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Serie Unsere Lehrer
Wolfgang Lueg: "Diese Profession verlangt höchsten Respekt"

Serie Unsere Lehrer: Wolfgang Lueg: "Diese Profession verlangt höchsten Respekt"
Rektor Wolfgang Lueg ist Chef auf der "Insel der Glückseligen", wie er "seine" Schule an der Oberbruchschule augenzwinkernd nennt. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Als Rektor der Grundschule Königshof leitet Lueg die Geschicke von 14 Kolleginnen und rund 250 Schülern. Von Bärbel Kleinelsen

Eigentlich dürfte es ihn im Schuldienst gar nicht mehr geben: einen 66-jährigen Lehrer, der seine Pension bereits drei Jahre überschritten hat. Wolfgang Lueg denkt trotzdem nicht ans Aufhören. Im Gegenteil. Der Rektor der katholischen Grundschule Königshof hat einen Verlängerungsantrag gestellt. Und seine Erklärung dafür klingt einleuchtend: "Ich mache das unheimlich gerne. Ich bin gerne Lehrer und auch gerne Schulleiter."

Wolfgang Lueg ist Chef auf der "Insel der Glückseligen", wie er "seine" Schule an der Oberbruchschule augenzwinkernd nennt. "Wir dürfen uns wirklich nicht beschweren. Viele Probleme, mit denen Kollegen an anderen Schulen zu kämpfen haben, haben wir als kleine, konfessionell gebundene Schule nicht. Bei uns ist der Umgang sehr familiär und wir freuen uns über viele engagierte Eltern, die unsere Arbeit unterstützen", sagt der Rektor.

Er hat immer ein offenes Ohr für die Nöte seiner Schüler, ihrer Eltern, aber auch seiner 14 Kolleginnen. Denn er weiß, was eine Lehrerin geleistet hat, wenn sie nach sechs Stunden Unterricht völlig erledigt aus der Klasse kommt. "Das ist eine Profession, die höchsten Respekt verlangt. Leider geht genau dieser Respekt in der heutigen Zeit immer mehr verloren", bedauert Lueg.

Als Rektor und einzige männliche Lehrkraft der Schule unterrichtet der Chef fast täglich selber. Allerdings nehmen andere Aufgaben, die oft wenig mit Schule zu tun haben, heute mehr Zeit in Anspruch. So hat sich Lueg die vergangenen Monate mit dem Neubau beschäftigt, in dem zwei Klassenräume untergebracht sind. "Ich muss die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung mal loben. Sie funktioniert wirklich einwandfrei. Die Mitarbeiter dort sind engagiert und versuchen wirklich, uns den Rücken frei zu halten. Letztendlich hatte ich längst nicht so viel mit dem Neubau zu tun, wie ich am Anfang dachte", erzählt der 66-Jährige.

Angefangen hat Wolfgang Luegs Karriere in Stahldorf, in der Hauptschule am Wehrhahnweg. Von dort wechselte er an seine erste Grundschule und wurde Konrektor der katholischen St. Michael Schule. "Acht Jahre war ich dort und habe von der Schulleiterin Anne Maaßen sehr viel gelernt. Dann hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich wollte selbst eine Schule leiten", erinnert er sich. Klar war von Anfang an: Wer Rektor wird, kann nicht nach Unterrichtsende nach Hause gehen. Auch die Ferien, die nicht umsonst unterrichtsfreie Zeit heißen, sind deutlich kürzer, als sich das die Mitbürger gemeinhin vorstellen. "Nein, ich bin nicht sechs Wochen lang auf den Bahamas. Ich mache im Sommer zwei, drei Wochen Urlaub, wie andere auch, und dann gucke ich in der Schule nach dem Rechten. Schließlich läuft der Ganztagsbetrieb weiter, und auch das neue Schuljahr will vorbereitet werden."

Deshalb sprach Wolfgang Lueg zuerst mit seiner Frau, bevor er sich auf eine Schulleiterstelle bewarb. "Es geht nur mit Unterstützung der Familie", ist er sich sicher. Als er von seiner besseren Hälfte grünes Licht bekam, verschlug es ihn als Rektor für drei Jahre an eine Viersener Grundschule, bevor er an die Don Bosco-Schule in Königshof wechselte. Nach Auflösung dieses Schulstandorts übernahm Lueg die Leitung der Grundschule Königshof. Das war 2006. Elf Jahre später ist er immer noch da und macht seinen Job so gerne, dass er verlängert.

Dabei gibt es Dinge, die ebenfalls zum Arbeitstag eines Rektors gehören, die ihm persönlich wenig Spaß machen, wie zum Beispiel die Teilnahme an politischen Sitzungen jedweder Art oder die Beschäftigung mit rechtlichen Bestimmungen. "Das Gute ist doch, dass ich als Schulleiter nie alleine bin. Ich habe eine sehr fähige Konrektorin an meiner Seite, Constanze Kreymborg, die sich jetzt beispielsweise um neue Möbel für die Schule gekümmert hat. Und ich habe 14 tolle Kolleginnen. Als Team können wir eine ganze Menge schaffen."

Und langweilig wird es bestimmt auch nicht. Schließlich wartet bereits eine neue Herausforderung auf das Lehrerteam. Zum ersten Mal hat die Schule in Königshof drei statt nur zwei Eingangklassen. Gibt es etwas, was sich Wolfgang Lueg wünscht? "Ich würde mir mehr männliche Kollegen wünschen, nicht nur an meiner Schule, sondern generell. Und mehr gesellschaftliche Anerkennung für die Arbeit, die ein Grundschullehrer tagtäglich macht."

Quelle: RP
 
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