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Belgische Atomkraftwerke
Heinsberg und Aachen wollen Jod-Tabletten gegen Strahlung ausgeben

Atomkraft: Heinsberg und Aachen wollen Jodtabletten gegen Strahlung ausgeben
Das Atomkraft Tihange steht seit Jahren in der Kritik FOTO: dpa, obe fdt
Kreis Heinsberg. Nach der Ankündigung Belgiens, bald Jod-Tabletten zum Schutz vor radioaktiver Strahlung an die Bevölkerung auszuteilen, wird nun auch in Deutschland der Ruf nach Vorsorge laut. 

Belgien plant, im nächsten Jahr vorsorglich Jod-Tabletten zum Schutz vor radioaktiver Strahlung an alle Bürger im Umkreis von 100 Kilometern um ein Atomkraftwerk auszuteilen. Bisher werden die Tabletten nur in einem Umkreis von 20 Kilometern ausgegeben.

Das am Donnerstag bekannt gewordene Vorhaben vergrößert auf deutscher Seite die Sorge über die mangelnde Sicherheit der belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel, bei denen es mehrfach zu Störfällen kam.

Video: Was tun bei einer Atomkatastrophe? Aachener präsentiert Notfallplan

So will der Aaachener Städteregionsrat Helmut Etschenberg NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) bitten, der Verteilung der bereits eingelagerten Tabletten an alle bis 45 Jahre alten Einwohner zuzustimmen. Die Altersbegrenzung gilt laut Bundesumweltministerium aus gesundheitlichen Gründen. Erwachsene älter als 45 Jahre sollten demnach keine Jodtabletten einnehmen. Mit steigendem Alter treten häufiger Stoffwechselstörungen der Schilddrüse auf, die zu Nebenwirkungen bei der Einnahme führen können. Zudem nehme mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit ab, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, der durch die Strahlung verursacht wird. 

Die belgische Entscheidung bestätige die Sorgen im Raum Aachen. "Offensichtlich gibt es nun auch auf belgischer Seite erhebliche Vorbehalte, was die Sicherheit der Kraftwerksblöcke betrifft." 

Wie man sich auf den Ernstfall vorbereitet FOTO: Christoph Reichwein

Auch der Landrat des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch (CDU), bat umgehend in einem Schreiben an Jäger um Zustimmung, "dem belgischen Beispiel zu folgen und die im Eigentum des Landes stehenden Jodtabletten auch an die Bürger im Kreis Heinsberg zu verteilen".

Der Kreis hat derzeit 440.000 dieser Tabletten zentral eingelagert. Aufgrund der Entfernung des Kreises Heinsberg zu den belgischen Reaktoren sei das Gefährdungspotenzial für die Bürger im Kreis Heinsberg und der gesamten Region mindestens genauso hoch wie in Belgien, heißt es in Puschs Schreiben.

Jäger hält allerdings nichts von einer Vorabverteilung von Jod-Tabletten. Im Ernstfall wüssten die Menschen möglicherweise nicht, wo die Tabletten seien. Zudem müssten sie zu einem bestimmten Zeitpunkt eingenommen werden, um zu wirken, sagte der Innenminister der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Meinung der Umweltschutzorganisation Greenpeace schützen Jodtabletten etwa so gut vor einem Reaktorunfall, "wie ein Cocktailschirmchen vor einem Wolkenbruch". Die Nachricht unterstreiche erneut, wie ernst die Nachbarländer die Gefahr durch marode belgische Atommeiler nehmen müssten. Belgien sollte aus der Atomkraft aussteigen.

(aha)
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