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Krefeld
Zug-Sparte: Fusion mit Alstom wieder Thema

Krefeld: Zug-Sparte: Fusion mit Alstom wieder Thema
Proteste vor dem Siemens-Werk in Krefeld im Mai des vergangenen Jahres: Es gibt nur ein Siemens mit allen Sparten und allen Beschäftigten. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die mehr als 2000 Beschäftigen im Siemenswerk in Uerdingen an der Duisburger Straße kommen nicht zur Ruhe. Nach den Plänen 2014, das Werk abzugeben, wird aktuell über eine Fusion mit den Franzosen zu einem europäischen Champion nachgedacht. Von Norbert Stirken

Ein Gespenst lugt in Krefeld um die Ecke, das eigentlich schon als vertrieben galt - die Fusion der Siemens- Zugsparte mit dem französischen Rivalen Alstom. Befeuert werden solche Pläne durch die Aussagen des für die Mobility-Sparte zuständigen Simens-Vorstands Jochen Eickholt. Gegenüber der Wirtschaftswoche hatte er vor wenigen Tagen erklärt, dass er es für eine berechtigte Frage halte, "ob ein solcher europäischer Champion mit Blick auf die Konkurrenz aus Asien nicht besser aufgestellt ist".

Nach der Fusion zweier großer chinesischer Produzenten zum neuen Staatskonzern CRRC sieht sich Siemens offenbar zunehmend unter Druck. CRRC beschäftigt rund 170 000 Mitarbeiter auf dem Sektor Schienenfahrzeuge. Für die Krefelder Arbeitnehmer von Siemens hat sich die Lage gegenüber Juni 2014 dennoch grundlegend verändert. Damals wollte Siemens die Zugsparte offenbar als Dreingabe opfern, um mit dem Kaufangebot für die Energiesparte zum Zuge zu kommen. Das Rennen machte bekanntlich der US-amerikanische Industriekonzern General Electric.

Vorstand Jochen Eickholt, Siemens-Mobility, sieht Wachstumschancen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Diesmal soll eine eventuell dauerhafte Zusammenarbeit mit Alstom offensichtlich unter anderen Bedingungen zustande kommen. Laut Wirtschaftswoche erklärt sich Siemens-Chef Joe Kaeser nach Angaben von Arbeitnehmerkreisen damit einverstanden, dass jede mögliche Allianz im Zuggeschäft nur unter der Federführung von Siemens stattfinden dürfe.

Die zu umwerbende Braut zeigt sich unterdessen besonders attraktiv. Alstom macht in seiner Zugsparte dank einer guten Nachfrage aus Europa bessere Geschäfte. Im Quartal von Anfang April bis Ende Juni dieses Jahres kletterten die Erlöse um acht Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag in Paris mitteilte. Das war mehr, als von Analysten geschätzt. Grund war vorrangig die Lieferung von Regionalzügen nach Frankreich, Italien und Deutschland sowie die Wartung von Hochgeschwindigkeitszügen in Großbritannien.

Auch bei Siemens sind die Auftragsbücher für die kommenden Jahre voll. Im Krefelder Werk mit mehr als 2000 Beschäftigten entstehen nicht nur Hochgeschwindigkeitszüge für die Deutsche Bahn, die Türkei und Großbritannien, sondern auch Regionalzüge für Österreich und große Teile des neuen Rhein-Ruhr-Expresses.

Nach Informationen der Wirtschaftswoche ist Siemens mit der Rendite bei den Hochgeschwindigkeitszügen nicht zufrieden. Die Umsatzrendite nach Steuern soll bei drei bis vier Prozent liegen. Profitabler sei das Geschäft mit Regionalzügen sowie U- und Straßenbahnen. Gleichwohl hält Siemens den Markt für eine Wachstumsbranche. Bei seinem Besuch in Krefeld im April dieses Jahres schränkte Eickholt diese Einschätzung ein bisschen wieder ein. Er konkretisierte, dass die Chancen mehr in den Wartungs- und Servicebereichen (plus 3,3 Prozent) sowie dem Infrastruktursektor (plus 3,6 Prozent) als im eigentlichen Zug- und Wagenbau (plus 1,2 Prozent) lägen.

Siemens sei darauf aus, Komplettlösungen für Ballungsgebiete zu liefern. Die Bevölkerung in den Städten wachse und wachse. Dort werde bis 2030 drei Viertel des Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet. Das heiße, die Städte träten zunehmend zueinander in Konkurrenz und könnten mit einem funktionierenden Verkehrssystem bei der Ansiedlung von Unternehmen punkten.

Für die Zukunft des Werks in Krefeld spreche einiges: Der Betrieb baue schon jetzt energieeffiziente Züge in Leichtbauweise mit hoher, nahezu perfekter Verfügbarkeit. Unter erschwerten Bedingungen in Russland sei über einen Zeitraum von drei Jahren kein Zug ausgefallen und keiner mehr als fünf Minuten verspätet gewesen. Die Verfügbarkeit habe über 99 Prozent gelegen. Eine Dreingabe wie noch vor einem Jahr soll das Krefelder Werk diesmal wohl nicht sein.

Quelle: RP
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