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Krefeld
Zeitzeugen erinnern sich an Beuys und Althoff

Krefeld: Zeitzeugen erinnern sich an Beuys und Althoff
Der in Krefeld geborene Künstler Joseph Beuys im Kaiser Wilhelm Museum: Am Donnerstag erinnern sich Zeitzeugen an den großen Provokateur. FOTO: Döhne
Krefeld. Das Museum Kurhaus Kleve würdigt den kürzlich verstorbenen Krefelder Professor Ernst-Josef Althoff. Der Architekt und Designer war als Bekannter von Joseph Beuys zu einem Zeitzeugengespräch geladen. Von Norbert Stirken

Der berühmte Künstler und Provokateur Joseph Beuys hat Zeit seines Lebens abgestritten, Krefelder zu sein. Der Entdecker und Verkünder des Erweiterten Kunstbegriffs und der sozialen Plastik gab sich gerne und konsequent als Klever aus. Eben dort im Museum Kurhaus Kleve ist nicht nur bis 4. September eine Ausstellung anlässlich seines 30. Todestages zu sehen, sondern für Donnerstag, 1. September, ein interessantes Gespräch mit Zeitzeugen geplant.

Einer dieser Zeitzeugen - nämlich der Krefelder Ernst-Josef Althoff - hatte bereits seine Teilnahme zugesagt. Der 88-Jährige starb vor wenigen Wochen. Der knorrige Tischler und Architekt mit akademischen Weihen - er ist Ehrenmitglied der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf - hätte einiges über den Meister des Fetts und Filzes erzählen können, auch über dessen Haltung zu Krefeld.

Wenn Beuys auch seine Geburtsstadt in Aufzeichnungen und Katalogen meist ausradiert und durch Kleve ersetzt hat, so suchte er Krefeld immer wieder und zwar nicht nur zu offiziellen Anlässen auf. In Althoffs Atelier an der Mittelstraße trafen sich der Hausherr, Beuys und die Meerbusch-Osterather Künstlerkollegen Rolf Crummenauer und Holger Runge mit dem Dichter Adam Rainer Lynen und den Schriftstellern Franz Schonauer und Heinar Kipphardt zu kulturpolitisch-philosophischen Diskussionen. Die Künstler kamen gerne zu Althoff, der als gelernter Tischler im elterlichen Betrieb eine ungeheure Sachkenntnis zum Thema Holz besaß. Wissen, das Beuys für sein 1959 fertiggestelltes Auferstehungssymbol im alten Büdericher Kirchturm nutzte.

Beim Gespräch mit Zeitzeugen von Beuys am Donnerstag ab 19.30 Uhr sind Wilhelm van den Boom, Hans Hermann Schröer und Gottfried Evers anwesend. Sie werden im Gespräch mit Valentina Vlaiæ und Museumsdirektor Harald Kunde Erinnerungen an den Künstler aufleben lassen. Wilhelm van den Boom war Schulfreund von Beuys, und ist einer der letzten lebenden Zeugen der Jugendzeit des Künstlers. Hans Hermann Schröer war Stadtdirektor von Kleve als Beuys 1976 für seine Installation "Straßenbahnhaltestelle" Abgussarbeiten am Eisernen Mann in der Nassauer Allee vornahm. Im Rahmen der Vorbereitungen besuchte Beuys seine Wunsch-Heimatstadt mehrmals. Schröer lud den umstrittenen Künstler ins Rathaus ein, diskutierte mit Beuys und stellte ihm das wiederaufgebaute Kleve mit seiner gerade fertig gestellten Fußgängerzone vor.

Gottfried Evers fotografierte Beuys während dieser Besuche und späterer Aufenthalte in Kleve und seiner Umgebung. Dabei entstanden eindringliche Porträts, in denen sich der junge Fotograf dem Künstler mit großer Neugierde und einem Gespür für den historischen Augenblick näherte.

Der Abend wird im Gedenken an Ernst Josef Althoff stattfinden. Professor Althoff war als prominenter Zeitzeuge für diesen Abend eingeplant. Er ist überraschend am 20. Juli gestorben. Er war der Sohn des Tischlermeisters Johannes Althoff, der das Büdericher Ehrenmal handwerklich erstellt hat. Später war er Studienkollege von Beuys an der Akademie in Düsseldorf. Zu Althoffs Gedenken wird ein kurzer Film des WDR-Redakteurs Helge Drafz gezeigt.

2016 ist der 30. Todestag und 95. Geburtstag von Joseph Beuys. Diese Jubiläen nimmt das Museum Kurhaus Kleve zum Anlass, um mit Objekten aus der Sammlung und mit Leihgaben eine Ausstellung zu realisieren, die sich zum ersten Mal rund um die originalen Räume auf die wichtigsten Werkgruppen präsentieren wird, die dort entstanden sind. Dabei werden symptomatische Werklinien verfolgt, die von den Anfängen bis zum Spätwerk reichen. Die Ausstellung "Joseph Beuys - Werklinien" konzentriert sich auf mehrere Schwerpunkte aus der Region.

Zeitzeugengespräch, Donnerstag, 1. September, ab 19.30 Uhr, Museum Kurhaus Kleve, Tiergartenstraße 41, Eintritt Abendkasse; fünf Euro, ermäßigt drei Euro.

Quelle: RP
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