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Kreis Heinsberg
Bauern rücken sich ins rechte Licht

Kreis Heinsberg. Erntedank feierte die Kreisbauernschaft mit Landfrauen in der Stadthalle Heinsberg. Sorgen der Bauern: Trockenheit, Sinkflug der Preise, fehlende Wertschätzung der Arbeit. Landwirte gehen in die Offensive und zeigen, was sie leisten. Von Gabi Laue

Dank für die Lebensmittel und Dank an jene, die sie produzieren - das ist Sinn des Erntedankfestes, das die Kreisbauernschaft im zweijährigen Turnus feiert. Finanznöte bis zur Existenzbedrohung und Vorurteile in der Öffentlichkeit sind jedoch Sorgen, so machten die Reden zum Tage deutlich, die den Bauern die eigentlich tief empfundene Freude am Beruf vergällen. Durch Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit wollen die Landwirte an ihrem Image und dem Verständnis der Verbraucher arbeiten.

"Die Äpfel im Supermarkt kommen aus Chile statt von heimischen Obstwiesen, Knoblauch aus China. Mit aberwitzigen Transportwegen geht das auf Kosten geschädigter Ökosysteme" - Heinsbergs Vizebürgermeister Albert Heitzer prangerte die Schnäppchen-Mentalität beim Einkaufen an und plädierte für einen angemessenen Milchpreis.

"In diesem Jahr steht die Ernte für viele Bäuerinnen und Bauern unter besonders schwierigen Vorzeichen", unterstrich Kreisbauernvorsitzender Bernhard Contzen. In der trockenen Saison falle die Ernte enttäuschend aus. Preise erlebten eine Talfahrt "mit historischen Ausmaßen. An Getreide- und Milchpreisen wie vor 50 Jahren kann niemand Interesse haben". Vielfach beherrsche Existenzangst statt Zuversicht den Blick in die Zukunft: Erlöse deckten oft nicht mal mehr die Produktionskosten. Schlimmer noch wurmt die Bauern fehlende Anerkennung, sie hätten nicht nur mit Widernissen des Wetters, sondern mit Anfeindungen in der Gesellschaft zu kämpfen, so Contzen. Doch: "Ohne gesellschaftliche Anerkennung und finanzielle Honorierung fehlt der nötige Anreiz, tagtäglich Leistung für beste Qualitäten zu erbringen, in Tier- und Verbraucherschutz zu investieren und Innovationen zu wagen." Der Kreisbauernvorsitzende sprach von einer Lücke zwischen Verbraucherwünschen und der Bereitschaft, für höhere Umweltstandards und mehr Tierwohl zu bezahlen. "Was wir tun, wird nicht wertgeschätzt", stellte er fest, und das bedrücke Bauern mehr als die angespannte finanzielle Situation.

Weite Teile der Gesellschaft hätten keine Vorstellung davon, wie es in den Betrieben aussieht. Gegen Unwissenheit und Vorurteile will die Kreisbauernschaft mit Aktionen wie der Höfetour und Öffentlichkeitsarbeit gegensteuern, erklären, wie Landwirtschaft funktioniert, ohne ein romantisch verklärtes Bild zu zeichnen. "Wir erklären selbstbewusst, was Landwirtschaft ist: ein wichtiger unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft", so Contzen.

Bei einigen Höfen wird's eng mit der Liquidität. "Ich kenne Betriebe, die jeden Monat Tausende aus ihrer Sparbüchse nehmen." Dennoch sei Bauer "einer der schönsten Berufe, die es in Deutschland gibt", versicherte der Landwirt aus Gangelt. "Landwirt wird man aus Berufung. Dafür muss man ein Gefühl haben, wie die Erde lebt, wie die Pflanzen und Tiere leben".

Quelle: RP
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