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Kreis Heinsberg
Finden Jugendliche Aschenkreuz uncool?

Kreis Heinsberg: Finden Jugendliche Aschenkreuz uncool?
Am heutigen Aschermittwoch wird in katholischen Schul- und den Abendgottesdiensten das Aschenkreuz ausgeteilt. FOTO: EPD (ARCHIV)
Kreis Heinsberg. Für Schulklassen und Kommunionkinder ist der Besuch des Gottesdienstes am Aschermittwoch obligatorisch. Jugendliche empfangen das Aschenkreuz eher selten. Von Gabi Laue

Wenn die Hückelhovener Jugendkirche heute in St. Barbara letzten Juge ndgottesdienst feiert, spielt ein Ritual mit Asche eine Rolle. Das Kreuz wird aber nicht angeboten. "Das ist eine Symbolik, die Jugendliche nicht mehr verstehen", glaubt Benedikt Patzelt, Beauftragter für Jugendpastoral in der Region. Das Aschenkreuz erinnere an die Vergänglichkeit des Menschen. "Manche Jugendliche schämen sich, es den ganzen Tag zu tragen. Wenn sie es empfangen, wischen sie es eher rasch wieder ab." In der Erkelenzer Jugendkirche gibt es heute keinen Sondergottesdienst.

Grundschul- und Kommunionkinder, die den Sinn und Hintergrund von Aschenkreuz und Fastenzeit erklärt bekommen haben, nehmen das Angebot noch ganz natürlich an. Dass es aber für ältere Jugendliche generell "uncool" wäre, glaubt der Erkelenzer Schulseelsorger Joachim Ritzka nicht. Manche fänden das schon komisch oder peinlich, aber: "Wenn man die Zeit hat, das Zeichen zu erklären, haben sie schon eine Antenne dafür." Ritzka hat vor zwei Jahren als Seelsorger für die Europaschule (Realschule) und das Cornelius-Burgh-Gymnasium begonnen. Den althergebrachten Schulgottesdienst - mittwochs erste Stunde, alle eingeladen, keiner kommt - wollte er verändern, attraktiver machen für die Jungs und Mädchen. Täglich hat er mit rund 1500 Schülern zu tun. Er spricht ihre Sprache, weiß, auf welche Musik sie stehen, kommuniziert auch über Facebook. Und er findet den richtigen Draht zu Jugendlichen, wenn sie Gottesdienste mit vorbereiten sollen. "Wenn es darum geht, Teams aus den Jahrgängen zusammenzustellen und Jugendliche zu finden, die sich für Gottesdienste anmelden, kann ich mich nicht beklagen", sagt Joachim Ritzka. Im Vorjahr hat er an der Realschule probiert, vormittags Schüler zum Gottesdienst mit Austeilung des Aschenkreuzes einzuladen, und das kam gut an: "In einem Raum der Schule kamen 50, 60 Schüler zusammen. Wir hatten keine Stühle mehr."

Das Kreuz leitet über zur Fastenzeit. "Das Bewusstsein ist da, dass Fastenzeit etwas mit Verzicht, Reinigung und Neuanfang zu tun hat, dafür sind die Schüler durchaus empfänglich", ist die Erfahrung des Schulseelsorgers. Daher möchte er in diesem Jahr ein neues Experiment wagen: Frühschichten zur Fastenzeit, 6.50 Uhr bis Unterrichtsbeginn, mit kleinem Team und Morgenmeditationen zum Thema. Das ganze Jahr über werden für die 14 Jahrgänge - sechs der Realschule und acht im CBG - Schulgottesdienste in der Krypta der Erkelenzer Lambertus-Kirche gefeiert, mit guter Beteiligung. Der rund gebaute Raum sei ideal, meint Ritzka, es kommen zwischen 25 und 60 Schüler. Ganz groß eingeschlagen hat der Weihnachtsgottesdienst mit rund 500 jungen Besuchern. Die Teams, die Gottesdienste vorbereiten, machen das sehr gerne.

Jugendliche sind nach Ritzkas Erfahrung durchaus empfänglich für spirituelle Angebote. So haben sich 20 aus der Oberstufe angemeldet für vier Tage Schweigeexerzitien mit Gruppenarbeit im Kloster Marienstadt (Limburg/Westerwald). Echt krass - ohne Handy, ohne Bücher, ganz abgeschieden. Aber eine spannende Erfahrung und irgendwie eben cool.

Quelle: RP
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