf Hecht, Barsch, Aal und Zander und auf die Friedfische Rotauge, Rotfeder und Brasse. Moderlieschen dienen ausschließlich als Futter für die Raubfische. Vor ihnen kann sich auch der Fischnachwuchs verstecken - und zwar in Mini-Biotopen, die durch Maschendraht gesichert sind. Darüber hinaus haben die Angler an den Ufern bepflanzte, schwimmende Inseln eingerichtet, zwischen deren Wurzeln sich Kleinfische zurückziehen können. Gleichzeitig dienen sie als Schutz für den Laich und als Sicherung der unbefestigten Teile des Ufers.

"Die Idee unseres Vereins ist, dass sich die Fische selbst reproduzieren sollen. Deshalb setzen wir neue Fische gezielt nach einem Fünfjahresplan ein, bis wir feststellen, dass ein Neubesatz nicht mehr nötig ist. Erkennen können wir das Alter der Fische an ihren Schuppen", erläutert Boelk.

Erstaunt ist er über die Frage, warum Angler eigentlich auf Hecht gehen, der doch relativ intensiv und deshalb nicht eben besonders gut schmecke: "Wie bitte? Hecht ist ganz köstlich - mit Petersiliensauce und Pellkartoffeln!" Brassen allerdings würden wegen ihrer vielen Gräten meist durch den Wolf gedreht und zu Frikadellen verarbeitet. "Oder sie werden sauer eingelegt, damit sich die Gräten auflösen."

Quelle: RP
 
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