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Heinsberg
Die jecken Pfarrer aus der Kreisstadt

Heinsberg: Die jecken Pfarrer aus der Kreisstadt
Das geistliche Dreigestirn des HKV wird heute Abend proklamiert (von links): Pfarrvikar René Mertens (44) alias Jungfrau Reni, Propst Markus Bruns (50) als Prinz und der evangelische Pfarrer Martin Jordan (54) als Bauer proben gemeinsam das Lied "Wir stehen zusammen", das sie selbst komponiert haben. FOTO: Ruth Klapproth
Heinsberg. Es ist ein Novum in der Geschichte des Bundes Deutscher Karneval (BDK) und sorgt deutschlandweit für Furore: In der Kreisstadt Heinsberg wird heute Abend ein Dreigestirn proklamiert, das ausschließlich aus Pfarrern besteht. Von Daniela Giess

Heute Abend ist er da. Der große Moment, auf den sie so lange gewartet haben. Sie werden durch die Menge schreiten in der ausverkauften Heinsberger Stadthalle. Rosen verteilen in den Vereinsfarben Rot und Weiß. Hände schütteln, bützen, Bekannte und auch Fremde umarmen. Sie werden vorne stehen und zu ihren Zuhörern sprechen. Und doch wird es sich ganz anders anfühlen für Propst Markus Bruns (50) als Prinz, Pfarrvikar René Mertens (44) alias Jungfrau Reni und den evangelischen Pfarrer Martin Jordan (54) als Bauer des Heinsberger Karnevalvereins (HKV). Den Altar tauschen die drei Geistlichen aus der Kreisstadt gegen die fantasievolle Kulisse auf der Bühne ein, den Talar gegen farbenprächtige Ornate, die ihnen der Verein zur Verfügung stellt.

Als erstes Dreigestirn, das ausschließlich aus Pfarrern besteht, werden sie deutschlandweit für Furore sorgen und in die Geschichte des Bunds Deutscher Karneval, kurz BDK, eingehen. Das Fernsehen hat schon einen Beitrag über sie ausgestrahlt. Ihrer großen Verantwortung sind sie sich dabei durchaus bewusst. "Wir haben alles sehr gut geplant. Unser Dienst leidet nicht darunter", verspricht Propst Markus Bruns. "Alle Dienste sind gut abgedeckt", ergänzt Pfarrvikar Mertens. Bei der Generalprobe des HKV sind sie dabei - und nehmen sich Zeit für ein ausführliches Interview mit der Rheinischen Post. Während die gelenkigen Tänzerinnen und Tänzer der Prinzengarde Hebefiguren und akrobatische Einlagen proben, zückt Bruns sein Smartphone, um Fotos zu machen. "Wahnsinn", ruft er begeistert in Richtung Bühne. "Echt klasse."

Man merkt sofort: Die drei verstehen sich, hier stimmt die Chemie. Sie arbeiten oft zusammen. "Im Reformations-Gedenkjahr gab es viele gemeinsame Veranstaltungen", erzählt Martin Jordan, "wir fanden, dass das hier nun ein stimmiger Abschluss wird." Sogar CDU-Politiker Heiner Geißler hatten sie kurz vor dessen Tod noch zu einer Luther-Veranstaltung nach Heinsberg eingeladen.

Zum ersten Mal werden sie heute ihr Lied "Wir stehen zusammen in Spaß und Freud" anstimmen, das Jordan selbst getextet hat. Er wird dazu in die Gitarrensaiten greifen. Bei der Rathausstürmung im vergangenen Jahr rutschte Bruns ein flapsiges "Dreigestirn, das kriegen wir auch hin" raus - der HKV-Vorstand nahm ihn sofort beim Wort. Dem Karneval ist das närrische Geistlichen-Trio schon lange zugetan. Als Senatoren mischen sie in der Heinsberger Jeckenschar mit. Als Prinz im Dreigestirn sammelte René Mertens schon in der Karnevalssession 2011/2012 Erfahrungen als Narrenregent.

"Man muss feierfest sein und gut bützen können", verrät er augenzwinkernd. Der Umgang mit Lippenstift und Puderquaste fällt ihm nicht schwer. Vor den närrischen Auftritten schminkt Ihre Lieblichkeit sich selbst, setzt dabei aber nur auf dezentes Make-up. "Lidschatten benutze ich nicht", gesteht Jungfrau Reni lachend ein.

Den Gedanken der Ökumene lebt das geistliche Dreigestirn nun bis Aschermittwoch auch im Karneval. Zwei närrische Gottesdienste wird es geben, Besucher dürfen kostümiert in der Kirche erscheinen. Für die Messe der Freude am 4. Februar, 11 Uhr, im Selfkant-Dom wurde ein prominenter Prediger aus der Karnevalsszene verpflichtet. Ein ökumenischer Gottesdienst mit dem evangelischen Pfarrer Sebastian Walde findet am 11. Februar ab 10 Uhr in der Christuskirche statt.

Rund 30 Karnevalstermine sind geplant. Landtagsabgeordneter Bernd Krückel hat sie zum traditionellen Empfang in den Düsseldorfer Landtag eingeladen, gemeinsam wird man mehrere Biwaks, die im Heinsberger Raum Frühschoppen heißen, besuchen. Auch beim KC Stöher Sankhas in Mertens' Heimatort Gangelt-Stahe wird das Heinsberger Dreigestirn zu Gast sein, dazu viele Kindergärten und Senioreneinrichtungen aufsuchen.

Quelle: RP
 
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