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Krefeld
Zirkus-Kunst aus Brüssel

Krefeld: Zirkus-Kunst aus Brüssel
Hier springen keine Tiger durch den Reifen. Beim Cirque de Bruxelles sind es allein die Menschen, wie hier Loic und Dolana, die mit Geschicklichkeit und Muskelkraft punkten. FOTO: thomas Lammertz
Krefeld. Seit 200 Jahren gibt es die Zirkus-Familie Pauwels aus Belgien. Zurzeit führt der 24-jährige Samuel das Familienunternehmen in der achten Generation. Geboten wird mehr Varieté als Zirkus. Zwölf Artisten stemmen ein wirklich sehenswertes Programm. Von Bärbel Kleinelsen

Es ist heiß an diesem Nachmittag. Nur wenige Zirkusbegeisterte wagen sich deshalb ins rotweiß gestreifte Zelt auf dem Sprödentalplatz. Dort gastiert noch bis 6. September der belgische Cirque de Bruxelles. Die erste Überraschung: Keine Sauna. Man kann es unter der Plane tatsächlich aushalten. Es ist zwar warm, aber nicht stickig.

Für die zwölfköpfige Artistenfamilie ist die Vorführung bei Temperaturen um die 30 Grad dennoch eine schweißtreibende Arbeit. Zirkussprecher Eddy Mareco nimmt's gelassen: "Es gibt auch Artisten, die in Saudi-Arabien auftreten müssen. Und das klappt auch." Und verrät noch: "Wir haben für solche Fälle natürlich ein spezielles Pulver, das die Hände gut eine Viertelstunde trocken hält. Sonst wäre unser Programm auch zu gefährlich."

Madame Loyal schaut zu, wie Zirkusdirektor Samuel Pauwels auf der Trompete spielt, FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Show ist mehr Varieté als klassischer Zirkus. Tiere treten keine auf - die Tierschützer wird's freuen. Statt Raubtieren springen beim Cirque de Bruxelles Menschen durch den Reifen. Körperbeherrschung, Muskelkraft, Fingerspitzengefühl und Illusionskunst sind die Stärken dieses Brüsseler Zirkus', der laut Familie Pauwels der letzte seiner Art ist. Vater Marquis, der sich mit seinen Clown-Nummern einen Namen gemacht hat, und sein 24-jähriger Sohn Samuel, der aktuelle Zirkusdirektor, sind das Herz des Familienbetriebs, den es bereits seit 200 Jahren gibt. Durch das Programm führt Madame Loyal, Celia Berthier-Caroli, die mit Charme, guter Laune und tänzerischem Talent sofort die Sympathien der Zuschauer für sich gewinnt.

Vor gewagten Nummern ist Vater und Sohn Pauwels die Anspannung anzusehen. Sie verfolgen meist am Rand der Manege die Darbietungen ihres Teams und überbrücken die Umbaupausen mit Clownerie und witzigen Musikeinlagen. Samuel tritt außerdem als Jongleur auf und beweist an diesem Nachmittag, dass man auch mit schwitzigen Händen noch Keulen und Reifen sicher auffangen kann.

Mit spielerischer Leichtigkeit verbiegen die Artisten ihre Körper, ziehen sich mit purer Muskelkraft an Stangen hoch, zeigen Salti, Schrauben und waghalsige Balance-Akte. Ein Raunen geht durch die Menge, als ein durchtrainierter Akrobat sechs Ziegelsteine pro Seite auf seinen Haltegriffen aufschichtet und, sich darauf abstützend, in den Handstand geht. Mit einer schnellen Bewegung stößt er anschließend alle Steine fort, die polternd in die Manege fallen, und landet anschließend wieder sicher auf seinen Griffen. Eleganz und Körperbeherrschung verbindet die junge Artistin Allison in ihrer Show . Sie spielt mit zwei von der Kuppel hängenden weißen Tüchern, in die sie sich einwickelt, an denen sie sich mit grazilen Bewegungen hochzieht und dann wieder fallen lässt. Vor allem die Kinder amüsieren sich köstlich, als der Clown mit einer Pistole erst eine lästige Wespe abknallt und später Madame Loyal mit ebendieser Pistole einen Ballon platzen lässt, der sich als Wasserbombe entpuppt und bei den Zuschauern in der ersten Reihe für eine äußerst angenehme Erfrischung sorgt.

Wie schnell sich Frauen - wenn sie wollen - umziehen können, beweist Dolana mit ihrem Partner Loic bei einer Illusionsnummer. Ein abwechslungsreicher Nachmittag endet. Die Zuschauer pfeifen und klatschen begeistert. Bereits beim Hinausgehen üben die ersten Kinder die Stangenakrobatik des Duos Frenesie an den Zeltstangen. Die Show hat sie offensichtlichbeeindruckt - auch ohne Tiere.

Quelle: RP
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