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Kreis Heinsberg
Für alle Generationen gerecht planen

Kreis Heinsberg: Für alle Generationen gerecht planen
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Kreis Heinsberg. Der demografische Wandel und immer differenziertere Lebensstile führen zu neuen Planungsschwerpunkten. Das beim Kreis Heinsberg vorgestellte erste "Sozialraum-Monitoring" analysiert Angebote in den Kommunen des Kreises. Von Angelika Hahn

Bürger und Fachleute müssen umdenken, wenn es um künftige Planungen geht: Nicht mehr Kommunen oder das Kreisgebiet als Ganzes sind die bestimmenden Einheiten für Statistik und Sozialplanung, sondern "Sozialräume" als größere Einheiten und "Quartiere", die ein noch begrenzteres Wohnumfeld in den Blick nehmen.

Die neuen Kategorien sollen eine differenzierte Planung von Angeboten für alle Generationen ermöglichen. Das heißt auch, in der Berichterstattung über soziale Themen in den Fachausschüssen des Kreises wird immer weniger vom Kreis Heinsberg als Ganzem die Rede sein, dafür umso mehr von der individuellen Entwicklung in einzelnen Kommunen, genauer: den "Sozialräumen".

Den ersten Schritt dazu hat der Kreis jetzt vollzogen - mit einer Bestandsaufnahme der Bevölkerungsstruktur, der Gesundheits- und Bildungsangebote in den Jahren 2013/2014. Dazu wurde das Kreisgebiet in 20 Sozialräume aufgeteilt, dabei sind die Städte im Kreisgebiet in jeweils zwei bis drei Sozialräume gegliedert, die Gemeinden bilden jeweils einen Sozialraum.

Knapp 100 Seiten umfasst diese Übersicht, genannt "Sozialraum-Monitoring", die in einem umfangreichen Druckwerk von Wissenschaftlern des Geografischen Instituts der TH Aachen im Auftrag der Kreises erstellt wurde. Der Bericht sei freilich nur ein erstes Schlaglicht. Er bilde eine Bestandsaufnahme aus einem kurzen Zeitraum. Erst in der kontinuierlichen Fortschreibung werden sichere Aussagen und Handlungsempfehlungen möglich. Das machte Referent Marius Otto vom TH-Team um die Professorinnen Carmella Pfaffenbach und Cordula Neiberger jetzt in der gemeinsamen Sitzung von Kreis-Sozialausschuss und Kreis-Jugendhilfeausschuss deutlich. Auch allen Kommunen im Kreisgebiet liegt der Bericht inzwischen vor.

Volkhard Dörr, Leiter der Stabsstelle Demografischer Wandel beim Kreis, dankte den Kreis-Kommungen für ihre Kooperation beim Sozialraum-Monitoring, Städte und Gemeinden lieferten viele Daten und Fakten für diese erste Bestandsaufnahme. Die bietet immerhin - bei aller Vorsicht der Interpretation - schon einige Hinweise, wo die Sozialräume ihre "Baustellen" haben.

Betrachtet haben die Wissenschaftler vier Schwerpunkte: demografische Entwicklung, Arbeiten und Einkommen, Leistungen für Familien und Kinder und infrastrukturelle Ausstattung für die jüngere und ältere Bevölkerung.

Bei der Altersstruktur zeige der Kreis ein relativ homogenes Bild, sagte Referent Otto. Knapp ein fünftel der Kreisbevölkerung gehört zur jungen Kohorte der bis 20-Jährigen, etwa 61 Prozent machen die 20- bis 65-Jährigen aus, ein Fünftel entfällt auf die Generation 65plus. Über dem kreisweiten Durchschnitt (von 19,7 Prozent) der Über-65-Jährigen liegen zwei (von drei) Sozialräume in Erkelenz und die Innenstadt Wegbergs. Wegberg hat auch im Vergleich zur Altersstruktur - anders als etwa Erkelenz oder Hückelhoven, die positiv hervorstechen - ein deutliches Defizit an Pflege-, Wohn- und Betreuungsangeboten für Senioren.

Als derzeit besonders "junge" Gemeinde präsentiert wird Wassenberg - bedingt aber durch die in jüngerer Zeit gewachsenen Neubaugebiete. Auch Teile Heinsbergs und der Selfkant liegen über dem Durchschnitt bei den Unter-Sechsjährigen. Was nicht unbedingt mit hohen Geburtenraten einhergehen muss. Denn der Kreis, der insgesamt dem Landestrend beim Geburtendefizit entspricht, profitiert von Zuzüglern, die im Vergleich zu den Fortzügen überwiegen. Bei diesem sogenannten Wanderungssaldo übertrifft der Kreis Heinsberg Kreise wie Düren, Euskirchen oder Wesel.

Nicht überraschen dürfte, dass die frühere Bergarbeiterstadt Hückelhoven und das niederländisch geprägte Selfkant bei den Zahlen zum Migrationshintergrund hervorstechen oder sich Schulen, Bildungs- und Medizineinrichtungen in den größeren Städten des Kreises häufen. Kindergärten und Grundschulen sind aber ausgeglichen im Kreis verteilt. Nicht überrascht hat die Forscher auch, dass etwa Arbeitslosigkeit besonders in den städtischen Sozialräumen ein größeres Thema ist. Insgesamt bescheinigen sie dem Kreis Heinsberg aber "ein gutes Angebotsnetz".

Unterschiede zwischen den Sozialräumen dürften vorerst nicht überinterpretiert werden, betonten die Wirtschaftsgeografen. Viele Indikatoren würden in der vorliegenden Bestandsaufnahme betrachtet, ohne dass schon ihre mehrjährige Entwicklung berücksichtigt werden konnte.

Quelle: RP
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