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Krefeld
Wohnstätte stützt Stadt mit Aktienverkauf

Krefeld: Wohnstätte stützt Stadt mit Aktienverkauf
Thomas Siegert, Vorstand der Wohnstätte AG. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Stadt Krefeld bringt den Haushaltsentwurf für 2018 ein: Mittelfristig will die Kommune wieder schwarze Zahlen schreiben. Im Jahr 2020 soll es soweit sein. Ohne kräftige Zuschüsse der städtischen Töchter funktioniert das aber nicht. Von Norbert Stirken

2020 ist für die Finanzpolitik der Stadt Krefeld ein entscheidendes Jahr: Dann soll der Haushalt erstmals nach Jahren wieder einen Überschuss erwirtschaften. 6,3 Millionen Euro sollen unter dem Strich auf der Habenseite stehen. Auf der Einnahmenseite spielen die Abgaben der städtischen Töchter wie Stadtwerke und Wohnstätte AG eine ganz wesentliche Rolle.

Ohne die Überweisungen aus städtischen Beteiligungen wäre der Haushaltsausgleich mit größter Wahrscheinlichkeit auch in Jahrzehnten nicht zu erreichen. 2020 soll die Wohnstätte mit einer Zahlung, die vierfach so hoch ist wie sonst üblich, den entscheidenden Schritt der Stadt Krefeld in finanzpolitisch solide Zeiten unterstützen. Statt 3,1 Millionen Euro wie für dieses Jahr kalkuliert, soll die Aktiengesellschaft zum Stichtag 12,8 Millionen Euro an die Stadtkasse überweisen.

Um diese Summe stemmen zu können, muss die Wohnstätte AG die Aktien verkaufen, die sie selbst hält und seit 1999 Schritt für Schritt von Kleinaktionären zurückgekauft hat. Auf diese Weise sind über einen Zeitraum von 14 Jahren 925 Aktien -das ist ein Anteil von 6,19 Prozent - ins Eigentum der Wohnstätte AG mit ihren 8761 Wohnungen, 117 Gewerbeobjekten und zwei Seniorenheimen übergegangen. Dafür hat die Wohnstätte laut Geschäftsbericht knapp 1,3 Millionen Euro ausgegeben. Der Nominalwert der Aktien betrug 481.000 Euro.

Da die Aktien nicht frei gehandelt werden, bemisst sich ihr Wert nach einer Unternehmensbewertung, die im Jahr 2008 bei Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) erfolgt und seitdem fortgeschrieben wurde. Da die Wohnstätte in der jüngeren Vergangenheit in ihrer Vermögensbildung sehr aktiv war - zum Beispiel Neubauten in Gartenstadt - ist der Wert des Unternehmens und folglich der Aktien sehr gestiegen. Wohnstätte-Vorstand Thomas Siegert geht davon aus, dass er beim Verkauf der 925 Aktien das 19-fache des Nominalwerts erlösen kann. Der Käufer, so Oberbürgermeister Frank Meyer, sei "innerhalb des Konzerns Stadt" zu finden. Die Stadt selbst hält 70,25 Prozent aller Aktien. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit handelt es sich beim Käufer um die Stadtwerke Krefeld. Die Sparkasse Krefeld kommt eher nicht in Frage, weil sie nach der Übernahme weiterer 6,19 Prozent am Unternehmen Wohnstätte über eine Sperrminorität verfügte - also einen Anteil von mehr als 25,1 Prozent. Nach Abzug der Kosten dürfte durch den Verkauf ein grob kalkulierter Betrag zwischen sieben und acht Millionen Euro zusammenkommen. Neben den Großaktionären Stadt Krefeld, Sparkasse Krefeld, Provinzial Versicherung und womöglich Stadtwerke Krefeld gibt es noch zwei Kleinaktionäre, die jeweils eine Aktie besitzen. "Die wollen sie auch behalten", berichtete Siegert. Bei einem Nennwert von 500 Euro bringen sie in diesem Jahr eine Dividende von 283,80 Euro. Zusätzliches Geld für die Sonderausschüttung im Jahr 2020 an die Stadt soll der Verkauf von Grundstücken durch die Wohnstätte AG im Baugebiet Fischeln Südwest bringen.

Interessant sind auch die kalkulierten Einnahmen für den Krefelder Etat durch den Kämmerer Ulrich Cyprian bei der Stadtentwässerung. Nach dem Kommunalen Abgabengesetz dürfen dort keine Gewinne kalkuliert werden. Gleichwohl entsteht nach dem Handelsrecht ein Überschuss aus dem so genannten Zins-Delta. Vereinfacht gesagt, verlangt die Kommune von den Gebührenzahlern deutlich höhere Zinsen für das zur Stadtentwässerung aufgewendete städtische Kapital als sie am Finanzmarkt bezahlen muss. Der Überschuss bei der Stadtentwässerung ist für das so wichtige Jahr 2020 mit einem Betrag von 10,9 Millionen Euro kalkuliert - kein Wunder, dass ein Musterhaushalt in Krefeld die fünfthöchsten Abwassergebühren Deutschlands zahlt.

Quelle: RP
 
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