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Kreis Heinsberg
Amtsstube statt OP-Saal

Kreis Heinsberg. Heidrun Schößler lebt und liebt ihren Beruf als Ärztin. Sie ist die neue Leiterin des Kreisgesundheitsamts. In dieser Funktion mahnt sie eine Verbesserung der Impfrate an und fordert Jugendliche zu Vorsorgeuntersuchungen auf. Von Kurt Lehmkuhl

Die 50-jährige Heidrun Schößler kennt sich im Amt bestens aus. Bereits seit 2009 ist sie als Amtsärztin dort tätig. "Schon bei meinem Bewerbungsgespräch damals haben Dr. Feldhoff und ich festgestellt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge schwimmen." Ihre Einstellung war ein Glückfall für beide.

Dass sie einmal seine Nachfolgerin werden würde, daran hat sie keinen Gedanken verschwendet. Es hat sich jetzt so ergeben, und sie glaubt, dass im Kollegenkreis die Zustimmung für sie groß ist. "Kollegial" wolle sie das 69-köpfige Team führen, zu dem elf Ärzte und drei Zahnärzte gehören. Als Fachärztin für Chirurgie kam Heidrun Schößler, die im Harz geboren wurde, 2008 ins Rheinland, nachdem sie nach Stationen in Goslar und Salzgitter ans Städtische Krankenhaus nach Düren wechselte. Mit der Bewerbung auf die Amtsarztstelle in Heinsberg verbunden war für die Frau, die mit der 23-jährigen Tochter und dem Partner in Herzogenrath wohnt, ein Wechsel in der medizinischen Orientierung weg vom individuellen Patienten hin zum öffentlichen Gesundheitswesen. Statt Skalpell und OP-Saal bestimmen nunmehr Beratung, Begutachtung und Verbesserung des Gesundheitswesens den beruflichen Alltag. "Bunt und vielfältig" sei die Aufgabe einer Amtsärztin. Das fängt bei der schulärztlichen Untersuchung der Kindergartenkinder an, geht über die Begutachtung von Menschen, die berufsunfähig sein könnten, und endet längst nicht bei der Beratungstätigkeit bei Geschlechtskrankheiten.

Seit 2013 ist die Fachärztin für Chirurgie auch Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen. Doch schon seit Beginn ihrer Tätigkeit hatte sie Karl-Heinz Feldhoff in viele, auch grenzüberschreitende Projekte eingebunden, ob es nun bei der Adipositas-Problematik war, der seniorenfreundlichen Gemeinde oder der von ihr federführend gestalteten Jugendbefragung 2013, bei der rund 4000 Schüler kreisweit befragt und die Ergebnisse ausgewertet wurden. Groß war und ist ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe. Heidrun Schößler hatte bis zur Auflösung der Unterkunft die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Geilenkirchen verantwortet und es dabei nicht bei ihrer amtsärztlichen Verpflichtung belassen. Nach Dienstschluss und am Wochenende hat sie privat Sprechstunden für die Flüchtlinge durchgeführt und dort weitergemacht, wo sie im Dienst geendet hatte. "Ich liebe meinen Beruf", sagt sie dazu. Er ist auch ihr Hobby, für andere bleibt kein Platz. Und so ist die Freizeit ausgefüllt mit der Lektüre medizinischer Fachliteratur oder mit der Beschäftigung mit der Frage, wie die öffentliche Gesundheit weiter verbessert werden kann.

Heidrun Schößler ist keine Frau, die sich mit dem Ist-Zustand zufrieden gibt. Sie hat Visionen und Ziele, die sie im Kreisgesundheitsamt umsetzen will, und dabei möchte sie das unter ihrem Vorgänger Erreichte nicht in Frage stellen, sondern vielmehr darauf aufbauen. "Wir müssen uns um eine Verbesserung der Impfrate bei den jungen Erwachsenen und Senioren kümmern. Dort besteht Nachbesserungsbedarf", erklärt Schößler beispielsweise. Bei den Grundschülern liegt die Impfquote bei 95 Prozent, bei den anderen Altersgruppen sinkt sie laut Schößler rapide. Im Teenageralter lasse die Bereitschaft zu Impfungen nach, bei den Senioren seien Grippeschutzimpfungen und Impfungen gegen Lungenentzündungen angeraten. Besonders bei der Grippe unterlägen viele einem Irrtum, wenn sie glaubten, die Grippe sei eine Winterkrankheit. "Die Grippe kann einen auch in wärmeren Ländern erwischen, wenn man meint, dem nass-kalten Wetter hierzulande entgangen zu sein."

Ein zweites Ziel Schößlers ist die Vorsorgeuntersuchung bei Jugendlichen. Diese will das Kreisgesundheitsamt mehr bewerben. Was bei der Untersuchung von Neugeborenen die freiwillige Regel ist, sollte auch für die Jugendlichen gelten. "Mit 13 oder 14 Jahren wie auch mit 18 oder 19 Jahren sollten sich Jugendliche nochmals intensiv untersuchen lassen." Da könnten Erkrankungen, die sich ansonsten erst später bemerkbar machen, frühzeitig erkannt und behoben werden. Insbesondere Leistenbrüche und Wirbelsäulenerkrankungen seien nicht selten und würden "auf die lange Bank geschoben".

Schlussendlich will sich die neue Amtsleiterin auch dafür einsetzen, dass das 2015 verabschiedete Präventionsgesetz schnellstmöglich umgesetzt wird. "Wir müssen alle Beteiligten einbinden", wünscht sie. Gesundheit ist für Heidrun Schößler keine individuelle Angelegenheit, Gesundheit geht alle an, und alle sollten dazu beitragen, dass die Gesundheit erhalten bleibt und verbessert wird, beim Einzelnen ebenso wie in der Gesellschaft, denn ein Einzelfall kann schnell zu einem Ansteckungsfall für viele werden, betont die Ärztin.

Quelle: RP
 
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