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Wegberg
„Die Klinik hat noch eine Chance“

Wegberg: „Die Klinik hat noch eine Chance“
Dr. Gert Pattay glaubt an die Zukunft der Klinik: „Kleine Häuser wie das Wegberger haben eine Existenzberechtigung, denn die stationäre, ortsnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung muss ebenso sichergestellt bleiben wie die ortsnahe Versorgung unserer alten, pflegebedürftigen Mitbürger.“ FOTO: RPO
Wegberg. Dr. Gert Pattay leitet seit dem 1. Juli die chirurgische Abteilung des Wegberger Krankenhauses. Der 63-Jährige hofft, dass er der wirtschaftlich angeschlagenen Klinik durch seine Arbeit helfen kann.

Die Sankt Antonius Klinik hat mit Dr. Gert Pattay einen neuen Leiter der chirurgischen Abteilung. Der 63-jährige Österreicher ist am Niederrhein kein Unbekannter: 22 Jahre lang leitete er als Chefarzt die Unfallchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Wesel. Dort hatte er 1977 als Oberarzt begonnen. Nachdem der Österreicher im Juni 2007 schon in den Ruhestand nach Kitzbühel verabschiedet worden war, wurde der fünffache Vater vergangene Woche im Wegberger Krankenhaus als neuer Leiter der Chirurgie vorgestellt. RP-Redakteur Michael Heckers sprach mit dem Mediziner über die Hintergründe.

Vor einem Jahr waren Sie im Ruhestand, heute sind Sie Leiter der chirurgischen Abteilung in der Sankt Antonius Klinik. Wie kam es dazu?

Pattay Ehrlich gesagt: Mir ist daheim die Decke auf den Kopf gefallen. Alles, was ich mir für den Ruhestand vorgenommen hatte – wie Bergwandern, Golfen und Gartengestaltung – hat mich nicht ausgefüllt. Ich habe in Kitzbühel festgestellt, dass ich ohne die Medizin noch nicht leben kann. Darum habe ich schon in Kitzbühel wieder eine Stelle als Oberarzt angetreten.

Wie kam die Verbindung nach Wegberg?

Pattay Als Oberarzt zu arbeiten, nachdem ich 22 Jahre lang als Chefarzt die Unfallchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Wesel geleitet habe, war für mich keine einfache Situation. Darum habe ich Ausschau nach freien Stellen gehalten. Und zwar gezielt am Niederrhein, wo seit Jahrzehnten für meine Familie und mich der Lebensmittelpunkt ist. In Wegberg wurde ein neuer Leiter für die chirurgische Abteilung gesucht.

Das Krankenhaus steht nach heftigen Turbulenzen möglicherweise vor dem Aus.

Pattay Natürlich steckt das Haus in einer schwierigen Lage. Das war mir klar, als ich meinen Vertrag unterschrieben habe. Ich bin aber davon überzeugt, dass es gelingt, das Vertrauen der Wegberger Bürger wiederzugewinnen. Dies wird mir allerdings nur mit Hilfe der niedergelassenen Kollegen gelingen.

Sie sehen also noch Chancen für die Sankt Antonius Klinik?

Pattay Durchaus, die Klinik hat noch eine Chance. Ich habe hier viele motivierte Mitarbeiter vorgefunden. Kleine Häuser wie das Wegberger mit seinen 93 Betten haben eine Existenzberechtigung, denn die stationäre, ortsnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung muss ebenso sichergestellt bleiben wie die ortsnahe Versorgung unserer alten, pflegebedürftigen Mitbürger. "Globalisierung" führt uns hier wie auch anderswo in die Irre.

Aber gelten nicht gerade für kleine Krankenhäuser die wirtschaftlichen Bedingungen als äußerst schlecht?

Pattay Ja, sie sind schlecht, und sie werden durch die Politik immer noch schlechter gemacht. Es sollen in den nächsten Jahren etwa 30 Prozent der Krankenhäuser sterben. Sollten hiervon nur die kleinen Häuser betroffen sein, sind die Verlierer die Bürger der Städte und der ländlichen Gebiete.

Ist Spezialisierung auf bestimmte medizinische Fachgebiete die einzige Chance zum Überleben für kleine Häuser?

Pattay Das hört man häufig. Ich bin ganz anderer Meinung. Aufgabe der kleinen Krankenhäuser muss eine solide Versorgung zwischen Facharztpraxis und Großklinik sein. Dabei sind Menschlichkeit und Wohnortnähe gewünscht. Die Spezialisierung auf bestimmte medizinische Fachgebiete muss den Großkliniken vorbehalten bleiben.

Wie lange läuft Ihr Vertrag in Wegberg?

Pattay Ich habe einen unbefristeten Vertrag. Bisher musste die ärztliche Tätigkeit für die gesetzlichen Krankenkassen mit dem 68. Lebensjahr enden. Ab dem 1. Januar 2009 dürfen auch ältere Kollegen weiterhin tätig sein. Ich gehe davon aus, dass mit Vollendung meines 68. Lebensjahres für mich Schluss ist.

In Wesel leben Sie auf einem wunderschönen historischen Anwesen. Planen Sie einen Umzug nach Wegberg?

Pattay Nein, da meine Ehefrau, einer meiner Söhne und der bisher einzige Enkel in Wesel leben. Morgens fahre ich 90 Kilometer von Wesel nach Wegberg und abends die gleiche Strecke wieder zurück. Das ist zwar weit und anstrengend, aber es ist machbar. Wenn ich Rufbereitschaft habe, bleibe ich in der Klinik.

Quelle: RP
 
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