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Heinsberg
Begas Haus hofft auf Marketing-Gelder

Heinsberg: Begas Haus hofft auf Marketing-Gelder
Museumsleiterin Dr. Rita-Müllejans-Dickmann erläutert Besuchern die Schau zur Künstler-Familie Begas. Als "Stammvater" gilt der in Heinsberg geborene und in Berlin zu internationalem Ruhm gelangte königlich-preußische Hofmaler und Akademieprofessor Carl Joseph Begas(se) d. Ä. (1794-1854). FOTO: Laaser (Archiv)
Heinsberg. Nur 3000 Besucher kamen 2015, ein Jahr nach der Neueröffnung des früheren Kreismuseums als Begas Haus, ins Museum. Nicht nur die Stellenstreichung wirkte sich aus. Dem Haus fehlt ein Budget für Marketing. Hoffen aufs Land. Von Angelika Hahn

"Ein Museum erfindet sich neu" - unter diesem Motto eröffnete das Begas Haus als "Museum für Kunst und Regionalgeschichte" seine Pforten im März 2014 nach knapp vierjähriger Schließung. Das biedere Kreismuseum war früher - ein komplett neues Konzept, ausgehend von der Künstlerdynastie Begas (Maler und Bildhauer) mit ihren Wurzeln in Heinsberg, wurde präsentiert zur Neueröffnung des um Haus Lennartz erweiterten Gebäudekomplexes an der Heinsberger Hochstraße.

Ein Konzept, das mit seinen zeitgemäß neuen medialen Vermittlungsformen im Eröffnungsjahr über die Region hinaus Beachtung fand und rund 7500 Besucher anzog. Jetzt berichtete Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans im Kreis-Kulturausschuss von nur noch rund 3000 Besuchern im vergangenen Jahr.

Das Werk der Begas' umspannt die Epoche zwischen Aufklärung, Romantik und Biedermeier bis zur Wilhelminischen Kaiserzeit. Blick in die Gemäldegalerie. FOTO: Laaser, Jürgen (jl)

Aber das liegt offensichtlich nicht nur an der vergangenen "Neulust" der Besucher, sondern hat wohl auch mit der finanziellen Fehlkalkulation zu tun, die bekanntlich Mitte 2015 offenkundig wurde und eine Deckungslücke von 300.000 Euro für die Jahre 2014 bis 2016 deutlich machte.

Landrat Stephan Pusch als Vorsitzender des Trägervereins aus Kreis und Stadt Heinsberg sprach damals offen von einem "Denkfehler" bei der Einschätzung der Trägeranteile und Folgekosten. Zur Neujustierung gehörte kurz darauf die Entlassung von Museumskustos Wolfgang Cortjaens - was die Museumsarbeit nicht einfacher machte, wie die Museumsleiterin jetzt im RP-Gespräch zugab.

Nicht nur aus diesem Grund, auch wegen einer Erkrankung, die Müllejans-Dickmann selbst ein halbes Jahr außer Gefecht setzte, konnten 2015 nur zwei von ursprünglich vier geplanten Wechselausstellungen stattfinden, die erfahrungsgemäß stets zusätzliche Besucher ins Museum locken, wie Müllejans erläuterte, die im Ausschuss einen Arbeitsbericht abgab. Als erfolgreich bezeichnet Müllejans-Dickmann die Sonderausstellung "Heimatfront" mit Dokumenten von Teilnehmern des Ersten Weltkriegs 2015 und vor allem auch die aktuelle Schau über die Geschichte der Oberbrucher Glanzstoff-Fabrik.

Auch beteiligte sich das Begas Haus am Kulturrucksack-Projekt für Kinder und dem Internationalen Museumstag, lud zu einer Schaurestauration ein sowie zu 15 Sonntagsführungen mit insgesamt 356 Personen und begleitete 85 angemeldete Gruppen mit 488 Personen durch die Ausstellungen.

Die Museumsleiterin will die Besucherzahl natürlich steigern, wenngleich ihr Qualität vor Quantität geht und das ursprünglich gesetzte Ziel von rund 10.000 Besuchern jährlich unter den aktuellen Voraussetzungen - personell wie finanziell - utopisch erscheint. "Unser Problem ist, dass wir null Budget für Marketing haben", sagt Müllejans. Sie hofft, dass die Zusammenarbeit mit dem künftig in die Wirtschafts-Förderungsgesellschaft (WFG) integrierten Heinsberger Tourist-Service (HTS) Früchte trägt. Ein Antrag auf Förderung des Museumsmarketings aus einem NRW-"Topf" für "Kultur im ländlichen Raum" soll auf den Weg gebracht werden. Auch setzt die Museumsleiterin auf das kommende neue Touristikkonzept für den Kreis, das das Begas Haus als eine Art kulturellen Leuchtturm einbinden soll.

Aber sie weiß auch, dass sie allein auf einer 75-Prozent-Stelle als Leiterin mit einer Mitarbeiterin an zwei Tagen in der Woche keine vier Sonderausstellungen im Jahr wird stemmen können. An personelle Grenzen stößt auch die von Müllejans-Dickmann für sehr wichtig gehaltene Arbeit mit Schulen und Kindern. "Wir haben alle Grundschulen angeschrieben, sinnvoll wäre etwa eine Lehrerfortbildung im Museum", sagt sie.

Immerhin: Trotz der personellen Enge konnte der Museumsführer für Kinder, eine Herzensangelegenheit der Museumsleiterin, jetzt fertiggestellt werden. Nächste Woche wird er vorgestellt. Worte zur Woche: Seite D 5

Quelle: RP
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