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Krefeld
Zerbrechlicher Luxus: Linner Glas in Köln

Krefeld. (ped) Dieses Glas ist ein Schatz: Geborgen wurde es bestens erhalten aus dem Grab eines römischen Kriegers. Es gehört den Glanzstücken aus der Mitte des 5. Jahrhunderts in der Sammlung des Archäologischen Museums Burg Linn - und wird zurzeit von den Besuchern des Römisch-Germanischen Museums in Köln bestaunt. Die Krefelder hat mehrere Exponate für die Ausstellung "Zerbrechlicher Luxus. Köln - ein Zentrum antiker Glaskunst" dorthin ausgeliehen.

"Zu den kostbarsten Exponaten gehören unter anderem ein Rüsselbecher, ein Schwert mit Schwertscheidenbeschlägen, ein gläsernes Trinkhorn sowie ein farbloser, konischer Becher mit rotbrauner und blauer Fadenauflage. Die Funde stammen aus dem römisch-fränkischen Gräberfeld in Krefeld-Gellep. Es ist mit seinen über 6500 Gräbern das größte erforschte seiner Art in Europa", teilt das Museum mit.

Den Linner Becher hat der damalige Museumsdirektor Albert Steeger Mitte der 1930er Jahre aus Grab 43 gehoben. Er hat zwei rüsselartige Dekore an den Seiten, weshalb diese Gläser "Rüsselbecher" genannt werden. Diese Rüssel sind hohl, beim Befüllen floss der Wein hinein, und der Zecher musste achtgeben, dass ihm beim Trinken nichts ins Gesicht lief.

Professor Renate Pirling hat in ihrem Buch "Gräber erzählen Geschichten" beschrieben, welches Glück es war, dass das Glas, das zwischen Tuffsteinbrocken stehend außerhalb des kaum noch erhaltenen Holzsarges gestanden hatte, unversehrt die Jahrtausende überstanden hatte. "Albert Steeger hatte das kostbare Stück nach der Auffindung in einen Schuhkarton gepackt und, da er kein Auto besaß, auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das Museum Burg Linn transportiert", schreibt sie.

Die Ausstellung im Römisch-Germanischen Museum am Roncalliplatz endet am 13. November. Die Präsentation bietet eine Übersicht durch fast 1000 Jahre antiker Kunstfertigkeit. Sie zeigt die Formenvielfalt und Kunstfertigkeit römischer und frühmittelalterlicher Glashandwerker sowie Glas im Kontext römischer und fränkischer Bestattungssitten und Glaubensvorstellungen. Die Schau widmet sich auch den Rohmaterialien und technischen Fertigkeiten der antiken Glasmacher. Ein Ausblick auf die nachantike Entwicklung von Glasgefäßen beschließt die Präsentation. Einen Querschnitt der wertvollsten rund 200 Funde aus dem Gräberfeld in Gellep können Besucher dauerhaft im Glasraum des Archäologischen Museums in Linn sehen. Dort lässt sich nachvollziehen, wie sich über Jahrhunderte Technik und Ausgestaltung veränderte und verbesserte. Aus Vergleichsfunden ist bekannt, dass die meisten Glasprodukte aus Kölner Werkstätten stammen, seit dem 1. Jahrhundert ein Zentrum der römischen Glasherstellung. Die Kölner Gläser kamen mit Schiffen über den Rhein ins römische Kastell. Das war für die zerbrechliche Ware der sicherere Transportweg anstelle der Straße. In Gellep muss eine wohlhabende Kundschaft aus Soldaten, Veteranen und Händlern gewohnt haben. Dafür sprechen die zahlreichen Grabfunde, die den Status des Toten widerspiegeln und ihm als Ausstattung im Totenreich dienen sollten.

Quelle: RP
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