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Heinsberg
30 Jahre Engagement für aktuelle Kunst

Heinsberg: 30 Jahre Engagement für aktuelle Kunst
Ingrid Trantenroth-Scholz, Zweite Vorsitzende des Kunstvereins Region Heinsberg und Kuratorin, mit den Katalogen aus drei Jahrzehnten und der Einladung zur Jubiläumsschau. FOTO: Jürgen Laaser
Heinsberg. Der Kunstverein Region Heinsberg feiert am 23. August Jubiläum mit einer Ausstellung von Thomas Virnich. Von Angelika Hahn

Der Kunstverein Region Heinsberg wird 30 und feiert den runden Geburtstag bei seinem Sommerfest kommende Woche mit der Ausstellungseröffnung eines "Hochkaräters" der rheinischen Kunst-Szene: der in Mönchengladbach lebende Thomas Virnich, Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, zeigt Skulpturen unter dem Thema "Schalk im Kasten".

Virnich reiht sich ein in die Gruppe bekannter Namen, die mit der Kunstakademie Düsseldorf in Verbindung stehen, zu der der Kunstverein seit langem enge Beziehungen pflegt - auch dank der vom Vereinsmitglied (und früheren Akademiemitarbeiter) Reinhold Röser geknüpften Kontakte. So fanden Ex-Akademie-Leiter Tony Cragg und Günther Uecker ebenso den Weg nach Heinsberg wie Thomas Ruff, Markus Lüpertz, Fritz Schwegler oder Felix Droese.

Dabei träfe es nicht das Konzept des Vereins, würde man sich beim Rückblick nur auf die großen Namen konzentrieren. Denn ganz im Gegenteil dazu zählte von Anbeginn an die Förderung junger und noch nicht arrivierter Künstler zu den Aufgaben, denen sich der Verein verschrieben hat. "Das gilt bis heute", betont die Zweite Vorsitzende und Kuratorin Ingrid Trantenroth-Scholz, die zum RP-Gespräch auch Kataloge aus der Geschichte des Vereins mitgebracht hat.

Sie repräsentieren das breite Spektrum zeitgenössischer Kunstströmungen, das der Verein in jährlich fünf Ausstellungen vorstellt. Zum Jahresprogramm gehört stets je eine Schau aus den Bereichen Malerei, Plastik, Fotografie und Installation unterschiedlicher Stilrichtungen. Trantenroth-Scholz besucht die meisten Aussteller im Vorfeld und bereitet mit ihnen die Schauen im Horster Hof vor. Die Ausstellenden kommen aus ganz Deutschland und der Region.

Die Kuratorin, die selbst Grafik an der Folkwang Kunsthochschule in Essen studierte, später ein Pädagogik-Studium anfügte und bis zur Pensionierung viele Jahre als Kunsterzieherin am Wegberger Maximilian-Kolbe-Gymnasium arbeitete, freut sich über die Bekanntheit, die der Kunstverein Region Heinsberg in drei Jahrzehnten gewonnen hat. "Ein Zeichen dafür sind rund 50 Bewerbungen zu Ausstellungen, die uns mittlerweile alljährlich aus ganz Deutschland erreichen", sagt sie. Vorstand und Beirat haben damit die "Qual der Wahl" beim Sichten, freuen sich aber über den Zuspruch. Dass Künstler, die in früheren Jahren im Kunstverein ausstellten, heute in der Szene einen Namen haben, freut den Kunstverein. Etliche Künstler kamen wieder, auch Virnich war in den 1990er Jahren schon zu Gast in Heinsberg.

Die Entwicklung des Kunstvereins aus den Anfängen der engagierten "kleinen Fotogalerie" von Uwe und Gisela Piper an der Heinsberger Hochstraße ist imponierend. Beide scharten einige Kunstfreunde um sich, die 1985 einen Verein gründeten mit dem Ziel, "das Angebot künstlerischer Fotografie und zeitgenössischer Kunst in der Region HS" zu erweitern, wie Ehrenvorsitzender Hermann-Josef Geiser rückblickend beschreibt. Er nennt auch die "Pioniere" der Anfangsjahre, darunter neben den Pipers die Künstler und Kunstfreunde Walter Scheufen (Gründungsvorsitzender), Hartmut Mirbach, Karl-Heinz Schmidt, Reiner Nachtwey, Piet Siebig oder Hans-Martin Küsters. Und er stellt das ehrenamtliche Engagement der Gründer heraus, die von der Ausstellungskonzeption über die Herstellung der Kataloge im Selbstverlag bis hin zur Organisation des Putzdienstes alles gestemmt hätten.

Entspannung dann 1991 nach dem Umzug in neue Räume an der Hochstraße 11, als der Verein mit Norbert Schmalen vorübergehend einen ABM-Mitarbeiter beschäftigen konnte. Schmalen kehrt, so Ingrid Trantenroth-Scholz, als Redner der Jubiläums-Ausstellung nach Heinsberg zurück. Diesmal in den malerischen Horster Hof in Unterbruch, dessen heutige Ausstellungsräume dem Verein 1997 von den Besitzern und Vereinsmitgliedern, den Eheleuten Rosenbaum, zur Verfügung gestellt wurden. Maßgeblich daran beteiligt als Vorstandsmitglieder und Förderer waren Dr. Elmar Bongartz und Peter Gielkens, der bis heute aktiv im Team ist. Unmöglich, alle Engagierten aus 30 Jahren zu nennen.

"Moderne Kunst im wunderbaren Ambiente der denkmalgeschützten Hofanlage begeistert nach wie vor Aussteller und Besucher", sagt die Kuratorin. An der Ehrenamtlichkeit der Vereinsarbeit, die im Wesentlichen von den Beiträgen der 150 Vereinsmitglieder getragen wird, habe sich bis heute wenig geändert. "Deshalb suchen wir stets neue engagierte Teammitglieder und Sponsoren."

Quelle: RP
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