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Erkelenz
1925 ein Reichsminister aus Braunsrath

Erkelenz: 1925 ein Reichsminister aus Braunsrath
Links: Einzige Gesamtaufnahme des Kabinetts Luther anlässlich wichtiger politischer Besprechungen im Reichskanzler-Palais mit (sitzend v.l.) Dr. Stresemann (Äußeres), Dr. Luther (Reichskanzler), Schiele (Inneres), Frenken (Reichsjustiz) sowie (stehend v.l.) Graf Kanitz (Ernährung), Brauns (Reichsarbeit), Neuhaus (Reichswirtschaft), Stingl (Reichspost), Krohne (Reichsverkehr), FOTO: o.Ang.
Erkelenz. Dr. Josef Frenken war vor 90 Jahren Reichsminister für Justiz. Der Braunsrather war von Ebert ernannt worden und gab sein Amt unter von Hindenburg auf. Von Willi Spichartz

"Im Namen des Reiches. In Genehmigung seines Antrages entbinde ich den Reichsminister Dr. Josef Frenken von dem Amt des Reichsministers der Justiz und von der auftragsweisen Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete. Berlin, den 21. Nov. 1925. Der Reichspräsident gez. von Hindenburg, gez. Dr. Luther." So endete die politische Karriere des aus Braunsrath in der heutigen Gemeinde Waldfeucht gebürtigen Juristen Josef Frenken in der durch zahlreiche Regierungswechsel geprägten Weimarer Republik.

In gewisser Hinsicht kennzeichnen seine Ernennung zum Minister und seine Entlassung auch die personal-politische Situation der Weimarer Republik - seine Ernennung erfolgte nämlich am 18. Januar 1925 durch den sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, die Entlassung erfolgte neun Monate später durch den monarchistisch-antirepublikanisch gesinnten Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Ebert war im Februar 1925 gestorben, Hindenburg im April gewählt. Er übergab am 30. Januar 1933 die Macht an die Nationalsozialisten mit Adolf Hitler als Reichskanzler, die die Republik mit brutalster Gewalt in kurzer Zeit zerstörten.

"Sehr verehrter Herr Pastor! Unter allen Glückwünschen, die aus Anlaß meiner Ernennung zum Reichsminister der Justiz an mich gelangt sind, hat mich kaum einer so erfreut, wie der aus meiner Heimat Braunsrath. Ich danke darum recht herzlich und bitte, mir auch ferner ein gutes Andenken zu bewahren. Dr. Frenken." Damit bedankte sich Josef Frenken für die Glückwünsche aus der Heimat zu seiner Ernennung am 18. Januar 1925, die offenbar der Dorfpastor formuliert hatte.

Josef Frenken wurde am 27. September 1854 in der Braunsrather Ortslage Löcken als eines von 14 Kindern des Arztes Dr. Peter Frenken geboren, von denen neun direkt nach der Geburt verstarben. Nach dem Abitur studierte Josef Frenken Jura in Göttingen, Marburg und Bonn, wo er seine Studien mit der Promotion im Jahr 1878 beenden konnte.

Seine Karriere verlief bei der Staatsanwaltschaft in Köln ziemlich zügig, bis er 1899 ins Reichsjustizministerium berufen wurde. Bereits im Juli 1900 wurde er zum Geheimen Justizrat und Vortragenden Rat ernannt. 1913 wurde er Wirklicher Geheimer Oberjustizrat, kurz darauf Ministerialdirektor.

Dr. Josef Frenken galt als Experte für das rheinisch-französische Recht, ebenso hatte er sich große Erfahrung in der Bearbeitung politischer Angelegenheiten erarbeitet, die 1914 zur Berufung als Unterstaatssekretär für Justiz und Kultur im Ministerium für Elsass-Lothringen führten. Das Deutsche Reich hatte Elsass-Lothringen nach dem Krieg zwischen beiden Ländern 1870/71 annektiert. 1916 kehrte Josef Frenken als Oberlandesgerichtspräsident nach Köln zurück. 1922 trat er mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand.

Als dem Zentrum, der Partei des Katholizismus, nahe stehender Politiker berief ihn der parteilose Reichskanzler Dr. Hans Luther ins Kabinett. Den von Außenminister Gustav Stresemann mit den Sieger-Alliierten des Ersten Weltkriegs ausgehandelten Verträgen von Locarno, die Elsass-Lothringen Frankreich und Eupen-Malmedy Belgien angliederten, mochte Dr. Josef Frenken nicht zustimmen und gab seine Ämter zurück.

Dr. Josef Frenken aus Braunsrath-Löcken war der einzige Minister auf Reichsebene (auch Bundesebene) aus dem Gebiet des heutigen Kreises Heinsberg.

Quelle: RP
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