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Krefeld
Wühltischverbot in City zeigt Wirkung

Krefeld: Wühltischverbot in City zeigt Wirkung
Vorher: Links im Bild sieht man die sogenannten Bockständer und Wühltische vor den Geschäften. Die neuen "Gestaltungsleitlinien für die Innenstadt" sollen für ein einheitlicheres Erscheinungsbild in der City sorgen.
Krefeld. Mit neuen "Gestaltungsleitlinien" macht die Stadt dem Handel strenge Vorgaben: Wühltische sind stellenweise verboten, Bockständer auch: Zwei Händler haben bereits Klage eingereicht. Die Stadt spricht aber generell von einem Erfolg. Von Sebastian Peters

Knapp zwei Monate sind vergangen, seitdem die Stadt ihre neuen "Gestaltungsleitlinien für die Innenstadt" anwendet. Krefeld soll zum Vorreiter bei der Innenstadtgestaltung in der Region werden. Handel und Gastronomie müssen deshalb mancherorts strenge Auflagen beachten, wie sie ihre Produkte bewerben und ihr Geschäft präsentieren: keine Wühltische mehr vor dem Geschäft, keine Gehwegaufsteller wie Bockständer oder große Eis- oder Pommestüten, Werbung stellenweise nur im Erdgeschoss, keine grellen Farbtöne in den Werbetafeln, Vordächer und Markisen optisch an die Fassade angepasst. Das sind nur einige der Inhalte der Leitlinie.

 
Nachher: Die Bockständer sind verschwunden, ebenso die Wühltische. Die Hochstraße wirkt jetzt aufgeräumter, weniger überfrachtet. Perspektivisch soll auch die Fassadenwerbung der Geschäfte noch verändert werden. FOTO: Stadtmarketing

Ausgedacht haben sich das Konzept Designer der Hochschule Niederrhein. Ziel: Krefelds Innenstadt soll optisch aufgeräumter wirken, nicht zugestellt mit Werbetafeln. Der neue Blick in die City zeigt: Das Konzept zeigt vielerorts Wirkung. Aber nicht alle Händler sind mit den strikten Vorgaben einverstanden.

Zwei Krefelder Geschäftsleute haben gegen die Vorgaben der "Gestaltungsleitlinien" geklagt, wie Stadtmarketingchef Ulrich Cloos auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Diese Händler wollen weiter Bockständer aufstellen, um für ihren Landen zu werben. "Unser Ziel ist es eigentlich, nicht auf ordnungsrechtliche Maßnahmen zu setzen", sagt der Stadtmarketingchef. Er verweist auf die Erfolge, die das Konzept jetzt schon aufweise. "Es hat sich schon vieles zum Besseren verändert, Bockständer sehen wir auf der Hochstraße nicht mehr", sagt auch Dr. Christiane Gabbert, die die Gestaltungsleitlinien zusammen mit Markus Bernthaler vom Fachbereich Planung betreut. "Die einzigen Bockständer, die man jetzt noch sieht, stehen auf privatem Grund."

Christiane Gabbert, Ulrich Cloos und Markus Bernthaler (v. l.) im Büro des Stadtmarketings. FOTO: Thomas Lammertz

Seit wenigen Wochen führen Christiane Gabbert und Markus Bernthaler Beratungsgespräche, fotografieren auch gestalterische Mängel, müssen Gastronomen und Einzelhändlern beibringen, dass etwa die Sonnenschirme künftig vorgegebene Farben haben sollten. Auf ihnen soll künftig keine Bierwerbung mehr zu sehen sein, sondern nur noch Eigenwerbung. Vorgegeben ist auch die Größe der Schirme (Mindestmaß drei Meter) und die Form (quadratisch) sowie die Farben (beispielsweise grau, grün und beige). Ziel ist auch, dass Gastronomiebetriebe ihre Speisen und Getränke nur noch auf mit Kreide bemalten Schiefertafeln draußen bewerben. Bestätigt werden die beiden auch durch die neue Gestaltungsqualität auf der Rheinstraße: Die Händler haben gemeinsam 72 Pflanzkübel bestellt, so dass die Bepflanzung künftig einheitlich wirkt. Sogar der Leiter der McDonalds-Filiale habe angekündigt, den Außenbereich verändern zu wollen, berichtet Markus Bernthaler. An der Rheinstraße könne man derzeit die Wirkungen des Konzeptes am besten beobachten - sie sei das Pilotprojekt. "Die Händler haben erkannt, dass es eine riesige Chance ist", sagt Bernthaler. Im Zuge dessen sollen die Umzäunungen der Bäume auf der Rheinstraße verschwinden.

Stadtmarketingchef Ulrich Cloos spricht von einem "behutsamen Herangehen an die Substanz" - schrittweise soll die City entwickelt werden. Die einzelnen Viertel wie der Ostwall, das Hansa-Quartier oder der das Königsviertel, haben jeweils individuelle Vorgaben - die südliche Fußgängerzone etwa erhält andere Vorgaben als die nördliche. Als positive Vorbilder nennt Cloos die Städte Venlo, Maastricht oder Bonn, räumt aber ein: "Selbst Bonn reglementiert in manchen Bereichen nicht so stark wie wir."

Quelle: RP
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