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Krefeld
Woran schön startende Liebesgeschichten scheitern

Krefeld: Woran schön startende Liebesgeschichten scheitern
Svenja Gräfen stellte in der Studiobühne der Fabrik Heeder ihren Debütroman vor. FOTO: Mark Mocnik
Krefeld. Die Berliner Autorin Svenja Gräfen las aus ihrem Roman "Das Rauschen in unseren Köpfen" - ein spannendes Debüt. Von Mojo Mendiola

Dass der Sommer dieses Jahr in Berlin nichts taugt, und dass sie sich deshalb gleich doppelt freut, in Krefeld zu Gast zu sein - das war die erste Botschaft der jungen Autorin Svenja Gräfen, die beim Literarischen Sommers in der Studio-Bühne der Fabrik Heeder aus ihrem Roman "Das Rauschen in unseren Köpfen" las. Aus der Poetry-Slam-Szene mit ihren Sechs-Minuten-Einheiten kommend, die nicht zuletzt vom gekonnten Live-Vortrag leben, hat sich Gräfen erstmals an den großen Spannungsbogen des Romans gewagt und ihn über 240 Seiten durchgehalten.

Lene, eine junge Frau aus behüteten Verhältnissen, lebt mit ihrer besten Freundin Hanna in einer großen Stadt. Der Kontakt zu ihrer Familie und ein solider Freundeskreis halten sie im Gleichgewicht. Im Getümmel der U-Bahnhöfe verhaken sich ganz zufällig ihre Blicke mit denen des sympathischen Hendrik, und es dauert nicht lange, da ist es um beide geschehen. Hanna räumt sogar ihr Zimmer, damit Hendrik dort einziehen kann, doch genau in diesem Moment verhält sich Hendrik plötzlich ganz merkwürdig.

Gräfen beschrieb Szenen aus dem Leben junger Leute, die sich jeden Tag tausendfach ereignen, aber sie beschrieb sie mit so viel Sorgfalt im Detail, dass man ahnte, dass sie sich in ihrer scheinbaren Banalität nicht erschöpfen würden.

Und sieht man von dem aus Spree-Athen mitgebrachten Husten ab, las Gräfen in lebhaftem, jedoch unaufgeregtem Ton, der ihrer geschriebenen Sprache gerecht wurde. "Ich wollte keine Liebesgeschichte schreiben, sondern erkunden, woran eine so schön beginnende Beziehung scheitert", erzählte Gräfen im Gespräch mit Maren Jungclaus vom Literaturbüro NRW. Hendrik ist offenbar psychisch krank, möglicherweise aufgrund früher gemachter Erfahrungen, und Lene belügt sich selbst und alle anderen, indem sie sich dieser Situation nicht wirklich stellt, sondern sie eher auszusitzen sucht. "Ich habe aber auch Freude daran, mit Sprache Atmosphäre zu schaffen", verriet sie, und dabei spielten Räume in Wohnungen und Wetterlagen eine wichtige Rolle.

Mehr Geschick hätte man Gräfen allerdings im Aufbau ihrer Lesung, also bei der Auswahl der Passagen gewünscht. Etwas weniger aus dem Alltag und etwas mehr von dem, was das Besondere an der Beziehung zwischen Lene und Hendrik ausmacht und sie schließlich scheitern lässt, hätte nicht nur die Lesung spannender, sondern auch das Buch und die Autorin noch sympathischer erscheinen lassen.

Quelle: RP
 
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