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Kreis Heinsberg
190.000 Stimmen für die Bundestagswahl

Kreis Heinsberg. 23 Parteien kämpfen im Kreis Heinsberg um Stimmen bei der Bundestagswahl am 24. September. Rund 190.000 Bürger sind wahlberechtigt. Von Andreas Speen

Rund 190.000 Bürger aus dem Kreis Heinsberg können am 24. September mitbestimmen, wie sich der 19. Deutsche Bundestag zusammensetzt. Werden sie Wilfried Oellers von der CDU erneut das Direktmandat bescheren, das er im September 2013 mit 53,4 Prozent der Stimmen gewonnen hatte? In vier Wochen, wenn am 24. September um 18 Uhr die Wahllokale geschlossen und danach die Stimmen gezählt worden sind, wird sich diese Frage beantworten. Unter anderem im Kreishaus in Heinsberg kann der Wahlabend ab 17.45 Uhr miterlebt werden - Gratulation für den oder die künftigen Bundestagsabgeordneten inklusive, weil beispielsweise auch Norbert Spinrath von der SPD über die Landesliste erneut nach Berlin entsandt werden könnte.

Wilfried Oellers hatte 2013 bei seiner ersten Kandidatur mit 53,4 Prozent der Erststimmen rheinlandweit nur noch das christdemokratische Urgestein Wolfgang Bosbach vor sich, der 58,5 Prozent der Erststimmen auf sich vereint hatte. Im Kreis Heinsberg war ihm Norbert Spinrath (SPD) mit 28,3 Prozent gefolgt. Ihre Parteien holten seinerzeit 49,3 beziehungsweise 26,3 Prozent der Zweitstimmen. Ihnen folgten Grüne, Linke, FDP und AfD, die neben CDU und SPD in diesem Jahr erneut die aussichtsreichsten Parteien sein dürften und mit Christoph Stolzenberger, Wolfram Steinhage, Dr. Klaus Jürgen Wagner und Hermann Navel ins Rennen um Stimmen gehen; des Weiteren bieten die Piraten in Kai Torsten Boxberg und die Freien Wähler in Sascha Mattern eigene Kandidaten auf.

Christoph Stolzenberger (49, Erkelenz) ist Kulturmanager und Prokurist. Er kam über die subkulturelle Szenen, die antifaschistische Arbeit und die Kultur zur Politik, wo ihn an den Grünen die "Vorstellungen über Nachhaltigkeit und die Würde des Menschen" begeisterten. Sollte der verheiratete Erkelenzer in den Bundestag einziehen, wäre seine erste Tat: "Wir müssen den Druck zur Abschaltung von Tihange und Doel massiv erhöhen."

Wolfram Steinhage (62, Wassenberg) ist Computertechniker. Den alleinerziehenden Vater eines 16-jährigen Sohns brachte der "stetige Sozialabbau in der Bundesrepublik" zur Politik. Er war 2005 Mitbegründer der WASG im Kreisgebiet. An der Partei "Die Linke" begeistert ihn, dass "sie durch und durch sozial ist. Wir wollen mehr Gerechtigkeit in unserem Land. Sehr reiche Menschen müssen deshalb etwas abgeben, um neue Schulen, Krankenhäuser oder Wohnungen bauen zu können."

Für die FDP will Dr. Klaus Jürgen Wagner (56, Wegberg), der Vorsitzender Richter am Finanzgericht ist, das Mandat erringen. Der verheiratete Vater einer erwachsenen Tochter kam 2001 zur Politik und wollte vor allem in der Kommunalpolitik etwas bewegen. Zur FDP orientierte er sich wegen des Namensbestandteils "frei": "Für mich steht das Wort in der FDP für die individuelle Freiheit des Einzelnen, die es zu bewahren gilt und die ein wesentliches Element unserer freien Gesellschaft ist." Er würde sich in Berlin für die Infrastruktur (Verkehr, Breitband) und eine bessere Finanzausstattung der Kommunen einsetzen wollen.

Hermann Navel ist Elektromeister (69, Wassenberg). Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. "Ich fühlte mich von keiner der etablierten Parteien vertreten", sagt er und kam so zur AfD, in der "Menschen über aktuelle Themen ergebnisoffen diskutieren und für ihre Überzeugungen einstehen". In Berlin würde er sich für den "Erhalt und Ausbau der Infrastruktur auf allen Gebieten" einsetzen: "Der ländliche Raum muss für junge Familien attraktiv bleiben. Ich werde mich dafür einsetzen, dass Asyl wieder nach rechtsstaatlichen Regeln gewährt wird."

Bekannt im Kreis Heinsberg sind Wilfried Oellers (CDU) und Norbert Spinrath (SPD), die ihre erste Wahlperiode im Bundestag hinter sich haben. Der Rechtsanwalt Oellers aus Heinsberg ist 41 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. In einer zweiten Amtszeit würde er zwei Themen oben auf seine Agenda setzen: "Wir benötigen dringend einen Standort und damit mehr Präsenz der Bundespolizei im Kreis. Darüber hinaus gilt es, zur Verbesserung der Infrastruktur die Straßenbauprojekte zügig umzusetzen, auf deren Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan ich in den letzten Jahren hingewirkt habe."

Andere Themen möchte Spinrath setzen, sollte er wieder ins Parlament ziehen: "Ich will, dass auch wir im Kreis Heinsberg vom Strukturwandel im Rheinischen Revier profitieren. Wir brauchen mehr qualifizierte Arbeitsplätze - unbefristet in Festeinstellung mit guten Löhnen. Wir brauchen eine bessere Verkehrsinfrastruktur und bezahlbare Standard-Mietwohnungen durch kommunalen Wohnungsbau." Spinrath, der Europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion ist und früher Polizeibeamter war, ist 59 Jahre alt und wohnt in Geilenkirchen. Er findet, dass die "Zeit für mehr Gerechtigkeit" gekommen ist: "Deutschland ist sehr wohlhabend, aber der Wohlstand ist zu ungleich verteilt."

Quelle: RP
 
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