| 00.00 Uhr

Krefeld
Zu Besuch bei der Orgel von St. Clemens

Krefeld: Zu Besuch bei der Orgel von St. Clemens
Orgelbaumeister Martin Scholz präsentiert ein zartes, biegsames Koppelholz, das die Tasten mit dem Schwellwerk im Orgelinneren verbindet. FOTO: Petra Diederichs
Krefeld. In Kürze zieht die neue Orgel in die Fischelner St.-Clemens-Kirche ein, bekommt ihre Pfeifen und ihre Intonierung. Noch steht sie in der Orgelbauwerkstatt von Martin Scholz. Der Orgelbauverein war vor Ort. Von Petra Diederichs

Schon der Rohbau ist majestätisch: Sieben Meter hoch ragt der Prospekt in hellem Eichenholz auf. Ein imposanter Anblick bietet sich den Besuchern, die an diesem Tag aus Fischeln in die Werkstatt des Orgelbauers Martin Scholz in Mönchengladbach gekommen sind. In Kürze wird das Instrument in der St.-Clemens-Kirche einziehen. Noch fehlen die glänzenden Orgelpfeifen, von denen die längste drei Meter misst. "Die Pfeifen werden direkt in die Kirche geliefert und erst vor Ort eingebaut. Denn sie sind hochempfindlich. Die kleinste Beule wäre fatal für den Klang", erklärt Orgelbaumeister Scholz.

Einen ersten tiefen Ton kann der Experte der Orgel aber entlocken. Denn die robusteren Holzpfeifen für die tiefen Töne, die mit dem Pedal gespielt werden, haben schon ihren Platz eingenommen. Das tiefste C aus der fünf Meter langen roten Blockpfeife füllt die Werkstatt, und Organist Klaus-Peter Jamin zeigt ein angedeutetes, aber zufriedenes Lächeln. Mit Scholz, den er seit vielen Jahren kennt, hat er bereits mehrere Orgeln für die Region geplant. Diese für die Clemenskirche aber ist exakt nach seinen Vorstellungen entwickelt. "Sie hat zwölf Töne mehr. Die oberste Oktave ist klanglich dazu gekommen", sagt Jamin. Das war sein Wunsch. Bis zum A''' wird die Skala reichen. Mehr als 700 Pfeifen werden singen, 21 Register sind geplant - unter anderem eines mit der Anmutung einer Traversflöte.

Zwei Manuale hat der Spieltisch, der in der Werkstatt noch freiliegt. Später wird der Block im Eichenkorpus verschwinden. Der Spieltisch ist genormt, Einschubtiefe und Pedal sind festgelegt, damit Organisten ohne große Suche an allen Orgeln der Welt mit den Füßen das tiefe C finden, erklärt Scholz. Das ist ein ebensolches Musikergesetz wie der der Kammerton A, auf den sich seit Johann Sebastian Bach alle Musiker fürs Stimmen ihrer Instrumente geeinigt haben.

Der Blick in den Korpus zeigt, welch technisch ausgefeiltes Meisterstück die "Königin der Instrumente" ist, welche handwerkliche Meisterschaft die Millimeterarbeit erfordert. "Holz arbeitet immer in der Breite, aber nie in der Länge", sagt Scholz.

Die Pfeifen der Orgel klingen durch Wind. In früheren Zeiten mussten Helfer, sogenannte Kalkaten, große Balge bedienen, damit sie Luft in die Orgel pumpten. Scholz erzählt Anekdoten von erbosten Organisten, die mitten im Stück ohne Ton da saßen, weil die Kalkaten ihnen einen Streich spielten und die Balge nicht mehr bedienten. Heute ist ein Motor die Lunge für die Pfeifen. Knapp 50 Kilo wiegt die Windmaschine, die nicht nur mächtig Druck machen soll, sondern auch mit dem Hauch, der für eine Blockflöte reicht, die Pfeifen zum Singen bringen kann. "Klanglich wird die Orgel an die Chororgel der großen französischen Kathedralen erinnern. So etwas gibt es bisher in Krefeld nicht", sagt Jamin. Klanglich soll sie den Kirchenraum beherrschen, nicht optisch. "Sie soll in erster Linie begleiten. Aber sie bietet sehr viele konzertante Möglichkeiten."

Am 14. Oktober soll die Orgel vom Bischof geweiht werden. Eine Woche lang wird sie sich mit verschiedenen Programmen und unterschiedlichen Interpreten vorstellen.

Fast sechs Jahre hat die Gemeinde auf eine große Orgel verzichtet, nachdem die marode Kirchenorgel abgebaut worden war. Der Orgelbauverein Fischeln hat mit Hilfe von Sponsoren und Benefizkonzerten die Finanzierung des 400.000 Euro teuren Instruments gestemmt. Denn das Bistum hatte früh signalisiert, dass von dort kein Geld zu erwarten war. Entsprechend groß ist die Vorfreude.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Zu Besuch bei der Orgel von St. Clemens


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.