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Krefeld
Zukunftswerkstatt Chempark Uerdingen

Krefeld: Zukunftswerkstatt Chempark Uerdingen
Der Messestand von Covestro dominiert die Halle 6 bei der weltweit größten Kunststoffmesse in Düsseldorf. FOTO: Norbert Stirken
Krefeld. Mittwoch endet die größte Kunststoffmesse der Welt in Düsseldorf: Für die Unternehmen Covestro und Lanxess aus dem Chempark in Uerdingen fällt die Bilanz aber schon jetzt sehr positiv aus. Die Krefelder Firmen präsentieren an ihren Ständen in der Halle 6 ihre vielbeachteten Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft: Materialien - leicht, stabil, licht- und säurebeständig, lebensmittelecht, preisgünstig, nachhaltig, bunt und umweltschonend. Von Norbert Stirken

Der Messestand von Covestro - vormals Bayer Material Science - ist unübersehbar hoch und bunt. So lockt der Chemiegigant bei seiner Premiere die internationalen Besucher in seine acht Stationen, in denen das Unternehmen aus dem Krefelder Chempark am Rhein die Anwendungen für seine Kunststoffe in der Zukunft vorstellt. "Wir wollen nicht über Polyurethan, Polycarbonat oder Methylendiphenylisocyanate reden, sondern ganz konkrete Möglichkeiten der Nutzung aufzeigen", berichtet Klaus Jäger, Standortleiter für Covestro in Nordrhein-Westfalen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Kunden und Verbraucher sollen so einen neuen eindrucksvollen Zugang zur Tätigkeit der chemischen Industrie generell und Covestro speziell bekommen.

Die Aktiengesellschaft hat ein wirtschaftlich erfolgreiches erstes Jahr hinter sich. Die Standorte in Krefeld, Dormagen und Leverkusen haben dazu ihren wesentlichen Beitrag geliefert. Die Erwartungen wurden einige Male nach oben korrigiert. Ein Ende der Fahnenstange ist für die Verantwortlichen noch nicht in Sicht. Die Kapazitäten in Uerdingen zum Beispiel seien für weiteres Wachstum vorhanden, sagt Jäger.

Futuristisch mutet der Messestand von Lanxess an. Dort präsentiert der Chemiekonzern seine Lösungen. Für sein Gaspedal aus Kunstfaser verlieh er einen Science-Award an den Entwickler von der RWTH Aachen. FOTO: martin

Was das Krefelder Werk zu leisten in der Lage ist, unterstreichen zwei Anziehungspunkte für die rund 200.000 Messebesucher. Die farbig lackierten Platten der Außenhaut des Messestandes, der wie der Oberhausener Gasometer bis unters Dach emporragt, sind aus Granulat aus der Produktion in Uerdingen hergestellt. Von fast niemandem unbeachtet bleibt darüber hinaus der Blick in die neue Welt des Automobils. Covestro hat zusammen mit Designstudenten und Partnern aus der Autoindustrie ein neues Designkonzept für Elektroautos entwickelt, das bisherige Grenzen überwindet.

Es nimmt aktuelle Trends im Außendesign auf und wird in Form eines Lifestyle-Autos präsentiert. Herausragende Merkmale sind die fugenlose Gestaltung des Frontbereichs, vor allem aber auch die Rundum-Verscheibung aus transparentem Polycarbonat aus Uerdingen. Besucher finden bei Covestro Produkte und Technologien für die Auto-, Bau- und Elektronikindustrie, aber auch neue und unerwartete Anwendungen in den Bereichen Gesundheit, Kosmetik, Sport und Mode. Erst kürzlich hat das Unternehmen ein neues Labor für 3D-Druck in Betrieb genommen. Dort werden gemeinsam mit Partnern Materiallösungen entwickelt und im praktischen Einsatz getestet - darunter prominente Firmen der Sportschuhhersteller. Zukünftig lassen sich Markenzeichen oder auch Motive und Namen nach Wunsch des Kunden auf den Schuh aufbringen.

Das Auto der Zukunft am Covestro-Stand ist das wohl meist fotografierte Motiv der Kunststoffmesse. Verbaut wurde transparentes Macrolon aus Uerdingen. FOTO: Rennertz

Das Kompetenzteam für so genannte additive Fertigung greift dabei stark auf Polycarbonate aus Uerdingen zurück. Solche Produkte zeichnen sich durch sehr gute Temperaturstabilität und Härte aus. 3D-gedruckte Produkte aus diesen Kunststoffen werden in Beleuchtung und Design sowie in anderen Anwendungen eingesetzt, bei denen es auf eine gute Festigkeit auch unter Hitzeeinwirkung ankommt.

Krefeld ist durch Samt und Seide zu großem Wohlstand gekommen und hat als Textilstandort eine lange Tradition. Diese Tradition setzt Covestro mit seinen Lösungen für "smarte Textilien" fort. Ein Blickfang ist ein leuchtendes Kleid. Die Leuchtdioden sitzen dabei nicht auf einer Platte oder einem Streifen, sondern auf einem weichen Stück Stoff. Das elektronische System wird mit einer dehn- und formbaren Folie aus thermoplastischem Polyurethan geschützt. Neben Modeartikeln könnten diese frei formbaren elektronischen Systeme in der Kleidung beispielsweise auch Herzfrequenz und Atmung überwachen.

Grüner Kunstrasen: eingefärbt mit Farbstoffen aus der Produktion Uerdingen. FOTO: Lanxess

Mit der Erfindung des Polycarbonats Makrolon als Trägermaterial von CD's und DVD's revolutionierte der Standort Uerdingen einst die Welt der Unterhaltungselektronik. Heute sollen Notebooks, Tablets, Fernsehgeräte und Smartphones immer schneller, dünner, leichter und robuster werden. Covestro hat eine ganz neue Composite-Technologie für die effiziente Herstellung von Gehäusen und anderen Bauteilen entwickelt, die auf thermoplastischen Kunststoffen und Carbonfasern basiert. Auch auf dem Gebiet der Windkraft überzeugt Covestro mit Neuentwicklungen. Ein Beispiel ist ein spezielles Infusionsharz für die kostengünstige Herstellung von Rotorblättern. Seite an Seite mit Covestro in die Zukunft marschiert Lanxess - ebenfalls durch Ausgliederung aus dem Bayer-Konzern entstanden, jedoch schon 2004. Die Produktion der Hochleistungskunststoffe von Lanxess erfolgt in Deutschland im Wesentlichen in Uerdingen. Dort stellt der Chemiekontern Polyamid 6 sowie PBT her und betreibt Anlagen für die Veredelung zu den Kunststoffmarken Durethan und Pocan.

Die Kunststoffproduktion in Uerdingen ist eine der weltweit größten ihrer Art. Der Einsatz von eingefärbten Kunststoffen gewinnt nachhaltig an Bedeutung und die Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten steigt kontinuierlich. Die Anforderungen an Pigmente für die Kunststoffeinfärbung sind jedoch hoch. Bei kurzen Verweilzeiten in den Prozessen der Kunden muss zudem eine gute Einarbeitung in das Endprodukt gewährleistet sein. Die Pigmente schnell die Endfarbstärke erreichen, eine hohe Hitzebeständigkeit aufweisen und eine dem Anwendungszweck entsprechende Licht- und Wetterbeständigkeit haben.

Quelle: RP
 
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