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Kreis Heinsberg
Begas-Bild zum aktuellen Thema Flucht

Kreis Heinsberg: Begas-Bild zum aktuellen Thema Flucht
Der Linderner Geschichtsautor Heiner Coenen erläuterte im Begas Haus das Gemälde "Der Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. und den Kronprinzen Friedrich". FOTO: Knappe
Kreis Heinsberg. Migration war schon immer ein Thema. Oscar Begas hat die Flucht von Salzburger Protestanten nach Preußen zum Thema eines Gemäldes gemacht. Von Willi Spichartz

Dass der Migrationsbegriff "Flüchtlinge" von der Gesellschaft für Deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2015 bestimmt wurde, wundert sicher nicht. Aber die Genesis des Menschen ist eine einzige Migration - von seiner Entstehung in Ostafrika vor mehr als zwei Millionen Jahren über die ganze Erdkugel. Das Kunstschaffen des Menschen ist wesentlich jünger, befasst sich häufig mit Migration. Der Linderner Geschichtsautor Heiner Coenen machte dies kürzlich bei einer Besucherveranstaltung deutlich an einem Bild im Begas Haus in Heinsberg über die "Salzburger Protestanten".

In seinem Vortrag "Migration am Beispiel von Oscar Begas' Bild 'Der Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. und den Kronprinzen Friedrich zu Potsdam im Jahre 1732'" arbeitete Coenen auch bildlich einen Aspekt religiös erzwungener Auswanderung aus dem katholischen Salzburg ins protestantische Preußen heraus.

Oscar Begas war der älteste Sohn von Carl Joseph Begas, dem in Heinsberg 1794 geborenen Maler, der in Berlin zum Hofmaler des Königshauses und Begründer einer Künstlerdynastie wurde. Historien-Genrebilder hatten zur Mitte des 19. Jahrhunderts gute Marktchancen, Oscar Begas' Werk entstand 1862 und zeigt König und Kronprinz Friedrich (d. Große) in Potsdam mit Salzburger Protestanten. Die 20.000 Personen zählende Gruppe war unter Bruch des Westfälischen Friedensvertrags von 1648 vom katholischen Erzbischof 1731 aus Salzburg ausgewiesen worden und durch Europa geirrt.

Der Preußenkönig hatte am 2. Februar 1732 das "Einladungspatent" für sie erlassen, um von ihnen die Wiederbesiedlung des durch die Pest entvölkerten Kronlands Ostpreußen vornehmen zu lassen. Auch für diesen Teil erwies sich der pensionierte Studiendirektor Heiner Coenen als Experte, der seit Jahrzehnten über Ostpreußen forscht und schreibt, jährlich Studienreisen in den russischen und polnischen Teil der östlichen Landschaft organisiert, die auch für viele im Westen Sehnsuchts-Ziel-Charakter hat.

Für die Salzburger vor 300 Jahren allemal, allein rund 16.000 von ihnen siedelten in und um Gumbinnen nahe Litauen, aus dem 200 Jahre später zahlreiche Bewohner nach Hückelhoven zur Zeche Sophia-Jacoba kamen. Migration wechselt ihre Richtung schon mal.

Heute noch zeugt die genutzte Salzburger Kirche in der russisch Gussew heißenden Stadt von Immigration. 1945 mussten die Deutschen Ostpreußen dem Potsdamer Abkommen zufolge verlassen.

Heiner Coenen wertete vor einem guten Dutzend Interessenten Begas' 1,52 mal 1,15 Meter großes Ölbild (auf Leinwand) "als großartiges Zeugnis" zum Thema Flucht und Migration. Salzburger Bauern und Handwerker mit Frauen und Kindern ("Exulanten") verbeugen sich dankbar vor dem König, der versprach "Ihr sollt es gut bei mir haben".

Quelle: RP
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