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Großes Besucher-Plus
Was den Krefelder Zoo so erfolgreich macht

Erdmännchen-Lodge in Krefelder Zoo eröffnet
Erdmännchen-Lodge in Krefelder Zoo eröffnet FOTO: Thomas Lammertz
Während viele Tierparks in NRW um Besucher und schwarze Zahlen kämpfen, wird Krefeld immer mehr zur Zoo-Stadt. So viele Besucher wie 2017 gab es noch nie. Was läuft dort richtig? Ein Besuch. Von Clemens Boisseree, Krefeld

Das Otterbecken im Krefelder Zoo steht leer, Ende des Jahres ist Titus an Altersschwäche gestorben. Jahrelang war er der Liebling der Besucher. Sein Tod ist ein trauriges Ende für das beste Jahr in der Geschichte des Krefelder Tiergartens. 

Über 480.000 Besucher bedeuten ein dickes Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr und gleichzeitig eine bessere Entwicklung als in den Zoos in Köln (plus fünf Prozent), Münster (plus sechs Prozent) oder gar Dortmund (minus neun Prozent) und Gelsenkirchen (minus fünf Prozent). Im Gesamtranking der größten NRW-Tiergärten hat sich Krefeld an Dortmund vorbei auf Platz sechs geschoben. 

Zoo erwirtschaftet 3,5 Millionen Euro pro Jahr

"Der Zoo ist ein gewaltiger Anziehungspunkt und Imagefaktor für unsere Stadt", sagt Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer. Und Attraktionen kann Krefeld dringend gebrauchen - in Zeiten, da das Eishockey-Erstliga-Team vor einer ungewissen Zukunft steht, dem Seidenweberhaus als wichtige Veranstaltungsstätte der Abriss droht und der Fußball-Traditionsverein KFC Uerdingen in der vierten Liga spielt. Auch deshalb lohne es sich, sagt Meyer, jährlich mehr als zwei Millionen Euro aus der klammen Stadtkasse in den Tiergarten zu investieren. 

Diese Zoos und Tierparks sollten Sie kennen FOTO: dpa, b pgrt

Der Zuschuss gewährleistet, dass die 2005 gegründete gemeinnützige GmbH im achten Jahr in Folge eine schwarze Null in ihrer Bilanz verbucht. Die restlichen knapp 3,5 Millionen Euro für das Gesamtbudget erwirtschaftet der Tierpark durch eigene Umsätze, vor allem durch die zunehmenden Besucherzahlen. "Darauf sind wir natürlich stolz. Ich interpretiere die Zahlen gerne als Anerkennung der guten Arbeit unseres gesamten Teams ", sagt Zoodirektor Wolfgang Dreßen. 

Kleines Gelände, kleines Eintrittsgeld

Dabei haben die Krefelder mit schwierigen Gegebenheiten zu kämpfen: Für ihre Tier-Schau stehen gerade mal 14 Hektar zur Verfügung, andere Tiergärten in NRW kommen auf mehr als doppelt so viel Fläche. "Planungen für Um- oder Neubauten sind bei fehlenden Ausdehnungsmöglichkeiten ein echtes Puzzlespiel", sagt Dreßen. Für jeden Um- oder Neubau müssen Tiere entweder in die Außenstation gegeben werden oder innerhalb des begrenzten Gebiets umziehen. Immer wieder wird über Expansionen – beispielsweise auf das Gelände des benachbarten, maroden Fußballstadions Grotenburg – diskutiert. Diskussionen, die der Zoodirektor nicht mehr länger öffentlich führen möchte: "Meine Planungen umfassen diese 14 Hektar. Mit mehr rechne oder kalkuliere ich aktuell nicht."

Beim Spaziergang durch den Park und in Gesprächen mit Besuchern zeigt sich aber, dass das kleine Gelände nicht nur von Nachteil ist. "Gerade für Familien mit kleinen Kindern ist es hier perfekt", sagt Katja Wilke, die mit ihrer Tochter Mona (2) aus Dormagen zu Besuch ist. Eingebettet in einen ehemaligen Schlosspark samt altem Baumbestand, ist die Übersichtlichkeit des Geländes groß und der Zeitaufwand für den Besuch gering. "In zwei, drei Stunden kann man entspannt durchgehen und alles sehen", sagt Wilke. Außerdem sei der Preis für die Faimilen-Jahreskarte mit 78 Euro "sehr fair".

