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Daniel Wirtz
Die Fans haben am "Best of" mitgestrickt

Daniel Wirtz: Die Fans haben am "Best of" mitgestrickt
Daniel Wirtz rockte mit seiner Band im vergangenen Juli den Heinsberger Burgberg. Wird es bald wieder ein Heimspiel geben? FOTO: JÜRGEN LAASER (ARCHIV)
Erkelenz. Der aus Heinsberg stammende Rockmusiker feiert derzeit Zehnjähriges der "Marke" Wirtz mit einer Konzertreihe, Best-of-CD und einer neuen "Wirtz Haus"-Staffel bei VOX. Gespräch über Unabhängigkeit, den TV-"Tanker" und die Heimat Heinsberg.

Sie feiern zehn Jahre die eigenständige Marke Wirtz. Eine Erfolgsgeschichte? Gab es Anlaufschwierigkeiten und Rückschläge?

Daniel Wirtz Zum Glück ging es von Anfang an stetig bergauf, es gab in der Entwicklung keine Dellen. Das war aber auch notwendig, denn wir sind ein kleines Zwei-Mann-Unternehmen (Partner ist Produzent Matthias Hoffmann; die Red.) und bezahlen unsere Produktionen mit unserem eigenen Geld. Wäre ein Album komplett nach hinten los gegangen, hätte es das folgende wahrscheinlich gar nicht mehr gegeben. Jetzt sind wir aber in einer Sphäre gelandet, wo man etwas entspannter auch schon mal etwas weiter als bis zur kommenden Woche planen kann. Was wir aber immer wieder gemerkt haben war, dass es im Musikbusiness für kleine, unabhängige Acts, wie wir immer waren, natürliche Grenzen gibt, die man nicht ohne Hilfe eines großen Konzerns im Rücken überspringen kann. Wenn man alleine versucht, etwas aufzubauen, gibt es in der Industrie nur ganz wenige, die dir helfen können und wollen. Das hat schon manchmal für Frust gesorgt, aber wir hatten schon immer eine Basis, auf der wir auf eigenen Beinen gut stehen konnten. Also: Alles gut!

Zum Zehnjährigen ist gerade ein "Best of"-Album erschienen - mit zwei neuen Stücken. Nach welchen Kriterien erfolgte die Songauswahl - Bestseller oder Lieblingsstücke?

Wirtz 19 Songs - mehr gingen beim besten Willen nicht auf die CD - auszuwählen, fühlte sich an, als hätte man die anderen 50 geliebten Kinder verstoßen. Es war schmerzhaft. Wir haben also die Wirtz-Fans befragt, was für sie die Essenz von Wirtz ist. Da hat sich herauskristallisiert, wofür Wirtz da draußen steht. Dann haben wir das Stimmungsbild einfach eingetütet und noch mal mit unseren persönlichen "Must Haves" abgeglichen. Hat gepasst!

Ab 15. Mai geht es auf eine Tournee mit zehn Stationen, alle Konzerte, bis auf Frankfurt am Ende, sind schon ausverkauft. Welches Programm erwartet die Fans?

Wirtz Es wird tatsächlich eine Zeitreise werden, auf der wir zehn Jahre Wirtz abfeiern, von Tag 1 bis morgen, denn wir haben ja auch schon Material vom kommenden Album im Gepäck. Ich freue mich sehr drauf!

Die Vox-Sendung "Sing meinen Song" vor zwei Jahren brachte für Sie einen Bekanntheits-Schub. Was hat sich seitdem für "Wirtz" verändert?

Wirtz Wie schon gesagt, es ging immer in soliden Schritten vorwärts für uns, aber mit der Sendung gab's dann auf einmal einen echten Sprung, und es sind ein paar Türen aufgegangen, die vorher immer verrammelt waren, wenn wir angeklopft haben. Xavier Naidoo hat uns einer großen Menge Musikfans vorgestellt - und es war natürlich eine kleine Genugtuung, dass wir auf einmal mit allen Alben in den Top 40 standen. Menschlich hat es mir 100.000 spannende Erinnerungen gebracht und viele Kollegen, die zu Freunden geworden sind. Das ist eine grandiose Bilanz für zwei Wochen Urlaub in Südafrika (lacht).

Ihr eigenes TV-Format bei Vox "Blind Date im Wirtz Haus - One Night Song" folgte. In der neuen Staffel gehören Max Mutzke, Wolfgang Niedecken und die Band Glasperlenspiel zu den Überraschungsgästen, mit denen Sie in einer Nacht einen gemeinsamen Song auftrittsreif "einstudieren" mussten. Wegen angeblich zu geringer Einschaltquote ist das Format nun aber nach einer Sendung erst mal aus dem Programm genommen worden. Macht Ihnen solches Auf und Ab im Fernsehgeschäft Kopfzerbrechen?

Wirtz Ich bin ja vor allem Musiker, Kopfzerbrechen würde es mir bereiten, wenn niemand mehr zu meinen Konzerten kommen würde. Uns war klar, dass WIRTZ im TV-Bereich kein Tanker ist, der große Wellen erzeugt, sondern eher ein Surfer, der sie reiten kann, wenn sie da sind. Dass die Sendung und das Konzept im richtigen Kontext funktioniert, haben wir im letzten Jahr gesehen, als die Quoten nach dem ,Tanker' "Sing meinen Song" überragend waren. Weil die tollen Menschen von Vox genau so wie wir glauben, dass wir sechs sehenswerte Folgen produziert haben, haben sie die Sendung gerettet und auf einen neuen Sendeplatz gestellt - nach "Sing meinen Song" (die neue Reihe beginnt Ende Mai; die Red.). Ich bin sicher, dass es dann wieder klappen wird. Und wenn nicht: Wir hatten wahnsinnig viel Spaß, alle meine Gäste wollten die Hütte gar nicht mehr verlassen, und die meisten, die die Sendungen gesehen haben, haben sie genossen. Alles darüber hinaus können wir nicht beeinflussen.

Wie geht es nach den Jubiläumskonzerten weiter? Wie zu erfahren ist, ist ein neues Album in Arbeit. Was erwartet die Fans da in Sachen Themen und Musik?

Wirtz Nach der Tour machen wir gleich das neue Album fertig, das eigentlich schon zu 70, 80 Prozent steht. Wir haben einfach immer alles so gemacht wie bisher auch. Also einfach das raus gelassen, was in uns drin war, ohne irgendetwas zu planen. Ich glaube, es wird wieder ein bisschen schwerer und weniger fröhlich als der Vorgänger. Tenor der Reaktionen auf die zwei neuen Songs, die bisher draußen sind, ist "Das ist wieder der alte Wirtz", was man als inzwischen Über-40-jähriger Wirtz natürlich nicht so gerne hört (lacht). Wir fühlen uns auf alle Fälle sehr gut mit dem Material, die Texte gehen auf alle Fälle unter die Haut.

Gibt es bei Konzerten im nächsten Jahr auch Termine in Nähe Ihrer alten Heimat Heinsberg? Wie sieht es mit den Kontakten in die Region aus?

Wirtz Frankfurt ist Zuhause, aber Heinsberg ist natürlich Heimat. Und als jemand, der stolz im Goldenen Buch der Stadt steht, muss man natürlich öfters mal nach dem Rechten sehen (lacht). Also: Geplant ist in Heinsberg noch nichts, aber die Tour wird uns sicher wieder in die Nähe führen.

ANGELIKA HAHN FÜHRTE DAS INTERVIEW

Quelle: RP
 
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