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Heinsberg
Entwicklungshilfe: schwierig, aber erfolgreich

Heinsberg. Das Afrika-Fest holte ein Stück Ruanda nach Heinsberg. Umgekehrt ist aber auch die Kreisstadt in dem zentralafrikanischen Land, das mit 12,1 Millionen Menschen etwas weniger Einwohner hat als Bayern, längst bekannt.

Die NEW-Bühne des Afrika-Festes hätte er problemlos nicht nur mit lokalen Politikern, sondern auch deren Pendants aus Ruanda füllen können, sagt Dr. Bernd Bierbaum, der sich mit seinem Verein "Wir für Ruanda - ACA" schon seit 21 Jahren in der Region engagiert.

"Als junger Arzt war ich drei Jahre in der Entwicklungshilfe tätig", erzählt Bierbaum. Als er dann im jahr 1994 vom Völkermord gehört habe, sei er nach Ruanda geflogen, um zu helfen, und "meine Freunde haben mich sofort unterstützt", erinnert er sich. Seitdem haben sie viel erreicht. Nach der Sanierung von Krankenhäusern und Schulen in Zentralafrika hat der Verein ein Zentrum für Kinder mit geistiger Behinderung in Ruanda gebaut. "Um die würde sich sonst niemand kümmern", schilderte Bierbaum. Dabei seien mittelschwer behinderte Menschen durchaus in der Lage, mit der richtigen Ausbildung ein eigenständiges Leben zu führen. Nach dreijährigem Bau konnte das Zentrum im Jahr 2010 seine Arbeit aufnehmen und seitdem die ersten Generationen von Schülern schon erfolgreich entlassen.

"Jetzt wollen wir die Berufserziehung ausbauen und einen integrativen Kindergarten schaffen", plant Dr. Bernd Bierbaum. Außerdem seien "small home units", also kleine Gebäude zur Unterbringung derjenigen Schüler, die weiter von der Schule entfernt leben, vorgesehen, kündigt der Mediziner an.

Bei allem Engagement und Enthusiasmus ist die Arbeit des Vereins nicht immer unkompliziert. Der Name "Wir für Ruanda" kann nur in dem Land selbst verwendet werden. Im Kongo gilt die Bezeichnung "ACA" (Action Central Afrique). Ruanda sei im Kongo nicht gern gehört, berichtet Bierbaum aus seiner Erfahrung, "die beiden Völker sind immer noch verfeindet." Das kann die Arbeit kompliziert machen.

Der bisherige Erfolg des Projektes überstrahlt aber diese Schattenseiten und gibt den Initiatoren Recht. Wer die Fotos lachender Schulkinder und ihrer Lehrer am Informationsstand des Afrika-Festes in Oberbruch gesehen hat, zweifelt daran gewiss nicht.

(ld)
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