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Krefeld
Wollmützen aus Forstwald für Flüchtlinge an der Ostsee

Krefeld: Wollmützen aus Forstwald für Flüchtlinge an der Ostsee
Doris Brandt strickt auch weiterhin für den guten Zweck. Über Wollspenden freut sich die Forstwalderin. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Es gibt nicht mehr viel, was Doris Brandt unternehmen kann. "Meine Krankheit lässt es nicht mehr zu, dass ich Urlaub oder Spaziergänge mache. Selbst ein kurzer Gang zum Laden um die Ecke ist für mich inzwischen schon fast zu anstrengend. Ohne tägliche Hilfe im Haushalt geht es nicht mehr." Ein Hobby jedoch ist der Forstwalderin, über die wir bereits vor einem Jahr berichteten, geblieben. Sie strickt noch immer Tag für Tag. Von Bärbel Kleinelsen

Was als Trauerbewältigung nach dem Tod ihres Mannes begann, lenkt die 78-Jährige jetzt auch von ihrer schweren Krankheit ab. "Ich bin es gewohnt, von morgens früh bis abends spät zu arbeiten. Ganz ohne Betätigung geht es deswegen auch jetzt nicht", sagt Doris Brandt. Ihre bunten Strickmützen zeugen von Lebensfreude und Spaß an der Handarbeit. Sie sind für Menschen gestrickt, die sich eine solche Mütze im Geschäft nicht kaufen könnten. "Damals, nach dem Artikel in der Rheinischen Post, haben auch Leute bei mir geklingelt, die teure Wagen fuhren und dann für fünf Euro bei mir eine Mütze kaufen wollten. So ist das natürlich nicht gedacht", berichtet Doris Brandt mit einiger Entrüstung.

Schließlich steckt nicht nur viel Arbeit in jeder Mütze, sondern es müssen auch Materialkosten aufgebracht werden, die von der Forstwalderin zum überwiegenden Teil selbst getragen werden müssen. "Ich freue mich immer sehr über Wollspenden. So hat mich beispielsweise ein großes Stoffgeschäft unterstützt, die Feria Textil GmbH aus St. Tönis. Trotzdem geht mein Hobby ganz schön ins Geld, und ich weiß deswegen nicht, wie lange ich es mir noch leisten kann, für den guten Zweck zu stricken."

Die 78-Jährige blättert in einem Ordner, in dem zahlreiche Schreiben zu finden sind, die sie von Vereinen, Einrichtungen und Privatpersonen erhalten hat. Alle bedanken sich für die Mützen, die sie von Doris Brandt bekommen haben. Immer wurden die Handarbeiten zugunsten einer guten Sache verkauft. Mal waren es bedürftige Kinder in Indien, mal eine lokale Stiftung, ein Kinderheim oder private Aktionen für Menschen in Not, die die Forstwalderin auf diese Weise unterstützte.

So hat sie vor einiger Zeit 100 Strickmützen an die Ostsee geschickt. "Dort hilft eine sehr engagierte Dame Flüchtlingen. Und Mützen werden in dieser Gegend wirklich sehr häufig getragen. Deswegen haben sich die Menschen auch besonders gefreut", erzählt Brandt.

Auch wenn sie sich ihre Zeit im Ruhestand eigentlich anders vorgestellt hatte ("Ich wollte immer gerne reisen"), versucht Doris Brandt dennoch, jeden Tag, der ihr bleibt, zu genießen. Und was wäre ein schöner Tag ohne ihr Strickzeug?

Wer Wolle oder auch Wollreste spenden möchte (die Farbe ist egal), kann sich bei Doris Brandt melden unter Telefon 02151 395188.

Quelle: RP
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