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Kreis Heinsberg
Finanzielle Sorgen bei Aids-Betroffenen

Kreis Heinsberg: Finanzielle Sorgen bei Aids-Betroffenen
Die rote Schleife ist weltweit ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken. Renate Kaspar, Leiterin FOTO: privat (archiv)
Kreis Heinsberg. Geschätzt 100 am HI-Virus erkrankte Menschen leben im Kreis Heinsberg. Geholfen wird ihnen vom Aids-Beratungs- und Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt mit Sitz in Hückelhoven. Hilfe ist vermehrt bei finanzielle Probleme vonnöten. Von Anke Backhaus

Die Zahlen sind geschätzt: In Deutschland gibt es derzeit rund 80 000 Menschen mit dem HI-Virus. Diese Zahl legt das Robert-Koch-Institut zugrunde. Etwa 100 von ihnen leben im Kreis Heinsberg. Die Zahlen sind deshalb geschätzt, "weil es eben auch die Dunkelziffer gibt", sagt Renate Kaspar. Sie leitet den Aids-Beratungs- und Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Heinsberg. Die Beratungsstelle hat nun den Jahresbericht 2014 vorgelegt. Dieser sagt unter anderem aus, dass es bei den Beratungen nicht mehr nur um gesundheitlich-medizinische Fragestellungen geht, sondern vermehrt um finanzielle Probleme der Ratsuchenden.

Wie Renate Kaspar betont, ist die HIV-Infektion heute medikamentös gut behandelbar. "Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Infektion früh erkannt wird." Dank wirksamer Medikamente kann so der Ausbruch der Erkrankung entweder verhindert, zumindest aber lange hinausgezögert werden. "Darum können rund zwei Drittel der Betroffenen ein relativ normales Leben führen. Sie sind in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen", verdeutlicht Renate Kaspar. Aber: "Vorurteile gibt es immer noch. Die, die sich schon lange in der Behandlung und Beratung befinden, berichten über eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse. Einige verlieren ihren Job, einige sind wegen der gesundheitlichen Einschränkung überhaupt nicht in der Lage zu arbeiten. Und weil die Krankenkassen auch nicht mehr alle Kosten übernehmen, sind die finanziellen Sorgen der Betroffenen groß." Darum gibt es in der Kreis Heinsberger Beratungsstelle, deren Sitz in Hückelhoven ist, einen Hilfsfonds, der in Notlagen zur Verfügung steht.

Ein wichtiger Aspekt in der Arbeit der Beratungsstelle ist die Öffentlichkeitsarbeit und Prävention. Renate Kaspar: "Wir sind nach wie vor an Schulen aktiv, um die Schüler aufzuklären, sie zu sensibilisieren."

Zur Statistik: In 2014 gab es insgesamt 322 Beratungskontakte. Die überwiegende Zahl der Klienten, die zwischen 25 und 66 Jahre alt sind, kommt aus dem Kreis Heinsberg, jedoch stammen einige Betroffene aus den Regionen Mönchengladbach, Aachen und Düren. Die Beratungen erfolgen telefonisch, persönlich oder auch per E-Mail. Auch Angehörige werden beraten. In den 59 Präventionsveranstaltungen, die 2014 stattfanden, erreichte die Beratungsstelle rund 1200 Teilnehmer.

Dazu unterstützt die Beratungsstelle auch die Gruppentreffen der HIV-Positiven, die zwölfmal stattgefunden haben. Die Treffen sind in der Hauptsache dazu gedacht, die Betroffenen aus der Isolation zu holen und ihnen den Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Damit unterstreicht die Beratungsstelle die psychosoziale Begleitung.

Quelle: RP
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