| 23.26 Uhr

Krefeld
Wo man schottische Salami entdecken kann

Impressionen vom "British Flair"
Impressionen vom "British Flair" FOTO: Dirk Janssen
Krefeld. Mehr als 21.000 Besucher erkundeten die "British Flair"-Tage mit viel Programm bis hin zu nützlichem Wissen über Hütehunde. Von Marie Huppert

Am vergangenen Wochenende lud die "British Flair" wieder zum Bummeln, Stöbern und Entspannen ein - und das auch noch bei sehr unbritischem, nämlich gutem Wetter. "Very british" ging es hingegen bei vielen der Stände zu. Von Verköstigungsständen mit Whisky und Fudge (englisches Karamell) über Kleidung wie dicke Pullover, wasserfeste Gummistiefel und Wachsjacken bis zu irischem Silberschmuck und Teetassen gab es vieles zu kaufen. Wie immer lag der Fokus zwar auf Great Britain, doch gab es auch eine Vielzahl von anderen Artikeln zu begutachten, von Whirlpools bis zu Lederhüten aus Australien.

Im Show Ring dominierten die Scottish Highland Games mit Sportarten wie Hammer- und Gewichthochwurf, alle vorgeführt im traditionellen Quilt. Besonders beliebt bei den Zuschauern war der Baumstammwurf, bei dem ein bis zu 60 Kilogramm schwerer Baumstamm von sich weggeworfen werden muss. Dabei muss sich der Stamm um 180 Grad drehen und möglichst gerade auf dem Boden aufkommen, eine Anstrengung, die auch so manchen gestandenen Männern das Blut ins Gesicht trieb.

Etwas mehr zum Mitmachen lud nebenan der Gummistiefelweitwurf ein. Hier hatten besonders die Kinder Spaß, das Paar Stiefel möglichst weit durch die Luft zu schmeißen - der Rekord lag am Samstagabend bei 28 Metern.

Für die Tierbegeisterten zeigte der Schnuckenhof Daume mit seinen Border Collies eine Hütehundeshow, bei der die Hunde an einer Gruppe Schafe zeigten, was sie alles können. Tom Daume zeigte vor allem, wie intelligent und arbeitsfreudig diese Hunderasse ist. Die Schnelligkeit der bereits elfjährigen Hündin Annie sorgte für Staunen und Bewunderung. Doch Daume warnte auch sehr eindringlich vor einer unüberlegten Anschaffung der vermeintlich so tollen Hunde: "Diese Hunde wollen arbeiten. Sie sind dafür geboren, etwas zu hüten, zur Not auch die Kinder. Und das kann schnell ausarten und so zu einem vermeintlich aggressiven Hund führen."

Eine etwas andere Art der Begegnung mit britischen Tieren fand am Stand der "Viehweg Spezialitäten" statt. Hier konnte sich jeder durch eine Vielzahl an Salamis durchprobieren, alle mit Fleisch des schottischen Hochlandrindes hergestellt. Schottisch ging es auch beim Whisky weiter, besonders beliebt, so Thomas Skowronek, seien neben den rauchigen, torfigen Varianten die leichteren Sorten.

Natürlich wurde auch für das leibliche Wohl gesorgt, wer jedoch ein Pils bestellte, dem wurde meist eine Gegenfrage gestellt: "Pils haben wir nicht, geht auch ein helles Ale?" Das störte die wenigsten, schließlich ging es darum, ein bisschen britisches Flair zu schnuppern.

Neben zahlreichen Anglophilen gab es auch sehr viele "echte" britische Besucher, die alles noch etwas authentischer wirken ließen. An den "nicht-britischen" Ständen störte sich keiner, und die Zahlen sprachen für sich - mehr als 21.000 Besucher schauten vorbei.

Was die Veranstaltung so außergewöhnlich macht? "Ganz klar die Atmosphäre", sagt Claudia Glauch. Sie ist extra aus Duisburg angereist und freut sich über die Angebote. "Es ist nicht so überfüllt wie bei ähnlichen Veranstaltungen, und die Aufführungen und Sachen sind echt toll. Dazu kommt dieses einmalige Flair, es ist einfach super", freut sie sich.

Um halb sieben begann dann der wohl schönste, wenn auch für "Erstlinge" etwas skurrile Teil der "British Flair"-Tage. Mit Geschirr und Kerzenleuchtern bepackt, strömten die Gäste wieder auf das Gelände zum traditionellen "Open Air Proms Concert". Vorbild ist die "Last Night of the Proms", die genau am gleichen Abend in der Royal Albert Hall in London aufgeführt und in zahlreiche Parks übertragen wird. Das Besondere: Die Besucher bauen sich selber Tische und Stühle auf und picknicken, je größer die Gesellschaft und die Tafel, desto besser. Unter der Leitung von Dirigent Russel N. Harris spielte die Philharmonie Südwestfalen in Linn nicht nur Klassik, sondern auch patriotische Werke wie "Rule Britannia". Und hier kam die zweite Besonderheit dieses Konzerts: Die Zuschauer sangen mit, ob sie wollten oder nicht, denn Harris bekam mit seiner sehr sympathischen Art auch die Unschlüssigsten überzeugt. Und als am Ende des Konzertes alle zusammen "Auld Lang Syne", eines der bekanntesten englischen Lieder, anstimmten, die stehende Menge von Kerzen beschienen wurde und neben ihr die beleuchtete Burg Linn im Dunkeln lag, da war die Begeisterung für dieses Event plötzlich zu verstehen und klar, warum jedes Jahr so viele dabeisein wollen.

Quelle: RP
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