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Heinsberg
Aufgebrochene Räume und Schalkhaftes

Heinsberg: Aufgebrochene Räume und Schalkhaftes
Künstler Thomas Virnich (links) und Dr. Dirk Rosenbaum (rechts), Inhaber des Horster Hofes, vor der Bronzeplastik einer in wellenform verfremdeten Stadtmauer. FOTO: Jörg Knappe
Heinsberg. Mit einem Fest wurde die Ausstellung von Thomas Virnich im Horster Hof eröffnet. Doppelbödiger Titel: Schalk im Kasten. Von Stefanie Mosburger-Dalz

Seit 1985 bereichert das Programm des Kunstvereins Region Heinsberg, der als kleine Fotogalerie begann und nun sein Domizil im Horster Hof in Unterbruch hat, mit etwa acht Ausstellungen im Jahr das kulturelle Leben der Region. Er hat sich die Förderung junger zeitgenössischer Kunst zur Aufgabe gemacht und kann auf wichtige Ausstellungen mit richtungsweisenden Künstlern zurückblicken, dank der Arbeit und des Engagements seiner Mitglieder und Förderer.

Zu seinem 30-jährigen Bestehen hat der Kunstverein den Ausnahmekünstler Thomas Virnich für eine Ausstellung unter dem Titel "Schalk im Kasten" gewonnen. Virnich, so erläuterte sein Weggefährte Norbert Schmalen in seiner Einführungsrede, war schon mit 30 Jahren ein wichtiger Bildhauer, der die zeitgenössische deutsche Skulptur stark geprägt hat. Und wahrhaftig, die Ausstellung im Horster Hof gibt einen kleinen Einblick in den künstlerischen Kosmos, den Virnich geschaffen hat.

Seine narrativen Arbeiten loten den Gegenstand im Raum aus. Sie durchleuchten die Zwischenräume, die durch die Materie geschaffen werden, als skulpturale Möglichkeiten. Er arbeitet mit Umschließungen, Klappungen, Ausbuchtungen, Einbettungen und erzählt damit von den Funktionen und potenziellen Möglichkeiten der Objekte und ihren jeweiligen Zuständen - etwa gepackt, entkernt, verschachtelt, zerlegt, zusammengefügt.

Was so organisch und scheinbar einfach geformt oder zusammengeklittert erscheint, entpuppt sich als Konstrukt mit genauem Formschluss, das liebevoll und detailreich bis ins Innerste analysiert, auseinander und wieder zusammengegliedert ist. So werden Räume aufgebrochen und in ihr Gegenteil verkehrt, Formen werden so sichtbar und materiell, die den Abstand zwischen den Figuren bezeichnen. Für die Ausstellung in Heinsberg hat Virnich 15 Objekte bzw. Objektserien ausgewählt. Den Titel gaben seine Schalkfiguren: geknetete Keramikfiguren, die aufwendig mehrfach gebrannt und oberflächenbehandelt sind (glasiert, bronziert, eloxiert) und für die liebevoll Kästen geschaffen wurden, die ihre Position im Kasten durch das Innenleben der aufklappbaren kunstvollen Behältnisse sichtbar machen. So auch kleine Schalkfiguren und ihre Kästen für die Edition, die der Verein zu jeder Ausstellung anbietet. Man sieht aufgebrochene Räume, etwa den Berliner Dom als Wendeltreppe, oder Objekte wie ein elfteiliges Schiff im wellenförmigen Futteral oder eine hängende Flugzeugplastik aus Bronze, die die Erfahrung von leicht und schwer auf den Kopf stellt.

Berührend ist die Plastik einer Weltkugel aus Kupferblech, die der Künstler, der Gefundenes und Umgewidmetes seit jeher in seinen Objekten verarbeitet, aus einem Schießstandblech mit Einschusslöchern geschaffen hat. Sozusagen eine verletzte Hülle einer verletzlichen Welt.

Bei strahlendem Sonnenschein konnten die Besucher, Kunstsammler, Freunde und Galeristen im Horster Hof feiern, mit dem Künstler in Austausch treten, essen und trinken und der Musik der Band Wassenjazz lauschen.

Quelle: RP
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