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Krefeld
Zoodirektor Dreßen entsetzt über Wildtier-Debatte

Krefeld. Die Diskussion in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses um Haltung und Umgang mit Wildtieren in Zirkussen hat jetzt auch den Zoo auf den Plan gerufen. Die Politik überlegt, Zirkussen, die Wildtiere mitführen oder auftreten lassen, künftig keine städtischen Flächen mehr zur Verfügung zu stellen. Von Joachim Niessen

Mehrere Ratsvertreter warnten in diesem Zusammenhang davor, dass diese Debatte auch den Zoo in Mitleidenschaft ziehen könnte. "Zoo und Zirkus sind als Institution nicht miteinander vergleichbar", betont Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen. Zoos orientieren sich in ihrer Funktion an den vier Hauptaufgaben Artenschutz, Erholung, Forschung und Bildung. "Zootiere sollen natürliches Verhalten zeigen und ausleben können.

Die Gestaltung von Gehegen, die Fütterung und die Zusammensetzung der Tiergruppen orientieren sich daher an den natürlichen Bedürfnissen, die aus Freilandstudien aber auch aus der modernen Tiergartenbiologie bekannt sind", so Dreßen. Zoos optimieren schon lange ihre Tierhaltung: Weniger Tiere auf mehr Raum, naturnahe Gehege, optimierte Nahrung und intensive Tierbeschäftigung heißt die Devise bei der Wildtierhaltung wissenschaftlich geführter Zoos.

Die Zoofreunde sind entsetzt über die derzeitige politische Debatte und die Vermengung von Für und Wider der Tierhaltung derart unterschiedlicher Betriebe: "Die Haltung von Wildtieren in Zoos wird seit Jahrzehnten erforscht und verbessert. Die Zoos haben darüber hinaus einen Bildungsauftrag und fördern durch weltweite Kooperationen die Erhaltung von Arten durch ihre zahlreichen Zuchterfolge besonders von hochbedrohten Arten", sagt Friedrich Berlemann, Vorsitzender der Zoofreunde Krefeld. "Wir haben in Krefeld zig andere schwerwiegendere lokale Probleme zu lösen, als derartig unnütze Diskussionen zu führen."

Zoos werden von den Unteren Landschaftsbehörden wie auch Veterinärbehörden überwacht und müssen eine Betriebsgenehmigung nach einer EU-Richtlinie vorweisen. Auch Zirkusse werden behördlich kontrolliert und haben Vorschriften für die Haltung von Tieren. Die Leitlinien für Zirkusse unterscheiden sich von denen für Zoos und sind das letzte Mal in 2000 überarbeitet worden. "Ähnlich wie die Überarbeitung und ständige Aktualisierung der Haltungsnormen in der Zootierhaltung sollten zunächst die Leitlinien für die Haltung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben überarbeitet und auf Bundesebene eine neue Richtlinie beschlossen werden", fordert Dreßen. Ein Verbot oder eine Zulassung von Zirkusbetrieben mit Wildtierhaltung sei eine Bundesaufgabe. Kommunale Einzelfallentscheidungen würden "nur zur Verwirrung der Öffentlichkeit führen und polemischen und unsachgemäßen Forderungen extremer ,Tierschützer' die Tore öffnen".

Quelle: RP
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