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Erkelenz
500 Jahre Reformation - total lokal

Erkelenz: 500 Jahre Reformation - total lokal
Jugendliche proben das Stück "Anders glauben" von Peter Schanz mit Pfarrer Robin Banerjee (r.). FOTO: Jürgen Laaser
Heinsberg. Ende Juni ist die Uraufführung des lokal-historischen Stückes "Anders glauben" von Peter Schanz in der evangelischen Kirche Schwanenberg. Für die jungen Schauspieler startet der Probenendspurt. Von Katrin Schelter

Aus einem hinteren Gebäudetrakt eines Schwanenberger Hofs erklingen laute Stimmen, hin und wieder ein Lachen. Der Hof dient zurzeit als kreative Werkstätte, in der hart gearbeitet wird - hier finden die Proben für das Stück "Anders glauben" des Schwanenberger Theaterprojekts unter Leitung von Pfarrer Robin Banerjee statt.

Das Schwanenberger Jugendtheater ist inzwischen ein unverkennbares Markenzeichen der Gemeinde und in der Region und weit darüber hinaus bekannt und beliebt. Doch dieses Mal ist alles ein bisschen anders, ein bisschen größer als in den Jahren zuvor. Denn gefeiert wird in diesem Jahr nicht nur der erste runde Geburtstag des Schwanenberger Theaterprojekts, sondern auch der 500. Jahrestag der Reformation - zu diesem doppelt wichtigen Anlass haben sich Robin Banerjee und seine schauspielerisch begabten "Schützlinge" etwas Großes vorgenommen.

"Anders glauben" ist als "Theater im Theater" mit drei verschiedenen Besetzungen ein spannendes und wertvolles Stück, das auf zwei Handlungsebenen mit essenziellen Fragen des Glaubens gespickt ist. In der Gegenwart reflektieren einige Jugendliche über den Glauben an sich und den Glauben, den sie leben. Gegenübergestellt wird diesen Fragen die Handlungsebene in der Vergangenheit - hier lässt die Theatergruppe jahrhundertealte Geschichte lebendig werden. Wie sah die Reformationsbewegung in ihrer Region aus? Die Jugendlichen versetzen sich in Rollen von Menschen, welche die Reformation vor 500 Jahren hautnah miterlebt haben, verkörpern unter anderen französische Flüchtlinge aus Randerath, Apokalyptiker, Lutheraner, Täufer, Müntzerianer und eine gespaltene Genhofer Familie. Das Stück wurde für die Gemeinde, den Evangelischen Kirchenkreis Jülich und die Evangelische Kirche im Rheinland eigens geschrieben - der für regionale Dramen bekannte Autor Peter Schanz verbrachte mehrere Wochen in Schwanenberg, um die historischen Hintergründe des Stückes zu recherchieren und sich zudem mit dem heutigen Religionsbezug der Jugendlichen auseinanderzusetzen. "Anders glauben" präsentiert sich als meisterliches Arbeitsergebnis eines "All-Stars-Teams": 43 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 30 Jahren proben wie berichtet mit Banerjee seit Dezember - alle sind sie Schauspieler der bisherigen Theaterproduktionen, die für dieses besondere Projekt noch einmal zusammengekommen sind.

Auf einer ausgeklügelten Bühneninstallation spielt sich ein Kampf ab, der für viele lange verblasst und vergessen scheint. Katholiken gegen Protestanten, Christenmenschen gegen Christenmenschen.

Die auf der Bühne dargestellten religiösen Streitgespräche sind und bleiben für die mitwirkenden evangelischen und katholischen Jugendlichen jedoch genau das: eine Darstellung, ein Schauspiel. Sie sind sich jedoch bewusst, dass die geschichtlichen Szenen, auch wenn sie der historischen Wahrheit entsprechen, für einige Zuschauer sehr aufwühlend sein könnten. "In Schwanenberg leben wir ganz selbstverständlich und freundschaftlich zusammen mit den umgebenden katholischen Gemeinden, aber das ist ja nicht überall so, anderswo könnte es noch immer Konflikte geben", sagt Anna Jäger. Es werde dem Publikum nahegehen, in diese von heftigen Auseinandersetzungen geprägte Zeit hineinversetzt zu werden, aber die Geschichte dürfe auch nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Im Mittelpunkt des Stückes steht nicht das Schaffen von Gräben, sondern das Überwinden ebendieser, was in dem gesamten Projekt auf vielfältigste Art und Weise widergespiegelt wird. Nicht nur in der Endszene, in der die Gemeinschaft in einem versöhnlichen Brückenbau zelebriert wird, sondern auch in allen Abläufen hinter den Kulissen. "Ich bin unsagbar stolz, dass diese 43 jungen Menschen jedes Mal auftauchen und über einen so langen Zeitraum beharrlich, konzentriert und motiviert mitarbeiten", sagt Pfarrer Robin Banerjee. Trotz der Mühe bleibt aber natürlich auch der Spaß nie außen vor - und gemeinsam mit dem Schwanenberger Kirchenchor, der die Theatergruppe während des Stückes gesanglich begleitet, entsteht hier ein bedeutsames Werk, das alle Generationen verbindet.

Quelle: RP
 
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