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Heinsberg/Wassenberg
Asylbewerber vor Netto beleidigt und geschlagen

Heinsberg/Wassenberg. Zweiter Verhandlungstag zu den Übergriffen auf Asylbewerber: Zeugen schildern Vorfälle im Dezember 2014. Von Angelika Hahn

Beim Prozess zu den fremdenfeindlich motivierten Übergriffen von fünf heute 18- und 19-jährigen jungen Männern auf Asylbewerber in Wassenberg ging es gestern, am zweiten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Heinsberg, um Vorfälle am 17. und 18. Dezember 2014 vor dem Wassenberger Netto-Markt und am Busbahnhof. Den Angeklagten W. und C. wird in diesem Zusammenhang gefährliche Körperverletzung und Bedrohung vorgeworfen.

Drei in Wassenberg lebende Asylbewerber waren als Zeugen geladen. Zu Beginn hatte sich Angeklagter C. von der Richterin eine Warnung anhören müssen: Sollte er, wie am ersten Verhandlungstag, noch einmal den Mittelfinger zeigen oder lachen, könne das als "ungebührlich dem Gericht gegenüber" geahndet werden - mit bis zu einer Woche Haft .

Der hauptgeschädigte Zeuge B.D. (Jahrgang 1987) gehörte am 17. Dezember zu einer Gruppe von Asylbewerbern, die gemeinsam zum Einkaufen zum Netto-Markt an der Erkelenzer Straße gekommen waren. Der Afrikaner berichtete von Beleidigungen durch die beiden Angeklagten ("Schwarze gehören nicht nach Deutschland", "Arschloch" etc.), als er aus dem Markt kam. "Der Jüngere" - später stellte sich heraus, dass es wohl der mit einem Schal maskierte Angeklagte W. gewesen ist - habe ihn mit aller Kraft gegen die Brust geschlagen. Als er mit dem Handy die Polizei rufen wollte, habe ihm W. das Handy aus der Hand geschlagen und noch einmal zugeschlagen. Die "zweite Person", Angeklagter C., habe ihn ebenfalls an der Schulter getroffen. Der Zeuge floh in den Supermarkt, wohin ihn W. verfolgt und erneut geschlagen habe "immer im Nacken, ich habe bis heute Schmerzen". Eine Marktmitarbeiterin habe dann die Polizei alarmiert. Als diese eintraf, hatten sich die Angreifer bereits aus dem Staub gemacht.

Der Zeuge bestritt die Aussage des Angeklagten W. vom ersten Verhandlungstag, B.D. selbst habe mit Steinen geworfen und sich aggressiv verhalten. Schon Tage vorher sei man am Busbahnhof verbal aneinandergeraten, berichtete der Asylbewerber, C. habe ihm auf die Schuhe gespuckt, ihn beschimpft, er fürchtete Schläge. Ein Tag nach dem Netto-Vorfall habe man sich am Busbahnhof wiedergetroffen, W., erneut in Begleitung von C., habe bedrohlich ein Messer in der Hand gehalten, als der Zeuge in den Bus einstieg.

Der zweite Zeuge M.D. (28) bestätigte die Aussagen seines Begleiters nicht in allen Details: Den Streit vor dem Markt schilderte er ähnlich, er habe aber nicht gesehen, ob B.D. auf seiner Flucht in den Markt noch einmal geschlagen worden sei, auch habe sich Zeuge B.D. "mit irgendetwas, das er aufgehoben und geworfen hat", selbst zur Wehr gesetzt. Ob dies, wie am ersten Prozesstag erwähnt, Steine waren, ließ er offen. Bei der Begegnung an der Bushaltestelle tags drauf habe er Angst gehabt, aber kein Messer (des Angeklagten W.) in der Dunkelheit wahrnehmen können.

Zeuge S.V. (30), der mit zur Dreiergruppe der Asylbewerber gehörte, bestätigte die verbalen Provokationen der Angeklagten und die Schlägerei, betonte aber auch, Zeuge B.D. habe zurückgeschlagen.

Der Prozess wird am 18. März fortgesetzt. Ein Urteil wird für Mitte April erwartet.

Quelle: RP
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