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Kreis Heinsberg
Altbier für Neulinge

Kreis Heinsberg. Mit einem Brau-Set aus dem Internet haben wir uns dem Lieblingsgetränk des Düsseldorfers auf praktische Weise genähert. Von Nicole Lange (Text) und Andreas Endermann (Fotos)

Puristen könnten, das räumen wir ein, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Gemäß lexikalischer Definition (hier: Wikipedia) bezeichnet "Alt" ein Bier, das nach alter, traditioneller Brauart hergestellt wurde. Und das Zusammenmixen einer im Internet bestellten Fertigmischung in einem großen gelben Plastikeimer dürfte in gewissem Umfang von jener althergebrachten Zubereitung abweichen, wie sie die Hausbrauereien seit Jahrhunderten pflegen. Das aber ist eine sehr nüchterne Betrachtungsweise, und nüchtern, da sind wir uns hoffentlich wieder einig, sollte es in einer Geschichte über Bier nicht zugehen. Emotional betrachtet ist es doch so: Wer sich auf diese praktische Weise dem Thema Altbier nähert, lernt manches über das Lieblingsgetränk des Düsseldorfers, auch wenn er nicht jeden einzelnen Schritt selbst macht. Das ist, sozusagen, gehopft wie gesprungen. So setzen bereits Vorfreude und ein gewisser Durst ein, wenn man in einem ersten Schritt die Ein-Kilo-Dose fertig gehopftes Bierwürzekonzentrat aus dem Päckchen des Versandhändlers nimmt, denn damit haben die Hersteller dem Anfänger einen großen Teil der Arbeit (der auch einige Fehlerquellen bereithält!) abgenommen, ohne ihm den Spaß am eigenen Altbier zu verderben. So wurde bereits das Braugetreide gemälzt, später geschrotet und bei genauer Temperaturkontrolle mit Wasser vermischt ("gemaischt"). Anschließend wurde der Hopfen zugegeben und so das Aroma des späteren Altbiers bestimmt. Für Fortgeschrittene gibt es übrigens auch Brau-Sets, bei denen der Hopfen selbst zugegeben werden darf, dann aber meist als Pellets und nicht in seiner natürlichen Form, wie sie viele Hausbrauereien verwenden.

Für Nutzer des Anfänger-Sets liegt die größte Hürde dagegen darin, einen funktionierenden Dosenöffner für das Würzekonzentrat bereitzuhalten, den sirupartigen Doseninhalt dann im warmen Wasserbad so zu verflüssigen, dass es sauber portionierbar ist - und diesen Prozess mit einem professionell-konzentrierten Gesichtsausdruck zu begleiten, immerhin ist man jetzt Altbier-Brauer, und das ist eine ernste Angelegenheit.

Wenn das Wasser fast sprudelt und einem aus der erwärmten Dose allmählich ein leichter malziger Geruch entgegen weht, ist es Zeit, die Konserve aus dem Topf und diesen vom Herd zu nehmen. Jetzt geben wir in den vorher sorgsam gespülten Eimer eine ordentliche Portion (600 Gramm strikt nach Rezeptvorgabe) der dickflüssigen Würze, die wir genüsslich von weit oben auf den Behälterboden laufen lassen. Anschließend kommt Zucker obendrauf, gemäß Rezept etwas weniger als von dem Sirup, aber natürlich von entscheidender Bedeutung - immerhin wird er später bei der Gärung fast vollständig zu Alkohol umgewandelt werden. Hm. Wir öffnen die Zuckertüte nach kurzem Zögern nochmals, die Weisheit, weniger sei mehr, muss ja nicht immer gelten.

Anschließend gießen wir das Ganze mit drei Litern kochendem Wasser auf, was schade ist, denn schon ist die sämige Herrlichkeit dahin. Dann wird kräftig umgerührt, mit einem großen Löffel und wachsender Begeisterung, zwischendurch mal gemäß Brau-Anleitung den Behälter seitlich kippen ("Stellen Sie sicher, dass kein Bodensatz mehr vorhanden ist") und ein bisschen schnuppern. Die Fastenzeit geht noch ein paar Tage, aber von der Aufnahme von Alkohol über die Atemwege ist nirgendwo die Rede. Am Ende wird der Behälter mit kaltem Wasser aufgefüllt bis zur Zehn-Liter-Marke, dann darf der Gärvorgang eingeleitet werden. Ehrfürchtig öffnen wir das kleine Tütchen mit obergäriger Brauhefe und lassen drei Gramm des Inhalts in den Eimer rieseln, so dass sie sich gleichmäßig auf der Oberfläche des Biersudes verteilen - und dann langsam absinken. Nochmals kräftig umrühren, dann den Deckel drauf. Aber nicht zu fest, warnt die Anleitung, die Kohlensäure muss entweichen können. Gelagert wird das Ganze bei Zimmertemperatur, und in vier bis acht Tagen darf das Jung-Bier mit noch mehr Zucker für die Nachgärung in kleinere Behälter abgefüllt werden. Wenn's klappt, liebe Puristen, maischen und hopfen wir das nächste Mal auch selbst.

Optimistisch gesprochen: Prost!

Quelle: RP
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