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Erkelenz
Energeticon: Von der Sonne zur Sonne

Erkelenz: Energeticon: Von der Sonne zur Sonne
Geschäftsführer Harald Richter auf dem Weg durchs Energeticon vor dem Ausstellungsgebäude "Schmiede" mit Bistro "Eduard". Das Energeticon mit drei Hektar Fläche ist eingebettet in die Energielandschaft Anna 2.1 (Grafik oben rechts), dem alten Bergwerksgelände. Im Bild rechts unten sind die neuen Stelen in alten Hallen zu sehen. Die E-Bikes werden zur Stromproduktion genutzt. FOTO: isp (2), Grafik: Energeticon
Erkelenz. Rund 150 Jahre war der Standort des Bergbaumuseums Energeticon in Alsdorf ein Areal für Knochenarbeit, Schweiß und Tränen. Heute ist es ein Areal für Kultur und Bildung. Von Willi Spichartz

Knochenarbeit und Schweiß gab es erst wieder im Endspurt der Fertigstellung des "Energeticons", eines Erlebnis-Raums, der sich mit der Geschichte der Energie befasst, auf und im ehemals größten Steinkohle- und Kokerei-Standort des Aachener Reviers, in Alsdorf. Schon ein Museum, aber eins, dessen inhaltlicher Aufbau mit der Entwicklung des Sonnensystems als der Ur-Energie beginnt, die Kohle, Öl und Gas als ihre konservierte Form abbildet. Deren Entstehung und Ausbeutung über einen Zeitraum von 350 Millionen Jahren eine Episode der Weltgeschichte von 4,6 Milliarden Jahren war. Und das alles verständlich für Jung und Alt. Und das alles erläutert beim Besuch unserer Redaktion Diplom-Ingenieur Harald Richter als Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH "Energeticon".

Das "Energeticon", eine Wortschöpfung für einen Ort, der Energie "darstellt" (lat. iconicus), ist auf Lebendigkeit gebaut, einer sehr eingängigen Art von Wissensvermittlung auch über die Steinkohleregion, die von Aachen-Richterich und Eschweiler im Süden bis nach Hückelhoven im Norden reichte.

Eine klare Gliederung zeigt sich sachlich und räumlich auf dem riesigen Gelände zwischen Alsdorf-Innenstadt und -Busch, dem "Annapark", auf dem ein "Weg der Energie" mit Erläuterungs-Stelen an die Bergbauvergangenheit erinnert. Das Energeticon ist gegliedert in einmal den "Energie-Ursprung", zum zweiten das "Fossile Industriezeitalter" und drittens der "Heimatkundliche Lernort für die postmontane Generation", also für die ab 1990 geborene Altersstufe, die die letzten Zechenschließungen in Alsdorf/Siersdorf 1992 und Hückelhoven 1997 nicht bewusst miterlebt hat. (Hückelhoven plant die Erweiterung des Schachtmuseums.)

Und die Konzeption ist auf dem alten Kohlestandort der Zechen und Kokereien (einst die größte Europas) gewachsen, wie Harald Richter zu vermitteln versteht, indem er eben die Linie vom musealen Kohleabbau in die Energiewende zieht.

Harald Richter, vormals Technischer Beigeordneter der Stadt Alsdorf, hat gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), Ausführende des Strukturwandels im Aachener Kernrevier, und weiteren Fachleuten ein überzeugendes Konzept für ein "Energeticon" erarbeiten können.

Das Fördermaschinenhaus, die Kaue und die Schmiede der Grube Anna bilden die Gebäude, in denen "Energie erleben - Energie verstehen" als das didaktische Leitmotiv des Energeticons umgesetzt wird. Leicht verständlich, interaktiv mit "berühren erwünscht", Filmen und Hörstationen wird die "ganze Geschichte" der Energie erzählt in 30 Stationen auf einem 700-Meter-Parcours. Die Sonne als Schöpfer der fossilen Energieformen, aber auch der regenerativen von heute, und/oder früher. Sie wird sogar akustisch dargestellt.

Im Energeticon werden der Bergbau und die thermische Nutzung der Kohle nicht verteufelt, es wird mit zahlreichen Original-Exponaten und in einer Untertage-Strecke mit Stolz an die industrielle Vergangenheit des Inde-Wurm-Rur-Reviers erinnert, an die aufreibende Arbeit der Bergbau-Beschäftigten.

Weiterhin ist das Energeticon "außerschulischer Lernort" für Kinder, ein Kulturprogramm füllt das schöne Maschinenhaus regelmäßig, die moderne Gastronomie "Eduard", benannt nach dem früheren Eduard-Schacht, erfreut sich erfolgreich-regen Betriebs. "Brüder zur Sonne, zur Freizeit" lässt sich das wohl meistgesungene Arbeiterlied ".... - zur Freiheit" zum ehemaligen Arbeiter-Ort abwandeln.

Und der sieht zum Teil auch noch wie der Arbeiter-Ort aus: Das Fördermaschinenhaus des Eduardschachts wurde vor dem Jahr 2008 noch klassisch saniert, in den quasi alten Zustand zurückversetzt. Kaue und Schmiede unterliegen dem rauen Charme des zeitgenössischen Design-Konzepts des "Rough Interiors" (raue Einrichtung), in dem Betriebsspuren und Alterung das Erscheinungsbild charakterisieren, Fliesen und Putz wurden nicht erneuert, die Spuren von Maschinen und Werkzeug behalten ein Existenzrecht. Sie kontrastieren interessant mit den makellosen Neueinbauten, Gerätschaften. Betriebsspuren und Neueinbauten - beide Elemente als Ergebnisse menschlicher Arbeit mit Energie macht das Energeticon anschaulich.

Das Energeticon ist "selbsterklärend", jedes Exponat, jeder Infopunkt versteht sich von selbst - gebucht werden können aber auch Besucherbegleiter und pädagogische Workshops zur Vor- und/oder Nachbereitung. Und die Dauer-Ausstellung ist nicht, so das Konzept, immer von Dauer - neue Ansätze und Erkenntnisse werden aufgenommen, wie der Kreislauf der energetischen Veränderungen durch den Zentral-Energielieferanten Sonne, der seine Power aus Kernfusion verbreitet. Die Kernspaltung als Energielieferant in den höchstbrisanten Atomreaktoren findet im Energeticon nicht statt - als Auslaufmodell.

2015 erhielt das Energeticon den renommierten und prestigeträchtigen "Merit Award" der jährlich seit 1973 von einer hochkarätigen Jury in New York für verschiedene Sparten der visuellen Kommunikation vergeben wird. Bewertet werden die besten gestalterischen Leistungen unter anderem aus Werbung, Design und Präsentationen, dazu gehen regelmäßig 20.000 Vorschläge ein. Das Energeticon erhielt den Award für "Excellence in Advertising". Damit gehört das Energeticon zu den schönsten und spannendsten Museen der Welt.

Quelle: RP
 
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