Erdmännchen als neuer Publikumsmagnet

Dafür bekommen die Besucher rund 1200 Tiere 200 verschiedener Arten zu sehen. "Da gibt es sicherlich tierreichere Parks als unseren, aber wir setzen mit den Nashörnern, den Menschenaffen oder auch den Tropenhäusern eigene, starke Schwerpunkte", sagt Dreßen.  Im artenreichsten Zoo des Landes, in Köln, finden sich rund 800 Arten und über 8400 Tiere, dafür kostet eine vergleichbare Familienkarte auch 200 Euro pro Jahr. Für ein Tagesticket zahlen Erwachsene in der Domstadt 19,50 Euro, in Krefeld sind es acht Euro weniger.

"Mit Köln wollen wir uns auch gar nicht vergleichen, das kann allein ob der verschiedenen Größen- und Budgetverhältnisse nicht unser Anspruch sein", sagt Dreßen. Doch mit Fertigstellung der Erdmännchen-Lodge im vergangenen Jahr habe man in Sachen Attraktivität einen großen Schritt gemacht. In Oberbürgermeister Meyer haben die verspielten Neuankömmlinge einen prominenten Fan in der Stadt. "Denen könnte ich stundenlang zusehen", sagt er.

Auch die kleine Mona aus Dormagen verfolgt gebannt, die Hände an die Glasscheibe gedrückt, wie die kleinen Scharrtiere vor ihr "Männchen" machen. Weil die Zweijährige Tiere liebt, hat sich die junge Familie 2017 erstmals eine Jahreskarte für den Krefelder Zoo gekauft und liegt damit voll im Trend. Die Zahl der Jahresabos ist im vergangenen Jahr um knapp ein Drittel von 12.400 auf 16.400 angestiegen, auch diese Entwicklung ist ein Bestwert für NRW.

Dabei versuchen immer mehr Tiergärten, die Besucher zu Dauergästen zu machen. "Bundesweit geht die Entwicklung hin zur Jahreskarte, denn sie bedeuten Einnahmensicherheit, unabhängig von Faktoren wie Wetter oder Krankheiten", sagt Volker Homes.

Millionen-Investitionen durch Spendengelder

Homes ist Geschäftsführer des Verbands Zoologischer Gärten (VdZ) und beobachtet die Entwicklung von mehr als 70 großen Tiergärten deutschlandweit. Erfolgsmeldungen wie aus Krefeld vernimmt er gerne, andernorts haben Tiergärten mehr zu kämpfen: Mit großer Konkurrenz um die Besuchergunst, hohen Auflagen für die Tierhaltung und dem daraus resultierenden Druck, in Neuheiten zu investieren. "Alle zwei bis drei Jahre muss ein zoologischer Garten Anreize durch neue Gehege setzen", sagt Homes.

Doch die Investitionen kosten Millionen, die vielerorts durch die leeren Stadtkassen getragen werden müssen. So wie in Dortmund, wo die Kommune alleiniger Träger des Tierparks ist und bis 2022 über 30 Millionen in neue Gehege investieren will – dabei verzeichnete der Tierpark 2017 mit 445.000 Besuchern so wenig Zulauf wie seit fünf Jahren nicht mehr. 

Bundesweit sind die Besucherzahlen zwar stabil, sie pendeln laut VdZ zwischen 30 und 33 Millionen, zeigten zuletzt aber ebenfalls einen negativen Trend. Und so sagt Homes: "Bei der aktuellen Haushaltslage vieler Städte wird nicht jeder Tiergarten die nächsten 10 bis 20 Jahre überleben."

In Krefeld hält die Stadt zwar 75 Prozent an der ausgegliederten GmbH, für neue Gehege ist der Tiergarten aber auf eigene Umsätze, externe Spenden, vor allem aber auf den Verein der "Zoofreunde" angewiesen. Die sammelten seit ihrer Gründung 1972 Gelder in Millionenhöhe, wodurch unter anderem eine Nashornanlage, ein Schmetterlingshaus oder eine Pinguin-Anlage modernisiert oder neu gebaut werden konnten. Im Gegenzug halten die Freunde die restlichen 25 Prozent der GmbH-Anteile. "Ohne das Engagement der Zoofreunde wäre die aktuelle und zukünftige Entwicklung in Krefeld undenkbar", sagt Zoodirektor Dreßen.

Mehr Infos und Tipps zu den Zoos in Nordrhein-Westfalen gibt es hier.

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2018, zum 80. Geburtstag des zoologischen Gartens, wird er wieder einmal puzzeln müssen: Ein neues Tiger-Pärchen zieht ins aktuell leere Tigerhaus ein. Die Zebras ziehen um, damit eine neue Außenanlage für die Schimpansen entstehen kann. Die Pelikane beziehen ihr neues Zuhause und die Tropenvögel bekommen ein saniertes Haus. Vor allem aber wird nach Titus' Tod das Otterbecken saniert -  und ein Nachfolger für den verstorbenen Publikumsliebling gesucht.

 
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