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Krefeld
"Zirkus-Oscar"-Preisträger in Krefeld

Krefeld: "Zirkus-Oscar"-Preisträger in Krefeld
Marek Jama hat sich auf Huftiere spezialisiert. Kamele, Pferde, Lamas, Zebras und - optisch wohl am beeindruckendsten - Hochlandrinder mit langen Hörnen zählen zu den Tieren, mit denen er arbeitet. FOTO: Lammertz
Krefeld. Der Weihnachtszirkus auf dem Sprödentalplatz bietet eine besondere Attraktion: Sein Dompteur, der 42 Jahre alte Pole Marek Jama, gewann im Januar den "Zirkus-Oscar" in Monaco. Premiere ist am morgigen Donnerstag um 15 Uhr. Von Sven Schalljo

Es ist schon eine gute Tradition in Krefeld, dass der Zirkus Probst als "Weihnachtszirkus" sein Zelt um die Festtage herum auf dem Sprödentalplatz aufstellt. Jedes Jahr strömen Jung und Alt dort hin, um zu staunen, zu lachen und um Artisten in luftiger Höhe zu zittern. In diesem Jahr bekommen sie dabei eine ganz besondere Attraktion geboten, denn mit Marek Jama ist ein echter Star der Branche mit von der Partie.

Dass der 42 Jahre alte Pole aus der Nähe von Krakau einmal einer der besten Zirkusdarsteller der Welt würde, war bei seiner Geburt keineswegs abzusehen. Denn er stammt nicht etwa aus einer "Zirkus- oder Schaustellerfamilie, sondern aus einem gutbürgerlichen Haushalt". Doch schon im Kindesalter träumte er davon, einmal beim Zirkus zu arbeiten. "Ich glaube, ich wollte das schon machen, bevor ich richtig laufen konnte", erzählt er lachend. "Dieser Traum ist mir einfach geblieben, ich habe ihn immer verfolgt und umgesetzt."

Nach der Schule ging er folglich nach Warschau auf eine spezielle Zirkusschule, wo er alles von der Pike auf lernte. Alle Bereiche von Artistik bis Dressur durchlief er in drei Jahren, obwohl er mit 16 Jahren eigentlich schon sehr alt war. "Nach dem Abschluss war ich zunächst als Trapezartist unterwegs. Aber mein Traum war es, mit Tieren zu arbeiten", sagt er. Diesen Traum erfüllte er sich nach einigen Jahren. Er spezialisierte sich auf Huftiere. Kamele, Pferde, Lamas, Zebras und - optisch wohl am beeindruckendsten - Hochlandrinder mit langen Hörnen. Sie alle tanzen heute sprichwörtlich nach seiner Pfeife.

Damit ist er natürlich auch das Ziel von Protesten diverser Tierschützer. Was das mit ihm macht? Jamas Blick wird nachdenklich und traurig. "Es macht einerseits Zukunftsangst, denn für uns ist das nicht nur ein Job, es ist unser Leben. Aber es macht auch traurig", sagt er. "Diese Menschen wollen bestimmt Gutes, aber sie wissen gar nicht, wie es heute ist. Sie haben Stereotypen von vor 20 Jahren vor Augen. Wir sind heute auch eine neue Generation, wir lieben unsere Tiere." Und die Tiere vertrauen ihm, dessen ist er sich sicher. Er erzählt von einer Begebenheit: Kürzlich fiel im Zirkus das Licht nebst Notbeleuchtung aus, als er gerade mitten in der Vorstellung war. Rufe, Lärm, Hektik waren die Folge. Die Sekunden dehnten sich für ihn zu Ewigkeiten, bis die Zeltplane geöffnet wurde und Licht hinein fiel. "Als wieder Licht da war, standen die Pferde, mit denen ich gerade arbeitete, alle dicht bei mir und suchten meinen Schutz. Würden sich so gequälte Tiere verhalten?", fragt er.

Doch es gibt auch weit angenehmere Themen. Nämlich seinen "Oscar", den "silbernen Clown", den er im Januar verliehen bekam. Diese Trophäe wird einmal im Jahr, im Januar, in Monaco verliehen. Als er von der Veranstaltung berichtet, leuchten seine Augen. "Das war unglaublich. Prinzessin Stéphanie von Monaco liebt den Zirkus und lässt bei der Veranstaltung richtig auffahren. Roter Teppich, die besten Hotels, das volle Programm", berichtet er.

Etwa 50 Artisten aus aller Herren Länder treten an mehreren Tagen an, um die Gunst einer Jury zu gewinnen. Dabei gibt es keine Kategorien, sondern alle Darbietungen konkurrieren miteinander. Im Rahmen eines großen Banketts in einem der edelsten Hotels des Fürstentums werden dann die Preisträger bekanntgegeben. Diese treten daraufhin in einer Preisverleihungsvorstellung auf, bei der die Preise von Prinz Albert und Prinzessin Stéphanie überreicht werden. In diesem Jahr durfte Jama all das erleben. "Gerade für uns Zirkusleute ist diese Welt edelster Hotels und der High Society natürlich nicht normal", berichtet er.

Der Preis sorgt unter den Kollegen für die ganze Palette an Reaktionen. Von Freude, über Neid bis Bewunderung. Der Preis macht ihn natürlich begehrt beim Publikum und anderen Zirkussen. Eigentlich ist er selbst Miteigentümer des Zirkus' Charles Knie, ist aber nun für die Weihnachtszeit beim Zirkus Probst. Vom Donnerstag, wenn um 15 Uhr die Premiere steigt, bis zum 7. Januar wird er im Zuge der Show "Festivale" auftreten und will Jung und Alt mit seinen Darbietungen begeistern. "Dressur ist körperlich nicht so fordernd, wie Akrobatik. Darum hoffe ich, das noch viele Jahre machen zu können", sagt er, der zu den Besten seines Faches überhaupt gehört. Das will er über die Feiertage auch in Krefeld zeigen.

Quelle: RP
 
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