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Neue Reihe Mein Verein
Zu gewinnen: Eine Fahrt im Blauen Enzian

Neue Reihe Mein Verein: Zu gewinnen: Eine Fahrt im Blauen Enzian
Im Cockpit war Handarbeit gefragt; rechts erkennbar: Sand zum Bremsen. FOTO: Nein
Krefeld. Mit ihm erlebt man sein blaues Wunder: Der Blaue Enzian, Krefelds wunder- und kostbare historische Straßenbahn. Wir verlosen zum Auftakt unserer Reihe über Krefelder Vereine für unsere Leser eine Fahrt mit zehn mal zwei Plätzen. Von Jens Voss

Manche Fahrgäste haben tatsächlich Tränen in den Augen, wenn sie so viel technische Schönheit erleben: Der das berichtet, ist kein sentimentaler Schwarmgeist, sondern handfester Mitarbeiter der Stadtwerke Krefeld (SWK). Michael Jansen ist unter anderem gelernter Straßenbahnfahrer, aber eben auch Vorsitzender eines Vereins, der den Blauen Enzian betreut: "Linie 1". Die historische Straßenbahn bezaubert immer wieder aufs Neue die Menschen. Wo er fährt, zücken die Leute ihr Handy fürs Foto; und wer im Innern Platz nimmt, ist verzückt von den warmen Holztönen und all der nostalgischen Mechanik, die uns Heutigen immer auch bildschön erscheint. Und Jansen sagt diesen Satz: "Ich habe es erlebt, dass Leute Tränen in den Augen hatten, wenn sie mit uns gefahren sind."

Der Blaue Enzian ist technisch eine Rarität: Baujahr 1900, gehört er zur ersten Generation der elektrischen Straßenbahnen Krefelds. "Es gibt museal noch einige solcher Bahnen, aber nur eine Handvoll, die wirklich noch fahren", sagt Volker Goreth, ebenfalls bei der SWK beschäftigt und ebenfalls Mitglied bei "Linie 1". Dass die Bahn die Zeiten überdauert hat, grenzt an ein Wunder. Der Triebwagen Nummer 93 befindet sich weitestgehend in dem Zustand, in dem er 1900 von der Firma "Düsseldorfer Eisenbahnbedarf, vorm. Carl Weyer & Cie." gebaut wurde. 1900 wurde eine erste Serie von 30 Triebwagen geliefert, 1901 folgte eine zweite Serie von 16 Stück. Was die Blaue Mauritius für Briefmarken ist, ist dieser Blaue Enzian in der Welt der Straßenbahnen.

Ein Gedicht: Wunderbare warme Holztöne im Innern. FOTO: Nein

Die "Linie 1" hat rund 70 Mitglieder, etwa die Hälfte sind SWK-Mitarbeiter, wie überhaupt die SWK das Projekt ermöglicht, denn Heimatbahnhof für den Enzian ist das Straßenbahndepot der SWK Mobil. Auch das Engagement der SWK-Fahrer ist unerlässlich: "Man kann keinen allgemeinen Straßenbahn-Führerschein machen", sagt Goreth, die Fahrgenehmigung ist immer an einen Betrieb gebunden. So sind viele gelernte Straßenbahnfahrer "Linie 1"-Mitglieder.

Den Enzian zu fahren ist für sie ein Fest: "Das ist Straßenbahnfahren pur", schwärmt Goreth, "man muss wirklich alles noch von Hand machen." Markantes Beispiel: Bis heute brauchen die Bahnen Sand zum Bremsen; heute wird er automatisch auf die Schienen gegeben; im Blauen Enzian mussten die (stehenden) Fahrer Sand per Hand mit einer Schüppe durch einen Trichter auf die Gleise rieseln lassen. Allein die Holzverarbeitung im Innern ist ein Gedicht; von den Holzbänken bis zu geschnitzten Rosetten an der Decke umfangen den Fahrgast warme Farbtöne. Auch das ist es, was die Menschen heute fesselt: "Wie die ganze Verarbeitung daherkommt - das haben wir heute nicht mehr", sagt Goreth. Der Blaue Enzian ist kein Raser: Er fährt mit 40 Stundenkilometer. Was 1900 im Vergleich zu Pferdefuhrwerken ein Geschwindigkeitsrausch war, ist heute willkommene Entschleunigung. Bei den Rundfahrten, wie wir sie unter unseren Lesern verlosen, erlebt man die Stadt neu und in einem Tempo, das genügend Zeit lässt für die Wahrnehmung vieler Details und Fotos für die Ewigkeit.

Volker Goreth ist einer von rund 70 Mitgliedern in dem Verein "Linie 1", die sich um den Blauen Enzian kümmern. Falls Interesse besteht mitzumachen: Nähere Informationen über den Verein "Linie 1" gibt es im Internet unter www.linie1-krefeld.de FOTO: Lothar Strücken
Quelle: RP
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