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Kreis Heinsberg
Flüchtlinge in Arbeit integrieren

Kreis Heinsberg. In der Kreissparkasse Erkelenz diskutierten Vertreter von IHK, Handwerkerschaft, Rotem Kreuz und etlichen Firmen. Von Willi Spichartz

Der neue deutsche Pragmatismus im Kanzlerinnen-Jargon "Wir schaffen das" geht in Phase zwei: Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit bringen als historische Chance auch gegen den demografischen Wandel - das stellte vor allem Landrat Stephan Pusch bei einem "Informationsabend Flüchtlingsarbeit" in der Kreissparkasse Erkelenz heraus. Der Einladung an Unternehmen im Kreis waren mehr als 60 Firmenvertreter gefolgt, um über die Gewinnung neuer Arbeitnehmer unterrichtet zu werden.

Einlader waren neben dem Kreis die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, die Kreishandwerkerschaft, die Kreissparkasse und der Kreisverband des Roten Kreuzes, der auch die Initiative zu dieser Veranstaltung ergriffen hatte, während die Kreissparkasse die Organisation und Koordination leistete.

Rund 4000 Flüchtlinge zählen die Beteiligten im Kreis, deren Erstversorgung mit zahllosen Ehrenamtlern und Behörden-Mitarbeitern inzwischen praktisch reibungslos läuft, die man aber vor allem als Chancen in vielerlei Hinsichten begreifen sollte, wie neben Landrat Pusch Sparkassenchef Thomas Pennartz, IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer und Lothar Terodde als DRK-Geschäftsführer herausstellten.

Chancen auch für ein Überdenken von Verwaltungsabläufen pointierte der Landrat: "Wir haben als Kreis Hallen für die Flüchtlinge von Unternehmen angemietet ohne die eigentlich notwendige Ausschreibung, das Verfahren hätte normal zwölf Monate gedauert. Warum geht das nicht immer so?". Eine zweite Chance nach der Eingliederung der "Gastarbeiter" sah Pusch vor allem mit den jungen Flüchtlingen: "Die Gastarbeiter haben wir über Arbeit gut integriert, aber deren zweite und dritte Generation haben wir zum Teil verloren, daraus sollten wir jetzt lernen."

Der Wassenberger Unternehmer Frank Sodermanns kritisierte die Regelung der Agentur für Arbeit, dass bestimmte Arbeitsplätze erst mit Ausländern besetzt werden dürfen, wenn sich kein Deutscher dazu in einem Jahr gefunden hat. Hückelhovens Erster Beigeordneter Helmut Holländer, der allein mehr als 600 Flüchtlinge zu betreuen hat, unterstützte die Kritik Sodermanns. Unternehmer hätten zur Einstellung eines Flüchtlings umfangreiche Papiere des Jobcenters zu bearbeiten: "Nach der ersten Seite schmeißt man so was weg, damit ist niemandem geholfen."

Der Geilenkirchener Hanno Frenken, Geschäftsführer einer großen Senioreneinrichtung, machte den anwesenden Unternehmerkollegen Mut: Nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten auch mit der Mentalität von Flüchtlingen seien in seinem Haus 18 Teilnehmer aus 16 Nationen täglich fleißig und pünktlich sechs Stunden im Deutschunterricht. Die Bildung und Findung von neuen Arbeitnehmern habe man in Viermonats-Abschnitte eingeteilt, nach denen jeweils über den Fortgang neu entschieden werde: "Die Menschen sind hochgradig motiviert."

Lothar Terodde legte die Intensität der Flüchtlingsbegleitung dar: "Jeder einzelne Flüchtling wird von unseren Mitarbeitenden vorbereitet und zum Vorstellungsgespräch bei Unternehmen begleitet." Eine Anlaufstelle hat nach Worten von Michael F. Bayer auch die IHK Aachen für ihre Mitgliedsunternehmen eingerichtet, die selbst auch beispielsweise über Fördergelder informiert oder Verbindungen schafft. Allein 150 Praktikantenplätze für Flüchtlinge können im Kammerbezirk zurzeit noch besetzt werden.

Quelle: RP
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