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Krefeld
Zwangsmaßnahme: Stadt verstärkt nur den Zaun am "Horror-Hochhaus"

Krefeld: Zwangsmaßnahme: Stadt verstärkt nur den Zaun am "Horror-Hochhaus"
Anfang Mai hat es im Hochhaus an der Alten Gladbacher Straße wieder gebrannt. Anschließend ließ der Eigentümer einige Türen und Fenster notdürftig mit Brettern vernageln. Jetzt will die Stadt den Zaun um das Gebäue verstärken. FOTO: HR
Krefeld. Wann genau die "Sicherungsarbeiten" an dem leerstehenden Studentenwohnheim beginnen, weiß die Verwaltung nicht. Die Bürger fordern den Abriss des asbestbelasteten Gebäudes. Kosten: 300.00 Euro. Von Joachim Niessen

Seit Monaten kämpfen die Anwohner und Rektor Michael Schütz, Leiter der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, darum, dass die Stadtverwaltung endlich aktiv wird und das benachbarte leerstehende, elfgeschossige ehemalige Studentenwohnheim an der Alten Gladbacher Straße sichert. "Horror-Hochhaus" nennen die tief besorgten Menschen den offen zugänglichen Betonklotz, der sich einerseits zum Rattenparadies, andererseits zum lebensgefährlichen Tummelplatz für Kinder und Jugendliche entwickelt hat. Ein Abriss soll - so Thomas Luppa, SPD-Ortsvereinsvorsitzender Krefeld-Süd, - rund 300.000 Euro kosten. Diesen Schritt darf die Verwaltung (noch) nicht umsetzen. Allerdings: Sie will lediglich das Gelände sichern.

Immer wieder haben sich Bürger, die im Schatten des maroden Gebäudes leben, an verschiedene Ämter gewandt. Eltern aus Angst um das Leben ihrer Kinder, Rektor Schütz aus Sorge um seine Schüler. Überall sind gefährliche Löcher in der Ruine. Selbst das Dach wurde als Spielplatz missbraucht. Dabei kann nicht nur dort ein falscher Tritt tödlich sein. Auch die Politik stellte sich an die Seite der Betroffenen. Die SPD startete erst eine Plakat-, dann eine Unterschriftenaktion. Die Listen sollen Oberbürgermeister Frank Meyer übergeben werden.

Doch was folgte, waren Versprechen, die nicht eingehalten wurden. Die Verwaltung erklärte, dass "Sofortmaßnahmen zur Sicherung des Grundstücks und Gebäudes durch die Eigentümerin" zugesagt worden seien. Geschehen ist anschließend nichts.

Selbst Oberbürgermeister Meyer war vor Ort. In einem Gespräch mit Schulleiter Schütz hat sich der Verwaltungschef über die Situation informiert und deutlich gemacht, dass die Stadt wie angekündigt die Sicherung des Grundstückes als Zwangsmaßnahme selber vornehmen und in Rechnung stellen werde, wenn dies nun nicht unmittelbar durch die Eigentümerin passiere. Schütz hatte den Oberbürgermeister bereits im Februar schriftlich über die unhaltbare und bedrohliche Situation unmittelbar gegenüber der Schule unterrichtet.

Doch die Angst vor dem "Horror-Hochhaus" blieb. Anfang Mai musste die Feuerwehr anrücken. Unbekannte hatten gezündelt, beißender Rauch quoll aus dem asbestbelasteten Haus. Auch hier sprachen Verantwortliche der Wehr von einer "für die Einsatzkräfte nicht ungefährlichen" Lage. Schließlich wurde die Eigentümerin auf dem Gelände doch noch aktiv und ließ Holzplatten vor einigen Fenstern und Türen im unteren Bereich anbringen.

Wieder verging Zeit, wieder wurde geprüft - nun soll angeblich gehandelt werden. "Nach Prüfung der Stadt Krefeld sind die durch den Eigentümer veranlassten Sicherungsmaßnahmen am ehemaligen Studentenwohnheim an der Alte Gladbacher Straße nicht ausreichend", heißt es am Mittwoch im dem Rathaus. Die Verwaltung will nun selbst die Grundstückssicherung als Zwangsmaßnahme vornehmen und entsprechende Arbeiten veranlassen. Die Kosten werden dem Eigentümer in Rechnung gestellt.

Doch die Menschen im Süden bleiben skeptisch. Beruhigende Worte hat es in der Vergangenheit von allen Seiten gegeben. Sie erwarten Sicherheit für ihre Kinder. Das weiß auch die Verwaltung. Doch: Fragen nach einem "Ablaufplan" zu den bevorstehenden Sicherungsarbeiten am "Horror-Hochhaus" konnte gestern Morgen niemand im Rathaus beantworten. Auch am frühen Nachmittag herrschte in diesem Punkt weiter Funkstille. Dabei erwarten die Anwohner Antworten. Wann wird angefangen zu arbeiten? Wie lange dauert die Maßnahme? Wird nur der umgestürzte Zaun hergerichtet und der Zugang auf das Gelände erschwert oder werden die Fenster und Türen des Gebäudes Fachgerecht zugemauert? Und die Politik sitzt ebenfalls in den Startlöchern: Die Ratsvertreter wollen wissen, ob Kosten vielleicht an der Stadt hängenbleiben. Gegen 16 Uhr meldet sich die Verwaltung mit einem aktuellen Satz: "Der Auftrag die Verstärkung des Zauns geht heute raus. In Abstimmung mit dem Unternehmen wird die Umsetzung zeitnah erfolgen. Die geschätzten Kosten liegen im niedrigen vierstelligen Bereich." Für die Eltern heißt dies: Das Horror-Hochhaus und die Angst vor der tödlichen Gefahr bleiben.

Quelle: RP
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