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Heinsberg
Die Welt als Maskenspiel

Heinsberg. Tatjana Utz zeigt ab Sonntag im Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch ihre Bilderserie "Showtime".

Bemalungen des Körpers und der Körperteile haben in den unterschiedlichen Kulturen verschiedene Funktionen, die über das ursprüngliche äußere Erscheinungsbild hinausgehen. Mit diesem Thema beschäftigt sich die Künstlerin Tatjana Utz (geb. 1975) aus München in ihrer Serie "Showtime", die ab Sonntag in der neuen Ausstellung des Kunstvereins Region Heinsberg im Horster Hof in Unterbruch zu sehen ist.

Das Bildsujet entnimmt Tatjana Utz einem Umfeld, das in der darstellenden und bildenden Kunst sowie in der Gesellschaft eine lange Tradition hat. Die Travestie, also die Darstellung einer Bühnenrolle durch Personen des anderen Geschlechts, gibt es schon im Theater der Antike, wo weibliche Rollen von Männern gespielt wurden. Nicht zuletzt bedingt durch eine ablehnende Haltung von Seiten der Kirche sind weibliche Darstellungen für weibliche Rollen auch im deutschsprachigen Raum erst ab dem 16. Jahrhundert belegt. In der Serie "Showtime" stellt Utz die Verwandlung der Transvestiten in unterschiedlichen Stadien dar. In den Techniken der Acryl-, Öl- und Aquarellmalerei sowie in Objektkästen und Installationen hält sie diese unterschiedlichen Stadien fest und erlaubt seltene Einblicke in die Welt hinter den Kulissen beim Umkleiden und Schminken, bis eine völlige äußerliche Umwandlung vollzogen ist.

"Die Phasen der Verwandlung sind nicht als abbildhafte genaue Dokumentation zu Verstehen; Tatjana Utz reflektiert Befindlichkeiten, die in den unterschiedlichen Bedürfnissen und Anlagen der menschlichen Existenz zu finden sind. Durch die malerische Umsetzung doppelt sie den Akt der Bemalung. Dabei kommt dem Schminken eine exponierte Bedeutung zu", schreibt die Curatorin des Kunstvereins Trantenroth-Scholz zur Ausstellung.

Auch im Alltag nutzen Menschen Make-up und Schminke, um ihr Äußeres zu verändern. Je nach Mode oder individuellen Bedürfnissen fällt dieser Eingriff mehr oder weniger radikal aus.

Tatjana Utz hält die Veränderungen, die sich mit den Personen vollziehen im Bild fest, indem sie die Bemalung der Haut auf der Fläche nachvollzieht. In einem sichtbaren Pinselstrich und expressiven Farbspektrum überhöht sie die Wirkung der Verwandlung. Damit unterstreicht sie das maskenhafte Erscheinungsbild des Individuums, so dass das Ursprüngliche verloren geht und durch eine neue Identität ersetzt wird. Ausschnitthafte Bildkompositionen, die stellenweise vom Bildrand angeschnitten werden, steigern den kraftvollen Ausdruck. Der sichtbar gerichtete Pinselduktus wird verdeutlicht und verstärkt den expressiven Eindruck und die malerische Qualität. Die Malerin studierte an der Akademie für Bildende Künste in München und erhielt mehrere Förderpreise.

Zu ihren Showtime-Serie ist auch eine Dokumentation der Filmerin Maiu Olivero entstanden, die Einblicke in den Arbeitsprozess im Atelier gibt. Der Film wird zur Ausstellungseröffnung im Kunstverein zum ersten Mal gezeigt.

Die Schau wird am Sonntag, 8. November, um 11.30 Uhr eröffnet und ist anschließend bis einschließlich 29. November samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Quelle: RP
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