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Hückelhoven/Heinsberg
Begeisternder Klavierabend im Rondell

Hückelhoven/Heinsberg. Klavierstücke von Robert und Clara Schumann, eindrucksvoll interpretiert von Severin von Eckardstein. Von Willi Spichartz

"Einen derartigen Pianisten habe ich seit mindestens zehn Jahren nicht mehr live erlebt!" Den Satz aus dem Mund von Theo Krings als Leiter der Jugendmusikschule Heinsberg hätten die gut 100 Musikfreunde im Konzertsälchen "Rondell" in der Kreisstadt blind unterschrieben.

Und mehr als bestätigt fühlte sich vom jungen Pianisten Severin von Eckardstein auch Rudolf Lengersdorf vom Hückelhovener Verein für Kammermusik "con brio", der die Idee zur Verpflichtung des Musikers und der gemeinsamen Organisation des Konzerts hatte.

Der gebürtige Düsseldorfer Severin von Eckardstein hatte ein Programm des in seinen letzten Schaffensjahren in der heutigen NRW-Hauptstadt mit seiner Ehefrau Clara wirkenden Komponisten Robert Schumann zusammengestellt, das vor allem auf die Romantik des 19. Jahrhunderts Bezug nahm. Von Eckardstein stellte mit einer ganzen Reihe von Fantasien aus Opus 11 und 12 wie auch der Fantasie in C-Dur von Robert und der Romanze in As-Dur und Andante von Clara Schumann die ganze Breite des Schaffens des Künstlerehepaars so beeindruckend vor, dass der Schlussbeifall kaum enden wollte, der Pianist sich wiederum mit zwei Zugaben bedankte.

Gleichsam lehrhaft konnten die Hörer das Schaffen Robert Schumanns bereits in den drei als "schwer" eingestuften Fantasiestücken aus Opus 111 verfolgen: "sehr rasch, mit leidenschaftlichem Vortrag", "ziemlich langsam" und "kräftig und sehr markiert" lauten die Anweisungen des Komponisten. Voller Raumklang, romantisch-sinnend, kennzeichnet das große Klanggemälde - Markierungspunkte für den Vortrag vor gebanntem Publikum. Noch breiter die acht Teile der "Fantasiestücke op. 12", die auch von den Titeln her literarisch die Romantik kennzeichnen.

Als Beispiele dafür "Des Abends" romantisch, der "Aufschwung" dynamisch, "Warum?" nachdenklich-fragend, "In der Nacht" perlend-rauschend, die "Fabel" träumerisch, "Traumes Wirren" flirrend-flott. "Das Ende vom Lied" orientierte sich fallenlassend auf die Konzertpause.

Der anhaltende Beifall ließ da schon fürs Konzertende Zugabeforderungen erwarten. Die zweite Hälfte des Konzerts begann der 38-jährige Pianist Severin von Eckardstein mit den kongenialen Kompositionen "Romanze As-Dur, op. 11/3" und dem "Andante" von Robert Schumanns Ehefrau Clara, die ihr Verständnis von Romantik über den Mann am Flügel prägend deutlich machen konnte.

Mit der "Fantasie C-Dur, op. 17" setzte von Eckardstein einen markanten Schlussakzent, dessen letzter Ton schwebend verklang. Als echter Schumann die erste Zugabe mit "Albumblättern op. 124", kurz, furios und walzerhaft. Das Instrumenten-Klang-Ende dann mit einer der "12 Etudes" aus Opus 8 des Russen Alexander Scriabin, die 1894 entstanden sind. Dann rauschte der Schlussbeifall durch das akustisch gut geeignete "Rondell" der Heinsberger Jugendmusikschule.

Quelle: RP
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